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Musikschulen starten mit Wermutstropfen

Ab 15. März ist Einzelunterricht wieder erlaubt, unter bestimmten Bedingungen. Diese einzuhalten, hält Lehrer und Schulleiter gerade auf Trab.

Dass Musikschüler und Lehrer wie früher beim Jazz-Rock-Pop-Podium auf dem Görlitzer Untermarkt auftreten, kann noch dauern. Ab Montag ist zumindest Einzelunterricht wieder möglich.
Dass Musikschüler und Lehrer wie früher beim Jazz-Rock-Pop-Podium auf dem Görlitzer Untermarkt auftreten, kann noch dauern. Ab Montag ist zumindest Einzelunterricht wieder möglich. © Nikolai Schmidt/Archiv

Am 15. März öffnen die Musikschulen wieder für den Einzelunterricht. So hieß es am Freitag. "Oder nein, am 8. März. Was, schon heute?" Das ging Thomas Stapel am Montag durch den Kopf, als er noch mal einen Blick auf die drei Tage zuvor veröffentlichte neue Verordnung warf und bemerkte, dass offenbar übers Wochenende das Datum geändert worden war.

Um herauszufinden, was nun auf die Musikschulen genau zutrifft, wann der Unterricht wieder losgehen kann, musste der Leiter der Musikschule am Görlitzer Fischmarkt weit telefonieren. Wie auch immer die Unstimmigkeit zustande kam: "Das kann passieren", sagt Stapel, "und ist verständlich in dieser Zeit, da ständig Verordnungen angepasst und geändert werden müssen."

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Thomas Stapel, Leiter der Musikschule "Johann Adam Hiller" in Görlitz.
Thomas Stapel, Leiter der Musikschule "Johann Adam Hiller" in Görlitz. © Nikolai Schmidt

Schließlich entschied er gestern: "Wir öffnen am 15. März." Genauso wie Sven Rössel, der Leiter der Musikschule Dreiländereck mit Standorten im gesamten Landkreis Görlitz. Doch ganz wohl fühlen sich die Leiter dieser beiden großen Musikschulen dabei nicht. Denn Schüler ab elf Jahren müssen mit einem tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest nachweisen, dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind. Jüngere Kinder bis zehn Jahre brauchen keinen Test, Gruppen dürfen sich noch gar nicht treffen.

Fragen über Fragen

Im Moment hat noch keiner der beiden Schulleiter einen Schnelltest gesehen. "Aber nächste Woche soll es ja welche geben", sagt Thomas Stapel. Er kenne natürlich die Tests beim Hausarzt, denen er sich wöchentlich unterzieht. Denn das war auch bisher schon Bedingung dafür, im Lockdown Schüler unterrichten zu können, die sich auf einen Wettbewerb oder einen Abschluss vorbereiten. Diese brauchten bisher keinen negativen Test vorzuweisen. Jetzt mit der neuen Regelung, die ja eigentlich eine Lockerung ist, aber schon.

Doch selbst wenn nächste Woche Schnelltests zur Verfügung stehen, sind noch viele Unklarheiten im Raum. So ist für die Musikschulen gänzlich unklar, woher sie kommen und wer dafür zahlt. Sollen die Eltern sich darum kümmern? Sollen die Musikschulen die Tests vorhalten? Soll der Einzelunterricht möglichst immer an dem Tag stattfinden, an dem die Schüler sowieso in der Schule getestet werden? Und falls ja, ist dann sicher, dass sich der Schüler nicht bis zum Nachmittag bei jemandem angesteckt hat? Wie sind die Tests überhaupt zu entsorgen?

Freude und Vorsicht

"Wir freuen uns natürlich, dass es endlich wieder losgehen kann", sagt Sven Rössel von der Musikschule Dreiländereck. "Aber ich habe auch ein seltsames Gefühl dabei, dass dies mitten in der Pandemie geschieht." Der Druck des Sächsischen Musikrats, des Landesverbandes der Musikschulen und einer Onlinepetition auf die Politik habe offenbar bewirkt, dass die Öffnungen jetzt möglich sind. Aber er wolle auch nicht erleben, dass den Musikschulen die Schuld daran gegeben wird, wenn die Zahlen doch wieder nach oben gehen. Wohl deshalb seien auch die Hürden so hoch.

Sven Rössel leitet die Musikschule Dreiländereck im Landkreis Görlitz.
Sven Rössel leitet die Musikschule Dreiländereck im Landkreis Görlitz. © Rafael Sampedro/Archiv

Dass das tägliche Testen praktikabel sei, kann sich bisher noch keiner der Musikschulleiter vorstellen. So ein Test in der Nase, selbst wenn er nur ein paar Zentimeter weit hineinreiche, könne vielleicht die Schleimhäute verletzen und etwa einen Bläser durchaus beeinträchtigen, der sich gerade auf eine Prüfung vorbereite, sagt Sven Rössel. Auch sei unklar, wer die Tests bei den Schülern durchführen oder die Ergebnisse kontrollieren solle.

Was kann man Honorarkräften zumuten?

Die meisten Einzelunterrichtsstunden dauern 30 Minuten. Soll davon noch Zeit für einen Test abgehen? "Viele Lehrer sind als Honorarkräfte mir gegenüber nicht weisungsgebunden", sagt Sven Rössel. "Was kann ich ihnen zumuten?" Hier zeige wieder einmal die Kehrseite der Struktur, dass Musikpädagogen häufig nicht angestellt seien. Das trifft auf die Musikschule Johann Adam Hiller am Görlitzer Fischmarkt genauso zu.

Im Moment sind die Musikschulen noch dabei zu klären, welche Musikpädagogen ab nächster Woche tatsächlich Einzelunterricht in Präsenz anbieten. "Manche haben auch Angst vor Ansteckung", sagt Thomas Stapel, "das muss man akzeptieren." Deshalb werde Onlineunterricht weiter eine Option bleiben. "Darin sind inzwischen die meisten von uns erprobt", sagt Sven Rössel. Über aktuelle Änderungen werde auf den jeweiligen Homepages der Musikschulen informiert, und am besten sei es, Anfang nächster Woche direkt mit dem Lehrer zu klären, wie es weitergeht.

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