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Meyer-Optik entwickelte sich zu Weltfirma

Vor 125 Jahren wurde der Betrieb in Görlitz gegründet. Vor 30 Jahren kam das Aus.

Vor 50 Jahren war Meyer-Optik gleich mit mehreren Schaubild-Wagen beim großen Festumzug zur Görlitzer 900-Jahr-Feier dabei.
Vor 50 Jahren war Meyer-Optik gleich mit mehreren Schaubild-Wagen beim großen Festumzug zur Görlitzer 900-Jahr-Feier dabei. © Hans Brettschneider/Margot Bandmann

Seit 1991 gibt es das Feinoptisches Werk Görlitz nicht mehr. Doch der Name Meyer-Optik ist weiter bekannt. Hugo Meyer, geboren 1863, gründete am 1. April 1896 zusammen mit Heinrich Schätze die Görlitzer Optisch-Mechanische Industrie-Anstalt Hugo Meyer & Co., eingetragen im Register des königlichen Amtsgerichtes Görlitz als Nummer 477. Ihre Werkstatt richteten sie in der Löbauer Straße 7 ein, einem Gebäude, in dem mehrere Kamerahersteller ansässig waren und das heute Sitz des Fotomuseums Görlitz ist.

Zunächst hatte der Betrieb sieben Mitarbeiter, die einfache Objektive herstellten. Alle namhaften Görlitzer Kamera-Hersteller verwendeten Meyers Erzeugnisse. Auch die Dresdener Hüttig AG, unter Fotofreunden als Zeiss Ikon bekannt, setzte auf Objektive der Meyer Optik. Als Meyers Mitarbeiterzahl die 24 überschritt, sah er sich nach neuen Räumen um. Er fand sie 1901 im Hinterhaus Biesnitzer Straße 22. Meyer leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod 1905. Doch er hatte einen Grundstein dafür gelegt, dass seine Witwe Elise Meyer und seine Söhne die Firma erfolgreich weiterführen konnten. Vieles baute auf früheren Erfindungen auf.

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So hatte Meyer zum Beispiel 1903 ein Produkt entwickelt, bei dem das Objektiv im Ganzen, aber auch jede seiner Komponenten einzeln verwendet werden konnten. Damit konnten mit einem Objektiv verschiedene Brennweiten eingestellt werden – damals eine Sensation. Der Physiker Dr. Paul Rudolph aus Jena arbeitete 1920 mit der Meyer-Optik zusammen und bot ihr ein komplett neues Objektivsystem an, den Doppel-Plasmat: Meyer wurde damit weltweit bekannt.

der bedeutende südstädtische Betrieb damals zugleich seinen 75. Geburtstag.
der bedeutende südstädtische Betrieb damals zugleich seinen 75. Geburtstag. © Hans Brettschneider/Margot Bandmann
Als Bildkomplex Nummer 73 im umfangreichen Block „Görlitz und seine Industrie“ feierte ...
Als Bildkomplex Nummer 73 im umfangreichen Block „Görlitz und seine Industrie“ feierte ... © Hans Brettschneider/Margot Bandmann

Im Juli 1923 wurde das große Gebäude auf der Fichtestraße 2 bezogen. Jährlich verließen rund 100.000 Objektive das Werk. Selbst 1938 wurden noch Werbekataloge für England, Afrika und Australien herausgegeben. Dennoch blieb es der Firma nicht erspart, im Zweiten Weltkrieg auf Rüstungsproduktion umzustellen, vor allem auf Zielfernrohre für Waffen.

Ab Anfang der 1950er Jahre war Meyer-Optik wieder in der Lage, ein umfangreiches Objektivprogramm anzubieten. 1968 wurde der Betrieb Bestandteil des Kombinates Pentacon Dresden. Bis dahin hatten nun die rund tausend Mitarbeiter knapp vier Millionen Objektive seit Ende des Zweiten Weltkrieges hergestellt. Dieser Aufschwung wurde auch äußerlich sichtbar – neue Gebäude entstanden hinter der Fichtestraße. Um alle Aufträge zu schaffen, wurden auch zahlreiche polnische Gastarbeiterinnen mit Werkverträgen beschäftigt und dafür ein eigener Busverkehr eingerichtet. Nach 1990 aber war die Zeit zu kurz, als freies Unternehmen weiter zu bestehen. Am 30. Juni 1991 liquidierte die Treuhandanstalt die bekannte Firma.

2014 nahm die Firma net SE als neuer Inhaber der Marke den Vertrieb von Objektiven wieder auf. Aber er musste 2018 Insolvenz anmelden und verkaufte die Markenrechte an die Bad Kreuznacher Firma OPC Optical Precision Components Europe GmbH. Zumindest als Produktnamen gibt es also Meyer-Optik noch immer.

Vor 50 Jahren war Meyer-Optik gleich mit mehreren Schaubild-Wagen beim großen Festumzug zur Görlitzer 900-Jahr-Feier dabei. Als Bildkomplex Nummer 73 im umfangreichen Block „Görlitz und seine Industrie“ feierte der bedeutende südstädtische Betrieb damals zugleich seinen 75. Geburtstag. Fotos: Hans Brettschneider (2), Margot Bandmann

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