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Wie die Kirchen Weihnachten retten wollen

In Stadt und Kreis Görlitz gibt es schon erste Überlegungen. Doch zunächst geht es um Reformationstag und Konfirmation.

So voll wie vor vier Jahren wird die Görlitzer Lutherkirche am Reformationstag in diesem Jahr gewiss nicht sein.
So voll wie vor vier Jahren wird die Görlitzer Lutherkirche am Reformationstag in diesem Jahr gewiss nicht sein. © nikolaischmidt.de

Die neuerlichen Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie begründeten Kanzlerin und Ministerpräsidenten mit dem Ziel, Weihnachten zu retten. Kann die Corona-Welle im November gebrochen werden, so bestünden gute Aussichten, Weihnachten in Familie und mit Freunden zu feiern.

Ein Ziel, das auch den Görlitzer Landrat Bernd Lange umtreibt. Weihnachten gehöre zur Lebenskultur der Menschen in besonderer Weise dazu, erklärte er Anfang dieser Woche. Und stellte ein Treffen mit Vertretern der Kirchen in Aussicht. Dabei soll besprochen werden, wie Weihnachten in den Kirchen gefeiert werden kann.

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Christnacht auf dem Markt oder im Stadion

Seit Mittwochabend ist das aber erst einmal wieder alles offen. Allerdings unterscheidet sich die Situation für die Kirchen vom Frühjahr: Damals wurden auch Gottesdienste untersagt, das ist dieses Mal nicht der Fall. Ausdrücklich nahm die Kanzlerin die Kirchen vom Verbot der Veranstaltungen aus. Ob aber 100 Besucher weiterhin zugelassen sind, konnte der Kreis am Donnerstag noch nicht bestätigen. Gelten werden auch bei anderen Rahmenbedingungen besondere Hygieneregelungen: Plätze dürfen nur in sicherem Abstand zum Neben- und Vordermann belegt werden, Maskenpflicht herrscht bis zum Platz, beim Singen ist die Maske zu tragen, Angaben zur Person werden erfasst und einen Monat aufbewahrt. So gilt es jedenfalls in der Görlitzer evangelischen Innenstadtgemeinde.

Und anders als in den Vorjahren wechseln die Gemeinden später in ihre meist kleineren, aber beheizbaren Gemeinderäume. So lange es geht, finden beispielsweise in der Peterskirche und in der Lutherkirche Gottesdienste statt. "Wir besorgen schon Decken", sagt Pfarrer Dr. Matthias Paul.

Gleichwohl machen sich auch die Kirchgemeinden seit geraumer Zeit Gedanken, wie Weihnachten gefeiert werden kann. Schließlich kommen zu den Christnacht-Gottesdiensten am 24. Dezember auch viele Menschen, die sonst das Jahr über nicht in die Kirche gehen. Die Gotteshäuser waren dann immer besonders gut gefüllt. So wie in den Vorjahren geht es aber nicht, weil es viel weniger Plätze in den Kirchen gibt. 

So entwickelten Innenstadtgemeinde und Kreuzkirche beispielsweise Gedanken, ein Ticketsystem einzurichten. Doch mit der Begrenzung auf 100 Teilnehmer ist das auch wieder obsolet geworden. In anderen Städten denkt man über Gottesdienste und Messen auf Marktplätzen oder in Stadien nach, um Abstände von vielen Menschen zu gewährleisten. Völlig offen aber auch ist, ob die Unsicherheit dazu führt, dass auch mancher von einem Besuch der Christnacht Abstand nimmt. 

Auf jeden Fall wird der Evangelische Kirchenkreis auf eine Initiative aus dem Frühjahr zurückgreifen. Damals erschien eine Broschüre mit Andachtstexten, Liedempfehlungen und Bibelstellen, damit Christen zu Hause während der Passions- und Osterzeit Gottesdienste feiern oder einfach mal nachlesen konnten. Genau eine solche Broschüre  für die Adventszeit bis zum Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar soll es erneut geben. 

Doch zunächst einmal steht den Kirchen ein besonderes Wochenende ins Haus. Mit Reformationstag und Allerheiligen feiern sowohl die Protestanten als auch die Katholiken herausgehobene Feiertage. In der evangelischen Innenstadtgemeinde kommt noch hinzu, dass die Konfirmation nachgeholt wird. Im Mai konnte sie zum traditionellen Termin nicht stattfinden, dann verschob man sie auf den Reformationstag und verlegte sie von der Peterskirche in die Lutherkirche. Niemand konnte damals ahnen, dass der gesamte Sommer für die Konfirmation unproblematisch sein, aber sie ausgerechnet  jetzt in die zweite Corona-Welle fallen würde. Doch ein zweites Mal wird sie nicht ausfallen. 

Da aber nur 100 Besucher zugelassen sind, können nur die Familien und nahen Angehörigen der Konfirmanden an dem Gottesdienst am Sonnabendvormittag in der Lutherkirche teilnehmen, alle anderen Gemeindeglieder nicht. Das sagt Pfarrer Matthias Paul. Das ist auch deswegen noch ein besonderes Problem, weil ansonsten an Sonntagen immer zwei Gottesdienste stattfinden - einer in der Peterskirche, einer in der Lutherkirche. Seit Jahren  feiert die Gemeinde aber den Reformationstag gemeinsam in der Lutherkirche - und nur dort. 

Paul kennt das Dilemma, aber verweist auf das traditionelle Konzert in der Lutherkirche am Reformationstag, das als musikalische Andacht auch in diesem Jahr um 17 Uhr am Sonnabend stattfindet. Und im Gottesdienst am Allerheiligen-Tag in der Peterskirche soll dann am Sonntag ein besonderes Augenmerk auf den Reformationstag gelegt werden. Das ist eine Ironie der Geschichte, wandte sich doch Luther am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517 an die Öffentlichkeit und prangerte Missstände in der damaligen Kirche an.

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