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Diese Ludwigsdorfer sind kürbis-verrückt

Jedes Jahr im Herbst bauen sie in ihren Vorgärten Figuren aus Kürbis. Hanka und Klaus Bernhardt gehörten zu den ersten.

Klaus Bernhardt hat die Gestelle für die Patienten im Corona-Watezimmer gebaut, für die Gestaltung zeichnet meist Hanka Bernhardt verantwortlich.
Klaus Bernhardt hat die Gestelle für die Patienten im Corona-Watezimmer gebaut, für die Gestaltung zeichnet meist Hanka Bernhardt verantwortlich. © Nikolai Schmidt

Hanka Bernhardt ist nur froh, dass es noch nie einen Auffahrunfall gab. Oft, sagen die Ludwigsdorfer, halten sich die Autofahrer nicht ans Tempo 30, das tagsüber gilt. Im Herbst schon. Dann ist mancher sogar mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs. Dafür sorgen keine Blitzer - sondern Kürbisfiguren in den Gärten der Ludwigsdorfer. "Und wir sind hier ja genau hinter der Kurve", sagt Hanka Bernhardt. 

Erste Figur: Ein Kürbis-Paar zur Silberhochzeit

Zum 12. Mal findet am Sonntag die Offene Sächsische Meisterschaft im Kürbiswiegen statt. Etwa im dritten Jahr der Meisterschaft fingen die Ludwigsdorfer an, ihre Gärten passend zu schmücken, mit Kürbis. Hanka und Klaus Bernhardt gehörten zu den ersten. "Das hatte mit unserer Silberhochzeit zu tun", erzählt Hanka Bernhardt. 

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Wasser ist auch ein beliebtes Motiv dieses Jahr. Hier hat jetzt jemand eine Nixe im Garten. Und das Trampolin wurde zum Pool für die Fische. Ganz in der Nähe hat eine Kürbisfamilie Badetag.
Wasser ist auch ein beliebtes Motiv dieses Jahr. Hier hat jetzt jemand eine Nixe im Garten. Und das Trampolin wurde zum Pool für die Fische. Ganz in der Nähe hat eine Kürbisfamilie Badetag. © Nikolai Schmidt

Die feierten sie im Oktober 2011. "Und Verwandte hatten uns als Überraschung ein lebensgroßes Hochzeitspaar aus Kürbissen in den Garten gestellt." Im Jahr darauf beschloss das Ehepaar, dass es zur Zeit des Kürbiswiegens wieder eine Kürbisfigur in ihrem Garten geben sollte: eine dicke Raupe. "Damals waren es zwei, drei Familien im Dorf, die mitmachten", erzählt Klaus Bernhardt. "Und dann ist es ein Selbstläufer geworden." 

Dieses Jahr: viel Corona-Alltag

Dieses Jahr entdeckt man etwa eine Nixe, eine klassische Hexe, die Abrafaxe, ein riesiges Käsestück mit Kürbis-Mäusen. Mittlerweile gibt es teils regelrechte Kürbis-Schaubilder. Und dieses Jahr hatte Corona offenbar großen Einfluss auf die Ideen. Vor einem der Häuser stehen eine Tafel, Tisch, Bank, Schulranzen und drei Figuren: eine größere mit blonden Locken, vielleicht die Mutter, und zwei kleinere Figuren, womöglich die Kinder. Auf der Tafel steht: Home-Schooling. 

Aus dem Corona-Alltag: Home-Schooling.
Aus dem Corona-Alltag: Home-Schooling. © Nikolai Schmidt

Im Nachbarvorgarten liegen in einer großen Gitterbox lauter kleine, weinende Kürbisse. Daneben stehen eine Krankenschwester und ein Schild, das besagt, dass es hier dieses Jahr keine Deko gebe: "Alle Kürbisse sind in Quarantäne!" In wieder einem anderen Garten sitzt ein Kürbismann in kariertem Hemd am Computer: Homeoffice. 

Keine Deko dieses Jahr? Weil alle Kürbisse in Quarantäne mussten? Immerhin, in den Vorgarten dürfen sie.
Keine Deko dieses Jahr? Weil alle Kürbisse in Quarantäne mussten? Immerhin, in den Vorgarten dürfen sie. © Nikolai Schmidt

Kürbiswiegen diesmal ohne Publikum

In Hanka und Klaus Bernhardts Vorgarten findet sich jetzt ein Wartezimmer: Ein Kürbisarzt und fünf Stühle: Nur jeder zweite ist besetzt, die dazwischen sind mit rotem Band abgesperrt: Auch beim Arzt in der Kürbiswelt gelten nun Abstandsregeln. Abgesprochen? Nein, gar nicht, sagt Hanka Bernhardt. Aber Corona ist nun einmal das Thema, das dieses Jahr prägt, das Menschen weltweit bewegt. Auch aufs Kürbiswiegen hat die Coronakrise Einfluss. Es findet für die Kürbiszüchter, die sich vorab anmelden müssen, zwar statt, allerdings ohne Publikum oder Rahmenprogramm. 

Klaus Bernhardt stammt aus Ludwigsdorf. Für zehn Jahre hatte ihn sein Beruf als Koch ins Erzgebirge verschlagen, wo er Hanka kennengelernt hat.  Vor 34 Jahren haben sie geheiratet, und 1992 gingen sie zurück nach Ludwigsdorf. Im Haus nebenan wohnt Klaus Bernhardts Vater, "das ist mein Elternhaus", und wieder eines weiter lebt sein Bruder mit seiner Familie: Dort schwebt ein Kürbis-Fallschirmspringer von einem Baum. "Meine Nichte war dieses Jahr Paragliding", erzählt Klaus Bernhardt. 

Selbst die Familie verrät sich die Ideen vorher nicht

Und am Gartentor des väterlichen Hauses steht - der Vater selbst. Als Kürbisvariante. Inklusive Kürbiskatze. Tatsächlich stehe der Vater gern im Garten am Tor. Ein Bild, das die Tochter, also Klaus Bernhardts Schwester, dieses Jahr in Kürbis festgehalten hat.

Der Lieblingsplatz von Klaus Bernhardts Vater am Gartentor ist jetzt belegt. Von seinem Doppelgänger aus Kürbis.
Der Lieblingsplatz von Klaus Bernhardts Vater am Gartentor ist jetzt belegt. Von seinem Doppelgänger aus Kürbis. © Nikolai Schmidt

"Wir verraten uns sogar untereinander nicht, welche Deko wir machen", erzählt Hanka Bernhardt. Ausgangspunkt für sie ist das Material - also in welcher Form und Größe die Kürbisse gewachsen sind. Einmal mussten Bernhardts welche kaufen, weil die eigene Ernte nichts hergab. "Und dann schaut man, was könnte man daraus machen?" Dieses Jahr kam ihr die zündende Idee erst kurz vor knapp. "Ich wollte etwas zum Thema Corona machen." Nur was? Kürzlich  wurden an ihre Arbeitsstelle Stühle fürs Büro geliefert. Noch nicht aufgebaut. Stühle, leere Stühle, das brachte sie auf den Gedanken mit dem Wartezimmer. 

"Hoffentlich gehen uns nicht irgendwann die Ideen aus"

Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es knapp zwei Tage. Der Arzt ist ausgestattet mit Kittel, Perücke, Brille, Maske, Stethoskop. Auch die Patienten sind detailreich eingekleidet, bis hin zur Handtasche einer wartenden Dame. Hanka Bernhardt winkt ab. Ein Haus bietet Platz, um das eine oder andere aufzubewahren. Und nach so vielen Jahren als Kürbis-Dekorateur habe man einen gewissen Fundus. "Wir beschädigen die Kürbisse nie", erzählen die beiden. Es werden also keine Löcher eingebohrt, um sie etwa zu befestigen. Denn dann würde schnell die Fäulnis kommen. Aber die Figuren sollen lange stehen. 

Nun wird Hanka Bernhardt wieder zu einer Tour durchs  Dorf aufbrechen. Fotografieren ist ihre Leidenschaft. In einem Zimmer im Haus stehen auf Regalbrettern unzählige Alben mit Bildern von der großen Familie, Familienfesten, Reisen, Ausflügen. Vier der Alben zeigen die Kürbisfiguren von Ludwigsdorf. Jedes Jahr fotografiert Hanka Bernhardt alle, die sie entdeckt. "Hoffentlich gehen uns nicht irgendwann die Ideen aus", sagt Klaus Bernhardt. "Ach was, ich  habe noch viele", sagt Hanka. 

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