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Rennstrecke im Neißetal ärgert Anwohner

Im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf fahren viele Autofahrer auf der Neißetalstraße mehr als Tempo 30. Der Ortschaftsrat hat vieles versucht. Vergebens. Er sieht nur noch eine Lösung.

Auf der Neißetalstraße in Ludwigsdorf bei Görlitz gilt Tempo 30. Zumindest die Radler dürften sich daran halten, andere aber immer seltener.
Auf der Neißetalstraße in Ludwigsdorf bei Görlitz gilt Tempo 30. Zumindest die Radler dürften sich daran halten, andere aber immer seltener. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Simone Fliegel* wohnt in Ludwigsdorf bei Görlitz. Wenn sie von auswärts kommt und nach Hause fährt, muss sie die Neißetalstraße entlang. Es ärgert sie, dass sie dabei immer wieder von anderen Autos bedrängt wird. Denn Frau Fliegel hält sich an das Tempolimit von 30 km/h. Das passt nicht jedem Autofahrer.

Schleichweg durch das Dorf

Doch die Ludwigsdorferin lässt sich davon nicht beirren. "Wenn es mir zu bunt wird, fahre ich rechts ran und lasse den Raser überholen", sagt sie und bedauert, dass in Ludwigsdorf kein prominenter Kommunalpolitiker wie in Klingewalde wohnt. "Da hätte sich bestimmt schon was getan", sagt sie.

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Die Frau ist bei Weitem nicht die einzige Ludwigsdorferin, die die Raserei auf der Neißetalstraße stört. Die Straße ist schmal. Sie ist ein Schulweg und außerdem häufig von Radlern befahren, die auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs sind.

Die Straße wird gern von Kraftfahrern genutzt, die durch Ludwigsdorf müssen, obwohl sie auch über die Rothenburger Landstraße fahren könnten. Dort ist aber für Lkw ein Tempolimit von 30 km/h ausgeschildert. Doch denen hinterher zuckeln will so mancher Autofahrer nicht und wählt stattdessen die Route über die Neißetalstraße.

Mit Smiley gegen zu viel Tempo

Mario Conrad vom Ludwigsdorfer Ortschaftsrat kennt noch einen anderen Grund für die bevorzugte Route über die Neißetalstraße: Hier sei der Fahrbahnzustand viel besser als auf der holperigen Rothenburger Landstraße.

Dem Ortschaftsrat ist die Nichteinhaltung des Tempolimits auf der Neißetalstraße schon lange ein Dorn im Auge. Deswegen hat das Gremium bereits mehrfach im Görlitzer Rathaus angemahnt, etwas zu unternehmen und bat darum, eine Anzeigetafel für die Geschwindigkeit der Autos anzubringen. "So sollten Autofahrer für die angezeigte Geschwindigkeitsbegrenzung sensibilisiert werden", erklärt Mario Conrad. Das Rathaus reagierte und setzte vom 26. August 2020 bis zum 13. April 2021 auf der Neißetalstraße in Höhe der Haltestelle "Schule" eine solche Tafel ein, informiert Stadtsprecherin Annegret Oberndorfer.

Solche Geschwindigkeitsanzeigetafeln nehmen Einfluss auf das Fahrverhalten. "Hiermit verzeichnen wir in der Praxis oft eine gute Wirkung, da diese Anzeigen - im Gegensatz zu einer Geschwindigkeitsmessung - von allen passierenden Fahrzeugführern wahrgenommen werden und jeder korrekt Fahrende die ihm Nachfolgenden zur Einhaltung der Geschwindigkeit ‚zwingt‘", erklärt die Sprecherin.

Auch elf zu schnelle Fahrer sind zu viel

"Wir hatten eigentlich mit dem Rathaus vereinbart, die Tafel länger anzubringen und den Standort einmal zu wechseln", erklärt Conrad. Doch sie wurde ganz entfernt. Kaum war die Tafel weg, hielten sich noch weniger Kraftfahrer an das Tempolimit. Der Ortschaftsrat stellte fest, dass es längst nicht nur Autofahrer aus den umliegenden Orten sind, die schneller als die erlaubten 30 km/h fahren, sondern auch Ludwigsdorfer und darunter Anwohner der Neißetalstraße.

Seit Jahren fordert der Ludwigsdorfer Ortschaftsrat im Rathaus Geschwindigkeitsmessungen auf der Neißetalstraße. "Sporadisch erfolgte das auch, aber leider nicht in den verkehrsstarken Zeiten", erklärt Mario Conrad. Annegret Oberndorfer informiert, dass die letzte Geschwindigkeitsmessung auf der Neißetalstraße am 9. September 2020 durch das Görlitzer Ordnungsamt durchgeführt wurde. Während der 75 Minuten andauernden Kontrolle wurden elf Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt.

Das Görlitzer Ordnungsamt wird allerdings selbst nicht mehr "blitzen", denn das Messgerät der Stadt kann wegen Zweifeln an der Messgenauigkeit nicht mehr für mobile Geschwindigkeitsmessungen eingesetzt werden. Stattdessen bittet die Stadt die Landespolizei, an neuralgischen Stellen Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, erklärt die Sprecherin. Ob die Neißetalstraße so eine neuralgische Stelle ist, kann sie aber nicht sagen.

Stationärer Blitzer als letzter Ausweg?

Mario Conrad sieht die Sache realistisch: "Unsere Bemühungen um eine Verkehrsberuhigung und die Einhaltung des Tempolimits auf der Neißetalstraße haben nicht gefruchtet", resümiert er. Auch die auf die Straße gemalten optischen Erinnerungen an das Tempolimit werden ignoriert. Mario Conrad sieht nur eine Lösung - einen stationären Blitzer. "Aber wer weiß, wo der steht, fährt dort nach Vorschrift und drückt dann wieder aufs Gaspedal", vermutet er und fordert von den Ludwigsdorfern mehr Mut zur Ansprache: einfach mal mit dem Nachbarn oder Bekannten reden und auf zu schnelles Fahren ansprechen. "Klar kann das auch zu einer pampigen Gegenreaktion führen, aber unter erwachsenen Menschen sollte das doch zu regeln sein", ist er überzeugt.

Simone Fliegel jedenfalls wird auch weiter Drängler auf der Neißetalstraße ignorieren und das Tempolimit einhalten. "Ein stationärer Blitzer wäre für mich ja dann auch kein Problem", sagt sie.

*Name von der Redaktion auf Wunsch der Informantin geändert

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