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So filmt der MDR das Dorfleben

Beworben haben sich die Arnsdorf-Hilbersdorfer in Eigenregie beim Fernsehen. Das kam nun am Wochenende in das Dorf bei Görlitz.

Wilfried Fuhrmann zeigt wie es geht: Den Schnitt der Apfelbäume fängt die Fernsehkamera ein.
Wilfried Fuhrmann zeigt wie es geht: Den Schnitt der Apfelbäume fängt die Fernsehkamera ein. © Constanze Junghanß

Das Fernsehteam um Autorin Kathrin Welzel und Autor Matthias Schaefer hat Glück: Strahlender Sonnenschein statt Schneegestöber. Bestes Wetter, um den Obstbaumschnitt mit der Kamera festzuhalten. Baumscheren werden an die Leute auf der Wiese neben dem Kriegerdenkmal verteilt. Auf der Dorfstraße tuckern drei Jugendliche auf ihren Mopeds vorbei. Wilfried Fuhrmann setzt zuerst das Schneidwerkzeug an, erklärt was weg muss. Zack – das erste Ästchen fällt. Den Mini-Ast soll der Hilbersdorfer nochmal in Richtung Linse halten. Die Szene ist im Kasten.

Für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sind die Autoren mit Tontechnikern und Kameraleuten von Freitag bis Sonntag in Arnsdorf-Hilbersdorf unterwegs gewesen. Der Schnitt der 40 jungen Apfelbäume, die im Zuge des Hilbersdorfer Ortsjubiläums gepflanzt wurden, wird bald im Fernsehen zu sehen sein. Gedreht wurde am Wochenende eine der Folgen für „Unser Dorf hat Wochenende“.

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Die Serie zeigt an jedem Sonntagmorgen die emotionalen und unterhaltenden Momente des Landlebens in Mitteldeutschland. Lebensgefühl und den Alltag im Dorf werden beleuchtet, Zukunftspläne ebenso vorgestellt, wie die Sorgen im ländlichen Raum. Station machten die Filmemacher unter anderem bei Friseurin Maria Moser, die nach dem Lockdown wieder durchstarten will, bei der Gärtnerei von Stefan Jung, der Dießner-Schmiede, dem bierbrauenden Fliesenlegermeister Niko Hahn und seinem Bruder Markus und dem Kinderkreis und Kirche samt Pfarrer Andreas Fünfstück. Nach MDR-Angaben berichtete die 2016 ins Leben gerufene Sendereihe aus bisher 150 Dörfern Sachsens, Sachsen-Anhalt und aus Thüringen. Der Vierkirchener Ortsteil gehört nun mit dazu.

An vielen Orten waren die beiden Kamerateams im Dorf drei Tage lang unterwegs gewesen. Der Obstbaumschnitt wird bei im Beitrag am 7. März eine Rolle im Fernsehen spielen.
An vielen Orten waren die beiden Kamerateams im Dorf drei Tage lang unterwegs gewesen. Der Obstbaumschnitt wird bei im Beitrag am 7. März eine Rolle im Fernsehen spielen. © Constanze Junghanß

Kamerascheu sind die Arnsdorf-Hilbersdorfer keinesfalls. In dem rund 800 Einwohner zählenden Ort, in dem es weder eine Schule, noch eine Gaststätte oder einen Supermarkt gibt, spielt das Filmen seit mehr als zwei Jahrzehnten eine nicht unbedeutende Rolle. Im Dorf entstand sogar ein echter Kinofilm mit Schauspielerlegende Michael Gwisdeck, an dessen Dreharbeiten sich die Einheimischen gern zurückerinnern. Der Kurzfilm von Filmemacher Thomas Wendrich „Zurzeit verstorben“ aus dem Jahr 2004 räumte unter anderem den WDR-Förderpreis beim Filmfestival Münster, Publikumspreise in Berlin, Wiesbaden, Dresden und anderen Städten ab. Die längst leer stehende, ehemalige Arnsdorfer Dorfkneipe inklusive DDR-Tapete flimmerte so deutschlandweit über die Leinwand.

Auch die selbst gedrehten „Vorfilme“ für die Landkinosaison haben es zur Bekanntheit weit über die Ortsgrenzen hinaus gebracht. Protagonisten sind die Menschen aus dem Dorf. Etwa 1.500 Besucher schauten sich im Landkino auf dem Pfarrhof den jährlich neu entstandenen Vorfilm jedes Mal an. Im vergangenen Jahr lag zwar das Drehbuch bereits fertig in der Schublade, wie Thomas Scholz, stellvertretender Bürgermeister von Vierkirchen, erzählt. Dann kam die Corona-Pandemie dazwischen. Der Dreh musste ausfallen.

Freude über die Zusage war groß

Die Einwohner sind allerdings für ihre Freude am Filmen bekannt. Und da sie eine starke Dorfgemeinschaft bilden, in der Kreativität und Zusammenhalt eine wesentliche Rolle spielen, kam die Überlegung auf, mal beim Fernsehen „anzuklopfen“. Thomas Scholz bewarb Arnsdorf-Hilbersdorf kurzerhand für die Sendereihe beim MDR – als Ersatz für den ausgefallenen Vorfilm sozusagen. „Ich habe mir die Folgen immer gern angeschaut“, sagt er. Und andere Einwohner offenbar auch. Denn als die Zusage vom MDR kam, sei die Freude im Ort groß gewesen, bestätigt Ortschaftsrats-Chef Dietmar Lindner. „Wir gehen davon aus, so noch etwas bekannter zu werden“, sagt er.

Die Corona-Verordnungen gelten auch beim Dreh. In Innenbereichen und da, wo Menschen außerhalb der eigenen Familie zusammenkommen, tragen die Protagonisten Masken. „Wir können wegen Corona derzeit keine Vereinsaktivitäten vorstellen“, sagt Kathrin Welzel. Deshalb passte Arnsdorf-Hilbersdorf gut ins Konzept, da auch außerhalb des regen Vereinslebens im Ort spannende Dorfgeschichten geschrieben werden. Die letzte Klappe ist in Arnsdorf-Hilbersdorf noch nicht gefallen. Der MDR kommt 2022 wieder. Dann sollen auch die Vereine zum Zuge kommen. Eine weitere Sendereihe aus und mit dem Dorf ist geplant, bestätigt Kathrin Welzel.

Die halbstündige Sendung wird am Sonntag, 7. März 2021 um 9 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt. In der ARD-Mediathek ist die Sendung bereits am 27. Februar um 9 Uhr zu sehen.

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