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Gänsebraten zum Abholen

Das Martinsgans-Essen fällt in diesem Jahr in Görlitz und Niesky nur klein aus. Wegen Corona sind die Gaststätten zu. Dem Federvieh nützt das wenig.

Chefkoch Heiko Behrens (vorne) präsentiert ein Blech mit Gänsebrüsten. Im Hintergrund Reiner Mönnich, der Betreiber der Görlitzer Gaststätte "Zur Alten Freundschaft".
Chefkoch Heiko Behrens (vorne) präsentiert ein Blech mit Gänsebrüsten. Im Hintergrund Reiner Mönnich, der Betreiber der Görlitzer Gaststätte "Zur Alten Freundschaft". © Nikolai Schmidt

Reiner Mönnich und sein Team haben alle Hände voll zu tun, obwohl die Gaststätte geschlossen ist. Sie wollen den Martinstag retten - auch wenn die Corona-Maßnahmen aktuell dagegen sprechen.

Zahlreiche Gäste hatten für das beliebte Martinsgans-Essen in Mönnichs Gaststätte "Zur alten Freundschaft" bereits einen Tisch reserviert. Doch wegen der Corona-Pandemie sind nun alle Gaststätten zu, auch am Martinstag, dem 11. November. Traditionell wird an diesem Tag oder um ihn herum neben den beliebten Martinshörnchen gern auch mal ein Stück Martinsgans verspeist. Grund für diesen Brauch ist die Legende um den Heiligen Sankt Martin, der in einem Gänsestall Zuflucht suchte, als ihn die Bürger zum Bischof weihen wollten. Die Gänse schnatterten und verrieten Martin. Wegen des Verrats müssen sie nun braten.

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Den Stammgästen zuliebe

Das Festessen muss aber nicht ausfallen, denn Reiner Mönnich und sein Team bieten die Martinsgans - wegen der alten Freundschaft zu ihren Stammgästen - zum Abholen oder im Lieferservice an, allerdings nur auf Vorbestellung. Drei weitere Termine dafür gibt es noch im November. "Und da die Lieferung eine zeitaufwändige Sache ist und die Besteller ihre Martinsgans pünktlich erhalten möchten, bereiten wir jeweils einen Tag vorher alles vor, um es dann frisch gekocht auszuliefern", erklärt Reiner Mönnich.

Auch René Vetter, Inhaber der "Gaststätte am Markt" in Diehsa, kocht jetzt von Mittwoch bis Sonntag Martinsgans-Gerichte. "Wir machen das vor allem unseren Stammgästen zuliebe", sagt er. Auch hier hätten viele schon weit im Vorfeld Plätze reserviert und wurden mit der Corona bedingten Schließung der Lokale vor vollendete Tatsachen gestellt: kein Essen im Restaurant.

Der Liefer- und Abholservice kommt bei den Gästen der Diehsaer Gaststätte gut an. "Die Nachfrage ist sehr gut, wir stoßen fast schon ans Limit", erklärt René Vetter. Allerdings ist dieser Service nur ein Tropfen auf den heißen Stein und kann das normale Gaststättengeschäft nicht ersetzen, sagt er. "Aber wir bieten ihn an, um im Gespräch zu bleiben. Wir hoffen darauf, dass es im Dezember wieder richtig im Restaurant losgehen kann", sagt er. 

Genügend Gänse auf dem Markt

In diesem Jahr sehen viele Wirte die Lage auf dem "Gänsemarkt" entspannt. Die Lager im Großhandel sind voll, denn viele Gaststätten nehmen jetzt nichts ab. Nicht viele Gaststätten in Görlitz und im Umland bieten derzeit Abhol- oder Lieferservice an, sodass auch wenig Ware zur Verarbeitung benötigt wird. Andere, wie das "Filetto" in der Görlitzer Altstadt, haben zwar einen Abholservice, aber keine Martinsgans auf dem Speiseplan. Außerdem: "Es sind ja in unserem Umkreis schon einige Restaurants, welche die Gänse anbieten", informiert Marion Holfert vom "Filetto" und nennt als Beispiele die Restaurants "Luzie Schulte" und die "Stadtwache".

Mit Engpässen an Gänsekeulen und -brüsten rechnet Gastwirt Vetter in diesem Jahr nicht, auch wenn um die Weihnachtszeit Gänsebraten auf keiner Speisekarte in Gaststätten fehlen dürfte und dann die Nachfrage im Großhandel wieder steigt. Der ist aber darauf eingerichtet.

Das sieht auch der Wirt vom "Berggasthof" in Jauernick-Buschbach so. Andriko Zimmermann ist froh, dass sein Lieferant von Gänsekeulen die Ware erst liefert, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Der "Berggasthof" bietet während der Schließzeit weder Abhol- noch Lieferservice an. 

Nochmal Glück gehabt - dieses Federtier wird nicht zur Martinsgans.
Nochmal Glück gehabt - dieses Federtier wird nicht zur Martinsgans. © Archivfoto: Brühl

Gänse vom Bauern landen bei Privatleuten

Nahezu alle Gastronomen beziehen Gänsekeulen vom Großhandel und nicht aus privaten Gänsezuchtbetrieben. Den Grund dafür erläutert Eva-Maria Zachmann vom Landwirtschaftsbetrieb Christoph Zachmann in Markersdorf. "In der Gastronomie werden Gänsekeulen und Gänsebrüste gebraucht, die annähernd alle gleich groß sind" erklärt sie. Der Preis für das Gänsegericht ist fest kalkuliert und variiert nicht wegen unterschiedlich großer Fleischportionen. 

Deswegen landen Zachmanns rund 500 Gänse auch nicht auf Tellern in Gaststätten, sondern bei Privatabnehmern vor allem aus Görlitz, Markersdorf und den umliegenden Orten.  Auf Bestellung gibt es sie küchenfertig ab Hof. Start dafür war in dieser Woche. "Die Gaststätten sind zwar zu, aber der Appetit auf Gänsebraten ist da", sagt Frau Zachmann und weiß, dass die Mehrheit auf den traditionellen Weihnachtsbraten erst zum Weihnachtsfest schwört, "aber viele nutzen die Chance auf eine Gänse-Kostprobe schon jetzt und braten anlässlich des Martinstages um diesen Tag herum schon eine Gans", erklärt Frau Zachmann. Für etwa 20 Gänse vom Zachmannschen Hof schlug diese Woche das letzte Stündlein. Die anderen haben noch Schonfrist. Spätestens kurz vor Weihnachten ist aber auch die vorbei.

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