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Nach Flut: Aufatmen bei Görlitz-Regisseur

Michael Simon de Normier, Mitproduzent von "Der Vorleser", vermisste tagelang seine Eltern im Flutgebiet in Rheinland-Pfalz und NRW. Jetzt die Erleichterung.

Michael Simon de Normier auf dem Görlitzer Untermarkt.
Michael Simon de Normier auf dem Görlitzer Untermarkt. © nikolaischmidt.de

Hinter dem Produzenten und Regisseur Michael Simon de Normier liegen mehrere schlaflose Nächte. Ein Großteil seiner Familie lebt im Ahrtal - und war über mehrere Tage nicht erreichbar.

Am Freitag hatte er seine Sorgen auf Facebook geteilt: "In meiner Heimat, an Rhein und Ahr werden über eintausend Menschen vermisst. Ich weiß nicht, ob Familie und Freunde darunter sind. Ich habe angerufen. Keine Stelle kann mir Auskunft geben."

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Erleichterung am Montagmorgen

So sah es am Sonntag in Bad Neuenahr - in der Nähe leben de Normiers Eltern - aus.
So sah es am Sonntag in Bad Neuenahr - in der Nähe leben de Normiers Eltern - aus. © dpa

Am Montagmorgen die Erleichterung. Die Seniorenresidenz, in der seine Mutter lebt, war wieder erreichbar. "Sie teilen über ihren Anrufbeantworter mit, dass alle Bewohner wohlauf sind." De Normiers Schwester hatte es geschafft, den Vater ausfindig zu machen, der in einem Fachwerkhaus in Swisttal im Süden von NRW lebt. "Er wurde evakuiert und ist in einer Turnhalle untergebracht", erzählt de Normier. Was noch fehlt, ist eine Rückmeldung seines Bruders. "Aber die Erleichterung ist schon riesig."

Kate Winslet damals bei Dreharbeiten zu "Der Vorleser" in Görlitz.
Kate Winslet damals bei Dreharbeiten zu "Der Vorleser" in Görlitz. © Trenkler

De Normier war Mitproduzent von "Der Vorleser", der mit Kate Winslet 2008 zu großen Teilen in Görlitz gedreht wurde. Danach blieb er Görlitz verbunden. So engagierte er sich auch im OB-Wahlkampf 2019 in Görlitz und warnte davor, welchen Einfluss es auf die Filmwirtschaft haben würde mit einem AfD-Oberbürgermeister. Einer der OB-Kandidaten war der AfD-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Sebastian Wippel.

Filmproduzent Michael Simon de Normier gehörte 2019 zu den Gratulanten, als Octavian Ursu zum Oberbürgermeister gewählt wurde.
Filmproduzent Michael Simon de Normier gehörte 2019 zu den Gratulanten, als Octavian Ursu zum Oberbürgermeister gewählt wurde. © Nikolai Schmidt

Rinnsal wurde zu reißendem Strom

De Normier stammt aus Bonn, lebt heute in Berlin, liebäugelte für ein Serienprojekt über Beethoven sogar nach Görlitz zu ziehen. Dieses Vorhaben liegt aktuell auf Eis - aber aus anderen Gründen. Seine Eltern leben getrennt, die Mutter in einer Senioreneinrichtung nahe der Ahr-Mündung des Rheins. In der Region, dem Kreis Ahrweiler, hat die Flut schwere Schäden hinterlassen. Aktuell sind dort noch 30.000 Menschen ohne Wasser, Strom und Gas, berichtet der SWR.

Der Vater lebt in Swisttal im Süden nahe Bonn. Er habe dort vor etwa 30 Jahren ein altes Fachwerkhaus gekauft und über die Jahre saniert, er war Architekt, erzählt de Normier. Am Grundstücksrand, erklärt er, verläuft ein Bach, "das ist eigentlich ein Rinnsal", das nun zum reißenden Strom wurde.

"Das Leben ist das Wichtigste, und ich bin jetzt erst mal extrem erleichtert." Um das Haus des Vaters - der dieser Tage 79 Jahre alt wurde - und dessen viele Arbeit tue es ihm dennoch sehr leid. "Ein Stück Lebenswerk war das schon." Wie viel davon noch zu retten ist? "Hinfahren kann man ja noch nicht, davor wird auch zu Recht gewarnt." Soweit er weiß, stand das Wasser bis zur Arbeitsplatte in der Küche, "das müssen also mindestens 1,50 Meter sein."

De Normier hatte, erzählt er, beispielsweise über eine Hotline für Vermisstenmeldungen nach seinem Vater gesucht. "Meine Schwester hat sich klüger angestellt. Ich glaube, sie hatte sich direkt ans DRK gewandt."

Noch viele Vermisste

Inzwischen entspannt sich die Hochwasserlage etwas, das große Aufräumen beginnt langsam. Mindestens 117 Menschen sind durch die Flut im Norden von Rheinland-Pfalz gestorben, die Lage bei den Vermissten ist unübersichtlich. "Ich denke an diejenigen, denen es jetzt noch geht wie mir in den letzten Tagen, die um ihre Angehörigen bangen. Man nimmt jede Meldung genau wahr, versucht sie örtlich genau zuzuordnen", beschreibt er.

Auf Facebook hatte der Produzent sich wütend zum Beispiel über den WDR geäußert, der in der Nacht zum Donnerstag viel zu spät über die hereinbrechende Katastrophe berichtete. Inzwischen habe er sich etwas beruhigt. "Aber dass offensichtlich die Warnsysteme so schlecht funktionieren, macht mich schon wütend." Warum die Warnungen vor der Katastrophe - die es gab - nicht bei den Menschen vor Ort ankamen, wird deutschlandweit debattiert.

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