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Sie rechnet Görlitz schöner

Maria Schulz zeichnet für die meisten Feste in Görlitz verantwortlich. Sie kann beides: Zahlen und kreativ sein.

Mehr Licht, wünscht sich Maria Schulz derzeit in Görlitz. Auch wenn der Christkindelmarkt ausfällt, die Stadt soll dennoch strahlen
Mehr Licht, wünscht sich Maria Schulz derzeit in Görlitz. Auch wenn der Christkindelmarkt ausfällt, die Stadt soll dennoch strahlen © Nikolai Schmidt

Der schönste Berufs-Moment ist für Maria Schulz dieses Jahr ausgefallen: Wenn die letzte Feuerwerksrakete verglommen, das Görlitzer Altstadtfest damit beendet ist, „und ich sehe, wie die vielen Menschen zufrieden nach Hause gehen“.

Die Frau der Zahlen

Für das Altstadtfest zeichnet sie verantwortlich, ebenso für viele andere Feste. Mit 36 Jahren ist Maria Schulz gemeinsam mit Benedikt M. Hummel die Geschäftsführerin der Görlitzer Kulturservice GmbH. Während Hummel eher für den Inhalt zuständig ist, ist Maria Schulz die Frau der Zahlen. Eigentlich die Frau der Strukturen – der Verträge, Planungen, Berechnungen. All der Dinge, die man auf einem Fest zwar nicht sieht, aber ohne die es nicht stattfinden würde.

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„Wir brauchen Licht“, sagt Maria Schulz, als sie die Brüderstraße, wo der Kulturservice zu finden ist, entlang schaut. Auch der Christkindelmarkt wird dieses Jahr wegen Corona nicht stattfinden. „Aber etwas müssen wir tun, es ist sonst trostlos.“ Görlitz kennt Maria Schulz sehr gut. Sie wurde hier 1983 geboren. Als sie ihr Abitur am Joliot-Curie-Gymnasium ablegte, gingen die meisten ihrer Mitschüler fort. Maria Schulz blieb, „dafür musste man sich damals fast rechtfertigen“, erzählt sie. Bis heute hat sie Kontakt zu einigen Schulfreunden. „Wenn sie nach Görlitz kommen, fällt ihnen schon auf, dass die Stadt sich verändert hat, dass vieles schöner geworden ist.“ Ein bisschen – vor allem wenn in Görlitz gefeiert wird – ist Maria Schulz dafür mitverantwortlich

"Gefühlt war ich als Jugendliche fast nie zu Hause"

Die Lutherkirchen-Gemeinde prägte sie als Kind sehr. „Ich habe alles mitgemacht.“ Von Flötenunterricht bis Kirchenchor. „Es war ein starkes Netzwerk, damals noch mehr als heute. Das hat mich sehr geprägt, gemeinsam etwas zu schaffen“. Als Jugendliche dann sei sie gefühlt fast nie daheim gewesen. Unter anderem spielte sie Faustball im Verein. „Ich war nicht gut drin. Aber ich hatte dort meinen Freundeskreis, es war ein Gemeinschaftsgefühl.“

Mathe und Naturwissenschaften waren immer ihr Ding. Auch auf dem Curie-Gymnasium. „Mein Klassenlehrer Frank Buchelt hatte mich damals ermutigt, beruflich in die Richtung Naturwissenschaft zu gehen. Ich hatte mich dann aber für einen Weg mit mehr Praxis entschieden.“ In Bautzen studierte sie BWL, vor allem öffentliche Wirtschaft. Ein sogenannter praxisorientierter Studiengang, ihr Partner war dabei die Stadt Görlitz.

„Ich konnte alle Bereiche kennenlernen“, vom Liegenschaftsamt, über das Schlesische Museum bis zur Bibliothek, „und alle Strukturen“. Das Wort nutzt sie häufig. Was für andere trocken klingen mag, Maria Schulz kann sich für Strukturen begeistern: Wie muss eine Einrichtung, ob Verwaltung oder Unternehmen, aufgebaut sein, damit sie funktioniert?

Erster Job bei Stefan Waldau

Ihr erster Chef war Stefan Waldau, der letzte Leiter des Görlitzer Kulturamtes, bei dem sich Maria Schulz nach ihrem Studium beworben hatte. Aber kurz darauf wurde das Kulturamt aufgelöst. Für Maria Schulz ein Schlag. „Ich hatte mich entschieden, hier zu bleiben, ich hatte sogar eine Stelle als Sachgebietsleiterin bekommen, und mir hat die Arbeit solchen Spaß gemacht. Wenn man sieht, wie die Stadt strahlen kann. Ich wollte das nicht abgeben.“ Aber von heute auf morgen saß sie im Theater, in das die Kulturveranstaltungen eingegliedert wurden.

Plötzlich eine ganz andere Struktur, vom Amt einer Kommune zur GmbH in einem Theater. Der damalige Intendant Michael Wieler war ihr Chef, auch beim Kulturservice – der 2009 gegründet wurde: Mit der Kreisgebietsreform änderte sich wieder alles. Der Görlitzer Veranstaltungsbereich wurde aus dem Theater aus- und gewissermaßen wieder bei der Stadt eingegliedert, als Tochtergesellschaft.

Kulturservice: Chance für Neuanfang

„Für mich war der Kulturservice die Chance, das noch mal neu zu gestalten. Es war wie meine zweite Diplomarbeit.“ Wie zieht man aus dem Nichts eine neue Kultur-Gesellschaft auf? „Das fing an bei der Frage, mit welcher Software wir überhaupt arbeiten, bis hin zur Frage: Woher bekommen wir neben dem Basiszuschuss Drittmittel? Wir mussten uns ja auch erst mal neues Vertrauen aufbauen.“

Zu fünft waren sie am Anfang. Und es gab vier Projekte: Altstadtfest, Christkindelmarkt, Handwerkermarkt und die Fête de la Musique. „Das war auch eine Frage: Wie können wir das Ganze nachhaltiger und belastbarer machen? Deshalb waren wir immer für neue Aufgaben offen.“ Bald eröffnet die Görlitzer Synagoge als Kulturforum, das der Kulturservice betreiben soll, ebenso die Stadthalle. In der Maria Schulz einst Abiball feierte.

"Im Büro ist es ordentlicher als zu Hause"

„In meinem Büro sieht es ordentlicher aus als bei mir zu Hause“, sagt sie mit einem Lachen. „Einen Rahmen brauche ich auch privat, aber auch die Weite.“ Maria Schulz reist gerne, mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern, acht und drei Jahre alt. Am liebsten dorthin, wo man weit blicken kann. Wie Skandinavien. „Wir waren auf Hochzeitsreise in Kanada und sind stundenlang über Straßen gefahren, auf denen man, wie im Film, links und rechts nur Landschaft sieht.“ Kürzlich kaufte die Familie ein Dachzelt – mit dem man einfach losfahren und im Freien übernachten kann.

Plötzlich im öffentlichen Fokus

Voriges Jahr gab Michael Wieler die Geschäftsführung des städtischen Kulturservice ab. Die Frage, ob sie sie mit Benedikt Hummel übernehmen wolle, „hat mich natürlich bewegt“. Auf der einen Seite sei ihr die Entscheidung nicht schwer gefallen. In ihren Aufgaben änderte sich mit der Geschäftsführung nicht viel, „ich hatte zum Beispiel auch bisher schon Prokura“, erklärt sie. „Allerdings stand ich früher nicht im Fokus. Das war schon ein Punkt, der mich beschäftigt hat.“ Sie entschied sich für die Geschäftsführer-stelle. „Ich war von Anfang an dabei, dann ist dieser Schritt nicht so schwer“, sagt Maria Schulz. „Ich muss aber auch sagen, wäre es um ein anderes Unternehmen gegangen, ich hätte es eher nicht gemacht. Nicht mit einem damals zweijährigen Kind.“

Das sei auch der Grund, warum ihr Dinge wie flexible Arbeitszeiten im Kulturservice immer wichtig waren. „Das hilft. Ich will die Herausforderung nicht kleinreden, die man trotzdem hat. Aber es hilft sehr, wenn ich zum Beispiel mit meinem Sohn gemeinsam beim Christkindelmarkt schauen kann, wie das Bühnenprogramm läuft und ob an der Eislaufbahn alles klappt. Zum Glück hat mein Sohn bislang viel Freude daran.“ Überhaupt, man brauche schon eine Familie, die das mitmacht. „Sie sorgt auch dafür, dass ich manches entspannter sehe.“

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