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Schlafsack-Experten ziehen ins Zentrum

Yeti produziert jetzt an der Rauschwalder Straße in Görlitz. Eine schwierige Angelegenheit, denn der Betrieb ist noch eine Baustelle.

Birgit Zollfrank arbeitet insgesamt schon 30 Jahre bei Yeti. Das Unternehmen ist jetzt an die Rauschwalder Straße gezogen.
Birgit Zollfrank arbeitet insgesamt schon 30 Jahre bei Yeti. Das Unternehmen ist jetzt an die Rauschwalder Straße gezogen. © André Schulze

Ein paar Mal mit dem Finger auf den Bildschirm tippen, dann geht es los. Ein paar Meter hinter Birgit Zollfrank erwacht eine Maschine zum Leben. Ein Motor grummelt leise vor sich hin. Daunen wirbeln im durchsichtigen Inneren des schrankgroßen Apparates. Birgit Zollfrank nimmt eine Art Staubsaugerschlauch. Statt allerdings zu saugen, pustet der feine Federn in eine vorbereitete Stoffhülle. Birgit Zollfrank füllt Schlafsäcke beim Daunen-Experten Yeti in Görlitz.

Etwa zehn Minuten, schätzt sie, dauert es, bis alle Kammern gefüllt sind. "Es gibt unterschiedliche Daunengrößen. Die ganz feinen sind sehr leicht, die Schlafsäcke gehören zu den teureren", schildert Birgit Zollfrank. Wenn genug Daunen hineingepustet sind, meldet sich die Maschine. Seit 30 Jahren ist die Frau mit dem Schlauch im Schlafsackfüllgeschäft bei Yeti, zunächst im Norden Berlins. Nach dem Umzug der Firma in die Oberlausitz 2001 zog sie mit. Heute ist Birgit Zollfrank Teilzeitgörlitzerin. Vier Tage pro Woche kommt sie her. 

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Teilzeitgörlitzerin für den Job bei Yeti

"Eigentlich", lacht die Brandenburgerin, "kennt man das ja eher von den Männern: Sie sind auf Montage. Bei uns ist es umgekehrt. Da fährt eben die Frau." Das erste Jahr mit den wöchentlichen Reisen sei schon sehr hart gewesen, sagt sie. Aber die Arbeit mache Spaß, mit den Kolleginnen komme sie gut aus, es passe alles. Da nimmt Birgit Zollfrank auch die Fahrerei in Kauf. Derzeit arbeitet sie dabei auch noch unter erschwerten Bedingungen. Yeti ist in Görlitz umgezogen - beziehungsweise tut es immer noch. Die neue Arbeitsstätte wird, vorsichtig ausgedrückt, noch eingerichtet. "Wir arbeiten auf einer Baustelle", fasst es Cornelia Buhse zusammen.

Die Leiterin der Görlitzer Yeti-Betriebsstelle schaut immer wieder auf ihr Mobiltelefon. Das ist momentan ihre Verbindung zur Außenwelt. Eigentlich hatte sich heute die Telekom angekündigt, um den Kontakt zum Unternehmen auch per "normalem" Telefon beziehungsweise Internet zu ermöglichen. Aber der Monteur verspätet sich. 

Die Firma Yeti hat ihr neues Domizil in der Rauschwalder Straße bezogen. Cornelia Buhse ist hier Betriebsstellenleiterin.
Die Firma Yeti hat ihr neues Domizil in der Rauschwalder Straße bezogen. Cornelia Buhse ist hier Betriebsstellenleiterin. © André Schulze

Wo sich früher die Therapeuten von Hoy-Reha an der Rauschwalder Straße um ihre Patienten kümmerten, wird nun genäht und gefüllt. Yeti hat in der früheren Reha-Klinik sein neues Domizil. Der bisherige Standort war bei Birkenstock. Aber das Unternehmen hat eigene Pläne mit den Flächen, kündigte den Mietvertrag. "Eigentlich sollten wir schon im März raus", sagt Cornelia Buhse. Dann kam aber Corona, alles wurde anders, der Auszug verzögerte sich. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltete sich aufwendig. Zwar half die Görlitzer Wirtschaftsförderung. Die Hoy-Rhea-Räume fand Cornelia Buhse dann aber selbst.  

Daunensäcke im Therapiebecken

900 Quadratmeter, das Erdgeschoss, belegt Yeti, ein bisschen weniger als bei Birkenstock. Die Personalzahl hat sich mit dem Umzug nicht geändert, sie blieb bei zehn. Während Birgit Zollfrank und die Kolleginnen Schlafsäcke füllen und hochwertige Outdoor-Bekleidung nähen, sind um sie herum die Bauarbeiter zu Gange. Eine Staubschutzwand trennt mehr oder weniger Produktion und Baustelle. 

Anders als es bei Birkenstock war, wird es künftig einen Verkaufsraum, ein Yeti-Outlet, an der Rauschwalder Straße geben. Durch eine Glasscheibe können Besucher dann zusehen, wie gearbeitet wird. "Erlebbare Produktion", nennt es Cornelia Buhse. Zukunftsmusik. Wann der neue Yeti-Standort komplett fertig sein wird, ist noch offen. 

Die Räume mit ihren Säulen und großen Fenstern findet die Betriebsstellenleiterin zwar bestens geeignet. Aber sie haben auch ihre Tücken. Ein neues Brandschutzkonzept musste beispielsweise geschrieben, eine Brandschutzdecke eingebaut werden. Kabel warten noch auf den korrekten Anschluss. In einem früheren Therapiewasserbecken lagern jetzt die großen Daunensäcke. Der Fußboden muss erneuert werden, die Schwerlastregale stehen immer noch bei Birkenstock.

"Alles nicht so einfach", seufzt Frau Buhse. Ihr Handy klingelt. Die Telekom ist dran, der Monteur kommt gleich. Ein kleiner Lichtblick für die Chefin. Die Firma hat schon stürmische Zeiten überstanden. Vor allem nach der Flut 2010 hatte Yeti zu kämpfen. Die frühere Produktionshalle an der Neiße wurde überschwemmt. Der Schaden ging in die Millionen, vom Freistaat gab es einen Kredit von einer halben Million Euro. Yeti mietet sich im Gewerbegebiet Ebersbach ein. Mithilfe des dänischen Mutterhauses Nordisk überstand das Unternehmen die Krise. 

Yeti-Outlet im früheren Reha-Zentrum

Birgit Zollfrank füllt derweil eine Schlafsackkammer nach der anderen. Die Maschine, die sie bedient, stand einst in Dresden in der Globetrotter-Filiale an der Prager Straße. Auch dort konnten Kunden schon bei der Produktion zusehen, bis Globetrotter der kleinen Manufaktur in seinen Räumen kündigte. 

"Es ist ein guter Job", sagt Birgit Zollfrank über ihre Arbeit. Nach Görlitz zu ziehen, komme für sie allerdings nicht infrage. Haus, Grundstück, Freunde, Familie - das wolle sie nicht aufgeben. Das Pendeln funktioniere gut, sagt Birgit Zollfrank. Und wenn sich Yeti irgendwann komplett neu eingerichtet hat an der Rauschwalder Straße, komme sie noch mal so gern nach Görlitz. 

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