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Kreis Görlitz: Energiekrise lässt Preise für Weihnachtsbäume steigen

Bald beginnt der Verkauf der Bäume im Kreis Görlitz. Gestiegene Spritpreise und Mindestlohn wirken sich auch auf deren Preise aus.

Von Constanze Junghanß & Matthias Klaus
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Im Görlitzer Bahnhof steht er schon, der Weihnachtsbaum. Leuchten wird er nicht, die Bahn spart Energie.
Im Görlitzer Bahnhof steht er schon, der Weihnachtsbaum. Leuchten wird er nicht, die Bahn spart Energie. © Martin Schneider

Anfang November und schon steht er da, festlich geschmückt in der Görlitzer Bahnhofshalle: ein Weihnachtsbaum. Bei Reisenden sorgt das durchaus für Irritationen: So früh schon? Es war doch noch nicht mal Totensonntag.

Bahn-Sprecher Jörg Bönisch erklärt das so: "Die von uns beauftragte Firma muss allein in der Region Südost, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund 20 Weihnachtsbäume aufstellen." Damit jeder dieser Bäume fristgerecht bis zum 28. November aufgebaut ist, müssten diese Arbeiten schon vor dem Totensonntag begonnen werden.

Anderswo laufen die Vorbereitungen für den Weihnachtsbaumverkauf derzeit auf Hochtouren. Toni Mambk, Chef des Obi-Marktes in Niesky hat schon einen konkreten Termin. Am 17. November geht es los. "Die Bäume an sich werden nicht teurer", schildert er. Dennoch müssen die Kunden etwas tiefer in die Tasche greifen. Denn die Logistik, etwa die Transportkosten wegen steigender Spritpreise, ist teurer geworden. Toni Mambk rechnet damit, dass je nach Baumgröße ein bis fünf Euro mehr gezahlt werden müssen. Der Renner werden wieder die Nordmanntannen, ist er sicher.

Blaufichten wenig gefragt

Ähnlich sieht es Andreas Heyde in Deutsch Paulsdorf. "Die Preise werden steigen, aber nur leicht", sagt er. In welcher Höhe, da ist sich der Weihnachtsbaumverkäufer noch nicht sicher. Er rechnet mit drei Euro. Mindestlohn, gestiegene Spritpreise - auch bei ihm Gründe für die Preiserhöhung. Ab dem 3. Dezember wird in Deutsch Paulsdorf verkauft. An erster Stelle auf der Verkaufshitliste stehen Nordmanntannen. "Blaufichten werden weniger gefragt", so Andreas Heyde.

Am 3. Dezember startet auch die Weihnachtsbaumplantage Leipgen in Mücka so richtig in die Verkaufssaison. "Wir halten die Preise im Vergleich zum Vorjahr", sagt Inhaber Martin Henke. Das heißt: Der laufende Meter kostet 17 Euro. Wenn die Spitze etwas lang drüberguckt, werde auch schon mal wohlwollend abgerundet, so Martin Henke. Auch bei ihm sind die Nordmanntannen die beliebtesten Bäume fürs Fest. "Wir haben auch noch Blaufichten im Angebot. Manche Kunden fragen nach, vor allem wegen des schönen Geruchs", sagt er. Nach Kiefer hingegen werde gar nicht gefragt. Am 17. Dezember steht das 5. Leipgener Baumschlagen an. Dann kann man sich den Wunsch-Weihnachtsbaum selbst absägen.

Nachhaltigkeit ist großes Thema

Mitte November beginnt bei Hornbach in Görlitz der Baumverkauf. Das Thema Nachhaltigkeit ist auch für die großen Baumärkte ein Thema. Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet während der Wuchsphase von zehn Jahren bis zu 145 Tonnen Kohlendioxid und produziert bis zu 105 Tonnen Sauerstoff, rechnet das Unternehmen vor. Und nicht nur: das Weihnachtsbaumkulturen sind auch Lebensräume für Tiere – 80 Prozent der Brutpaare der Heidelerche haben zum Beispiel ihre Nistplätze dort. Damit das so bleibt, werden auf diesen Weihnachtsbaumkulturen so viele Bäume nachgepflanzt, wie geerntet werden. Die Hornbach-Weihnachtsbäume werden in Baumschulen in Deutschland und Dänemark geschlagen.

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Rund 100 Betriebe im Freistaat Sachsen zählt das Statistische Landesamt, die Weihnachtsbäume anpflanzen und pflegen. Der Sachsenforst sieht sich mit seinen bis zu 20.000 verkauften Bäumen im Jahr aber nur als ein kleiner Akteur. Der Grund: Gerade im Kreis Görlitz gibt es kaum Flächen, die dem Sachsenforst gehören. Vor allem Kommunen und Privatleute sind die Eigentümer.

Bahnhofsbaum Görlitz bleibt ohne Kerzen

Auf mittlerweile 20 Hektar bauen Uta und Heiko Belger Weihnachtsbäume in Niedercunnersdorf in ihrem Familienunternehmen an. Verkauft werden die Nadelgehölze unter anderem in Görlitz-Weinhübel ab dem 7. Dezember. Zur Ernte kommen in diesem Jahr Nordmanntanne, Blaufichte, Korktanne und Kiefer. „Wir hatten in unserer Region in diesem Jahr ausreichend Wasser“, sagt Uta Belger. Ein Pluspunkt. Mit der Dürre der vergangenen Jahre musste das Unternehmen nicht kämpfen. Dafür zogen die Düngerpreise heftig an. Mittlerweile sei Dünger 100 Prozent teurer geworden, so die Unternehmerin. Und auch der Dieselpreis kletterte stark.

Da das Tannengut Belger aufgrund der großen Anbaufläche auf den Traktor nicht verzichten kann, mache sich das schon bemerkbar. Der Betrieb passt deshalb die Preise für Weihnachtsbäume an. Ein großer Preissprung jedoch passiert nicht für die regional gewachsenen Tannen, Kiefern und Co. Zwei Euro mehr pro Baum sind in dieser Saison zu bezahlen, wobei es beim Tannengut „für jeden Geldbeutel einen Baum geben wird“, wie die Unternehmerin sagt. Ab 10 Euro geht es los. Orientiert wird sich beim Verkauf nicht nur an der Größe, sondern vor allem an der Qualität. Eine Besonderheit gibt's in Niedercunnersdorf auch: die Selbsternte ab dem 2. Advent.

Im Görlitzer Bahnhof hatte die Bahn die Lichter des Weihnachtsbaums in der Vergangenheit stets nach dem Totensonntag gezündet. Das wird es 2022 nicht geben, weder in Görlitz noch anderswo. "In diesem Jahr wird es auf den Bahnhöfen keine Weihnachtsbeleuchtung geben", so Bahnsprecher Jörg Bönisch, "um Energie einzusparen."