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Service oder Abzocke?

Automaten in Görlitz und Kodersdorf nehmen knapp zehn Prozent Gebühr. Münzgeldeinzahlung bei der Bank ist günstiger und geht aufs eigene Konto.

Von Gabriela Lachnit
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Münzwechselautomat im Neiße-Park nahe der Kassen von Marktkauf in Görlitz.
Münzwechselautomat im Neiße-Park nahe der Kassen von Marktkauf in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ein dickes Portemonnaie im übertragenen Sinne hätte wohl jeder gerne. Aber manchmal sorgt eher jede Menge Kleingeld in der Geldbörse dafür, dass sie kaum noch schließt. Abhilfe schafft hier im Görlitzer Marktkauf ein Münzwechselautomat - aber nicht kostenlos.

Münzgeld gegen Wertbon

Den besonderen Service für Kunden bietet Marktkauf seit einiger Zeit an. Auf einer Fläche gegenüber den Leergutautomaten und ganz in der Nähe des Geldautomaten steht der Münzwechselautomat. Hier kann man überschüssiges Kleingeld wechseln, indem man den Automaten mit den Münzen "füttert". Dieser gibt danach einen Wertbon heraus. Dieser wiederum kann beim Einkauf im Marktkauf an der Kasse eingelöst werden. "Das funktioniert ganz ähnlich wie mit dem Wertbon, den man bei der Rückgabe von Leergut am Leergutautomaten erhält", erklärt Holger Wandrey, der Manager des Neißeparks, in dem sich auch Marktkauf befindet.

Größere Summen, die per Münzwechsel eingezahlt werden, können an der Marktkaufkasse ausgezahlt werden. Allerdings hat die Sache einen Haken: Der Münzwechselautomat arbeitet nicht unentgeltlich. Knapp zehn Prozent der eingezahlten Summe behält der Automat. Die stehen dann nicht zur Einlösung zur Verfügung. Einen solchen Münzwechselautomaten können übrigens auch die Kunden im Edeka-Einkaufsmarkt in Kodersdorf nutzen.

Deutschlandweit betreibt das Unternehmen Coinstar etwa 800 solcher Münzwechselautomaten wie im Marktkauf Görlitz und bei Edeka in Kodersdorf, weltweit sind es rund 21.000. "Coinstar unterstützt mit den Münzwechselautomaten Einzelhandelsunternehmen bei der Steigerung ihrer Umsätze, indem ihren Kunden eine problemlose Möglichkeit für einen Münzwechselservice genau dort angeboten wird, wo sie ohnehin schon einkaufen", erklärt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Trotz anhaltendem Trends zur Kartenzahlung ist das Aufkommen an Hartgeld in den letzten Jahren angestiegen.
Trotz anhaltendem Trends zur Kartenzahlung ist das Aufkommen an Hartgeld in den letzten Jahren angestiegen. © dpa

Münzgeldservice auch bei Banken und Sparkassen

Doch die Automaten bei Marktkauf und Edeka sind zwischen Görlitz und Niesky nicht die einzige Möglichkeit, Geld in Form von Münzen einzutauschen. Auch bei Banken und Sparkassen können Kunden Münzgeld wechseln. Die Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien eG betreibt Münzeinzahlungsautomaten in der Hauptgeschäftsstelle in Görlitz und in Niesky. Dort können sowohl private als auch gewerbliche Kunden Münzgeld einzahlen. Anders als bei den Geräten bei Marktkauf und Edeka erhält man hier aber keinen Wertbon, sondern die Summe der Münzen wird sofort auf das Konto des Einzahlers gutgeschrieben. Deshalb ist die Volksbank-Bankkarte des Einzahlers erforderlich. "Der Einzahler muss ein Konto bei der Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien eG haben", erklärt Bankvorstand Sven Fiedler.

In allen Filialen dieser Bank können die Kunden Münzgeld aber auch am Schalter abgeben. "Das wird dann an zentraler Stelle gezählt und danach auf dem Konto des Einzahlers verbucht", erklärt Sven Fiedler. Für gewerbliche Kunden, die mitunter oft und sehr viel Kleingeld einzahlen, vereinbart die Bank individuelle Konditionen für die Gebühr beim Geldwechsel.

Bei der Sparda-Bank werden Kunden ihr Münzgeld ebenfalls los. Allerdings müssen die Münzen sortiert und in Papier gerollt am Schalter abgegeben werden. Ein Konto bei dieser Bank ist Voraussetzung für die Gutschrift des Münzgeldbetrages. Die Privatkundenbank betreibt unter anderem eine Filiale am Görlitzer Postplatz.

Bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien ist ebenso ein reiner Geldwechsel, also der Tausch von Münzen in Geldscheine am Automaten, nicht möglich. Aber man kann in den Sparkassen-Filialen Zittau-Frauenstraße, Görlitz-Berliner Straße, Löbau, Niesky, Weißwasser und Neugersdorf Einzahlungen von Münzgeld auf das eigene Girokonto vornehmen. "Nach der Einzahlung des Münzgeldes in einen Münzgeldautomaten gibt dieser einen Bon zur Einzahlung auf das Girokonto aus", erklärt Sparkassen-Sprecherin Bettina Richter-Kästner.

Kosten unterscheiden sich erheblich

Während die Münzwechselautomaten bei Marktkauf und Edeka eine stolze Gebühr von 9,9 Prozent der eingezahlten Summe einbehalten, bieten Banken und Sparkassen den Wechselservice günstiger an. Außerdem kommt das Münzgeld hier dem eigenen Konto zugute und muss nicht in einem Markt beim Bezahlen verrechnet werden. Die Sparda-Bank kassiert für jede Münzrolle 50 Cent. Bei der Volksbank-Raiffeisenbank Niederschlesien eG ist der Münzwechsel bis zu 100 Euro kostenfrei. Darüber hinaus werden drei Prozent der Summe als Gebühr fällig. Für Bankkunden mit der Jugendkarte ist der Geldwechselservice kostenlos. Hier schmälert also keine Gebühr den Erlös, wenn das Sparschwein "geschlachtet" wurde. Allerdings kann es passieren, dass bei Summen über 100 Euro zunächst auch eine Gebühr für Kinder und Jugendliche anfällt, die aber fürs Konto nachberechnet werden kann.

Die Servicepauschale für Einzahlungen bis 500 Euro bei der Sparkasse beträgt 5,95 Euro pro Vorgang. Für Einzahlungen von bis zu 5.000 Euro durch Geschäftskunden werden auch bei der Sparkasse individuelle Vereinbarungen geschlossen, erklärt Frau Richter-Kästner. Eine Gebühr sei nötig, weil das Hartgeldaufkommen in den letzten Jahren stark anstieg. "Die Abwicklung ist sehr arbeits- und kostenintensiv, das Entgelt dient lediglich der Kostendeckung", sagt die Sprecherin.

Sven Fiedler erklärt, wofür die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien eine Gebühr benötigt: Die Münzgeldautomaten arbeiten mit viel mechanischer Technik. Deshalb sind sie störanfällig und müssen daher öfter gewartet, gereinigt oder repariert werden. So entstehen höhere Kosten, als das beispielsweise bei dem Einzahlautomaten für Geldscheine der Fall sei.