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Wie Frau Kraunus Görlitz leuchten lässt

In ihrem Geschäft am Obermarkt verkauft sie Lampen mit Görlitz-Motiven. Eigentlich sollten die auf dem Christkindelmarkt über den Ladentisch gehen.

Kerstin Kraunus in ihrem Geschäft: Hier verkauft sie nun die Görlitz-Lampen.
Kerstin Kraunus in ihrem Geschäft: Hier verkauft sie nun die Görlitz-Lampen. © Nikolai Schmidt

Anfang des Jahres konnte ja noch niemand damit rechnen, wie es heute aussehen wird. In Handel, Gastronomie, dem öffentlichen Leben überhaupt. Kerstin Kraunus reiste damals zu einer Messe, so wie sie es schon oft getan hatte. Die Görlitzer Geschäftsfrau war auf der Suche nach neuen Ideen, neuen Produkten für ihren Geschenke- und Schreibwarenladen am Obermarkt.

Bei der Firma Goldbach wurde sie fündig. Von der hatte sie schon des Öfteren Waren bezogen. Eine Lampe, eine Art Windlicht aber mit LED bestückt, weckte Kerstin Kraunus Interesse. "Wir haben diese Lampe schon mit allgemein weihnachtlichem oder winterlichem Motiv. Warum, habe ich überlegt, gibt's so etwas nicht mit Görlitzer Sehenswürdigkeiten?", schildert sie. Die Firmenvertreter fanden die Idee gut.

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500 Lampen auf Lager am Obermarkt

Kerstin Kraunus schickte Vorlagen, Bilder von bekannten Görlitzer Gebäuden, vom Kaufhaus über den Dicken Turm bis zur Peterskirche. Die Firma formte sie zu einer Vorlage für eine Lampe um. Kerstin Kraunus bestellte 500 Stück. "Ich wollte sie als Görlitz-Souvenir auf dem Christkindelmarkt verkaufen", erzählt sie heute. Seit 20 Jahren ist sie dort mit einem Stand vertreten. Dann kam Corona, und alles wurde anders.

Es ist ein Wochentag-Vormittag, und Kerstin Kraunus hat in ihrem Geschäft am Obermarkt 12 gut zu tun. Eigentlich würde sie ja gerne noch ein bisschen über die Lampen erzählen, macht sie auch noch, aber im Moment geben sich die Kunden die Klinke im wahrsten Sinne des Wortes in die Hand. "Ja, das kommt vor", schmunzelt sie gut aufgelegt. Es sind Stammkunden, die vor allem in den Laden kommen. "Man findet hier immer etwas", sagt einer von ihnen. Er hat zwei Postkarten gekauft.

Firma entwickelte Vorlage extra für Görlitzer Geschäft

Ein anderer interessiert sich schon für die Görlitz-Lampen. "13.95 Euro? Gut, ich nehme eine mit", sagt er. Batterien kosten extra, die werden auch noch gekauft. Zufriedene Gesichter dies- und jenseits des kleinen Ladentisches. Hinter dem hält es die quirlige Frau Kraunus eh kaum. Sie hat ja auch immer was zu tun. Kunden beraten, die Kollegen von den Lieferdiensten abfertigen - langweilig wird es nicht, sagt sie. Nur wenn es ums Geld geht, zum Abkassieren, steht sie hinter der Plastescheibe an der Kasse. Neben ihr ist im Laden noch eine zweite Kollegin beschäftigt, in Teilzeit.

Die Görlitz-Lampen gibt es mit diesem Motiv nur bei Kerstin Kraunus. "Die Firma hat es extra für mein Geschäft entwickelt", sagt sie. Ein bisschen stolz darauf ist sie schon, jetzt würde sie die Ware aber natürlich auch gern verkaufen.

Seit 22 Jahre ist Kerstin Kraunus nun schon Geschäftsfrau. "Im Mai kommenden Jahres", betont sie. Dabei ist der Verkauf zunächst in ihrer beruflichen Karriere gar nicht so ein Thema. Kerstin Kraunus kommt aus der Gastronomie, arbeitete unter anderem in der Stadthalle. "Eine Bekannte fragte mich, ob wir nicht zusammen einen Laden aufmachen wollen", erinnert sie sich. Am Ende machte sie das allein, 1999 war es.

Geschäftsfrau kommt eigentlich aus der Gastronomie

"Ich habe klein angefangen", sagt Kerstin Kraunus. Ihr erstes Geschäft war gleich um die Ecke, 30 Quadratmeter Fläche, dort, wo heute der Stadtschleicher sein Büro hat. Acht Jahre blieb sie dort. Das Geschäft lief, deshalb stand die Erweiterung an. Heute verkauft Kerstin Kraunus auf gut hundert Quadratmetern Geschenkartikel, Schreibwaren und, und, und. Und eben Görlitz-Lampen. In eine hat sie gerade frische Batterien eingelegt. Die Görlitzer Sehenswürdigkeiten strahlen - Hoffnungsschimmer in diesen im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes dunklen Zeiten. Kerstin Kraunus sieht das ganz pragmatisch. "Also wenn es draußen finster ist, kommt die Lampe natürlich noch viel besser zur Geltung", sagt sie.

Ladengründung nie bereut

Kerstin Kraunus hat es nie bereut, sich mit einem Geschäft selbstständig gemacht zu haben. Auch nicht in diesen schwierigen Zeiten. Klagen kommt für sie nicht infrage. Kerstin Kraunus ist eine, die nach vorn schaut, im Hier und Heute lebt. "Es gab schon immer mal schwere Abschnitte, wenn auch nicht so wie jetzt", sagt sie. Dennoch, der Laden, das ist offensichtlich ihr zweites Zuhause, das merkt man. Viele Kunden sind per Du mit ihr, manche kennt sie schon seit 20 Jahren. "Wie sagt man so schön: Ich habe das Geschäft von der Pike auf gelernt", lacht Kerstin Kraunus.

Zu verkaufen gebe es immer etwas. Im Sommer sind es die Artikel für die Schule, im Winter halt etwas anderes, wie etwa Görlitz-Lampen. Sie halte auch in diesen schwierigen Zeiten durch, sagt Kerstin Kraunus. "Ein bisschen muss ich ja noch. Acht Jahre", schmunzelt sie.

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