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Jugendring-Mitarbeiter demonstrieren erneut

Der Treffpunkt in Reichenbach ist vorerst gerettet - die Unsicherheit bei Mitarbeitern und Eltern groß. Manche sprechen gar von einer "unhaltbaren Situation".

Demonstration des Jugendrings Oberlausitz gegen die Einstellung von Zahlungen vor dem Landratsamt des Landkreises Görlitz in der Bahnhofstrasse in Görlitz.
Demonstration des Jugendrings Oberlausitz gegen die Einstellung von Zahlungen vor dem Landratsamt des Landkreises Görlitz in der Bahnhofstrasse in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Mitarbeiter des Jugendrings wollen am heutigen Mittwoch erneut vor dem Landratsamt demonstrieren. Vor wenigen Tagen erreichte der Jugendring einen Teilerfolg gegen den Landkreis vor Gericht. Streitpunkt war, dass der Landkreis dem Jugendring mit Bescheiden vom Mai 2021 die Förderung versagte. Nun aber muss der Kreis doch vorläufige Abschlagszahlungen leisten.

Trotzdem ist die Kuh nicht völlig vom Eis. Problem sei, erläutert Mitarbeiterin Sandra Neumann von der Aktivierenden Kinder- und Jugendarbeit in Reichenbach, dass die Unsicherheit immer noch groß ist. Zwar kamen, wie Jugendring-Geschäftsführer Jörg Adam auf SZ-Nachfrage bestätigt, am Dienstag die vom Gericht beschlossenen Abschlagszahlungen auf dem Konto an. Allerdings nur für die Monate Januar bis April. Mai und Juni dagegen müsse der Träger den Mitarbeitern vorstrecken. So oder so sei die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit ein grundlegendes Problem für freie Träger, Jugendvereine und Initiativen der Jugendhilfe, erläutert Sandra Neumann. Die Demonstration sei deshalb eine für alle freien Träger und Jugendvereine.

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Langsame Bürokratie ist Kritikpunkt

Als Knackpunkt gesehen wird, dass Bescheide für die beantragten Projektförderungen seit Jahren viel zu spät vom Landkreis ausgestellt würden. „Teilweise sogar über ein Jahr zu spät. Bis zum Erhalt dieser Bescheide besteht keine finanzielle Sicherheit für die Projekte“, sagt die Sozialpädagogin. Das sei für Träger ein „immenses Risiko.“

Das haben die acht Mitarbeiter der Schulsozialarbeit Reichenbach, Krauschwitz und Schleife sowie die der präventiven Kinder- und Jugendarbeit Reichenbach und Niesky sowie der Familienbildung Görlitz zu spüren bekommen. Zwei Monate arbeiteten sie ohne Lohn. Der Jugendring als Träger kündigte ihnen aus finanziellem Engpass heraus, weil seitens des Kreises keine Gelder mehr flossen.

Das sorgte bei Eltern und Kindern in Reichenbach für Verdruss. Denn die Schließung des Treffpunktes schien unausweichlich. „Wenn der Jugendring in Reichenbach wegfällt, wird den Kindern ihre Struktur genommen, die vielen Freizeitangebote, dass dürfen wir nicht zulassen“, schrieb Bianca Joachim in einem Leserbrief.

Eltern dachten über Unterschriftenaktion nach

An die SZ wendete sich auch Dagmar Ickert: „Gegenüber den Kindern ist das eine unhaltbare Situation. Denn irgendwann wird jede Vorfinanzierung kritisch. Ist das der richtige Umgang mit unseren Kindern und Jugendlichen im Schatten der Pandemie?“, fragt sie. Nach SZ-Informationen dachten Eltern in der Kleinstadt sogar über eine Unterschriftenaktion nach, damit die Angebote vor Ort bestehen bleiben. Immerhin nutzen die Räume am Markt wöchentlich etwa 20 Kinder und Jugendliche, in den Sommerferien sind es circa 100, die an Camps und Ausfahrten teilnehmen.

Eine Unterschriftenaktion wird es nicht geben. Die Tür der Reichenbacher präventiven Kinder- und Jugendarbeit bleibt zumindest in diesem Jahr weiter offen. Mädchen und Jungen bekommen Hausaufgabenhilfe, kochen, spielen, basteln und nutzen die Mitmachangebote und Workshops. Die Räume am Markt in Reichenbach hatte der Jugendring für Ende September gekündigt. Die Kündigung soll nach Angaben von Jörg Adam aufgrund der Gerichtsentscheidung die kommenden Tage zurückgezogen werden.

Unter dem Dach des Jugendrings sind 51 Vereine Mitglieder – von der Jugend-Feuerwehr bis zum selbst verwalteten Jugendclub. „Wir hoffen sehr, im Sinne der Kinder und Jugendlichen auch in Zukunft zu einer guten Lösung zu kommen“, sagt Sandra Neumann.

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