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Görlitzer Labor schon bei 6.000 Tests pro Woche

Labore arbeiten über ihren Grenzen, auch das Medizinische Labor Ostsachsen. Aber auch die Zahl der entdeckten Corona-Infektionen bleibt hoch.

Der Sitz des Neuen Medizinischen Labors Ostsachsen.
Der Sitz des Neuen Medizinischen Labors Ostsachsen. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Im Kreis Görlitz meldet das Gesundheitsamt am Dienstag 95 Neuinfektionen zum Vortag. Auf der Seite der im gleichen Zeitraum genesenen Personen stehen 46.

Damit gibt es im Kreis Görlitz derzeit 1.670 aktive Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die im Kreis am Sonnabend einen deutschlandweiten Höchststand erreicht hatte, ist etwas gesunken. Sie liegt jetzt, nachdem am Montag und Sonntag vergleichsweise wenige Neuinfektionen hinzukamen, bei 296. Die Zahl der Corona-Patienten, die ins Krankenhaus mussten, ist aber etwas gestiegen: 116 werden aktuell stationär behandelt, 22 davon auf Intensivstationen. Ein Patient konnte von der Intensivstation entlassen werden.

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Sehr angespannt ist die Lage in den Laboren. Fast 6.000 Proben hat das Medizinische Labor Ostsachsen vorige Woche auf das Coronavirus untersucht. „Wir arbeiten jetzt weit über unseren Grenzen“, erklärt der Görlitzer Epidemiologe Roger Hillert. Die Maximalkapazität des Labors, das die Proben aus den meisten Arztpraxen und Krankenhäusern der Kreise Görlitz und Bautzen und teils der Gesundheitsämter auswertet, liegt bei 3.000 Untersuchungen pro Woche.

Wie das RKI vermeldete, gab es vorige Woche deutschlandweit einen Stau von fast 99.000 noch nicht ausgewerteten Proben, weil die Labore nicht hinterherkommen. Stau gab es im Görlitzer Labor nicht. „Wir haben es trotzdem irgendwie geschafft, alles in der vorgegeben Zeit abzuarbeiten“, so Roger Hillert. „Aber das geht nicht mehr lange gut.“ Überregionale Anfragen, etwa aus dem Erzgebirge oder Bayern, musste das Görlitzer Labor absagen. 

Zu wenig Spritzen

Bereits vor knapp drei Wochen hatte Hillert in einem SZ-Gespräch vor einer Überlastung der Labore gewarnt. Und vor allem wegen Engpässen bei Materialien wie Pipettenspitzen. Immer wieder würden auch Anfragen anderer Labore eingehen, „ob wir für sie mittesten können, weil es allen so geht“.

Pipettenspitzen sind jetzt eingetroffen, teilt Hillert auf SZ-Nachfrage mit, „aber nicht ausreichend.“ Dankbar ist er der Hochschule Zittau-Görlitz, die spontan half und ebenfalls einige Pipettenspitzen lieferte. Das RKI hat nun eine neue Empfehlung zur Teststrategie herausgegeben. Die besagt unter anderem, dass Patienten nur noch bei schweren Symptomen getestet werden sollen, bei Störung des Geruchs- oder Geschmackssinns sowie bei Symptomen nach direktem Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall. Bei leichteren Symptomen soll nur getestet werden, wenn die Betroffenen etwa zur Risikogruppe zählen, in einer Pflege- oder medizinischen Einrichtung arbeiten.

Diese neue Empfehlung des RKI sei eigentlich die alte, „die das RKI schon immer vertritt“, erklärt Roger Hillert. Einerseits könnte sie, wird sie umgesetzt, den Laboren eine deutliche Erleichterung bringen. Andererseits, befürchtet er, könnte sie auch die gegenwärtigen Fallzahlen künstlich senken. „Außerdem ist die RKI-Teststrategie noch nicht in eine Verordnung des BMG umgesetzt.“

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Tatsächlich, hatte Hillert im SZ-Gespräch erklärt, werde derzeit deutlich mehr getestet als im Frühjahr. Aber das sei nicht der Grund für die steigenden Zahlen, „es gibt tatsächlich auch mehr Fälle“. Wie auch die steigende Positivrate zeigt. Für das Frühjahr vermutet Hillert dagegen eine hohe Dunkelziffer, die jetzt kleiner ist.

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