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Nach Kündigung: Zgorzelec in Aufruhr

Am Dienstag hatte der Kreis Zgorzelec der Direktorin des Klinikums gekündigt. Dagegen wird Protest laut.

Eine lange Lkw-Schlage. In Zgorzelec gibt es Protest gegen die Entlassung der Klinik-Direktorin.
Eine lange Lkw-Schlage. In Zgorzelec gibt es Protest gegen die Entlassung der Klinik-Direktorin. © Screenshot Zgorzelec.info

Nachdem am Dienstag die Zgorzelecer Klinik-Direktorin durch den Kreis Zgorzelec entlassen wurde, ist die Unsicherheit groß. Wie die Plattform Zgorzelec.info berichtet, sollen nun auch die Chefärzte mit Kündigung gedroht haben, als "Geste der Solidarität mit der entlassenen Leiterin".

Das Nachrichtenportal Eluban.pl spricht sogar von 200 Mitarbeitern des Krankenhauses. Am Mittwochmittag habe eine Pressekonferenz des Krankenhauses stattgefunden, an der der stellvertretende Direktor und Leiter der Onkologie, Marcin Wolski, sowie Ärzte und Krankenschwestern teilgenommen hätten. Er sehe die Autonomie des Krankenhauses verletzt, habe Marcin Wolski gesagt. "So groß unsere Überraschung gestern nach der Entlassung der Direktorin war, so groß war auch unser Ärger danach", zitiert das Portal Marcin Wolski. Er und seine Kollegen, befreundete Ärzte, ärztliches und nicht-ärztliches Personal würden keinen Grund für ein solches Vorgehen des Landkreises gegen die Klinikdirektorin sehen.

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Nach übereinstimmenden Informationen soll es am Mittwoch auch ein Gespräch zwischen den Medizinern und der Kreisverwaltung gegeben haben, wie Eluban.pl berichtet, aber noch keine Einigung. Das Krankenhaus fordere die Rücknahme der Kündigung von Zofia Barzyk.

In den Protest hat sich offenbar auch das Unternehmen Citronex mit einer Lkw-Kolonne eingeklinkt. Citronex ist eine der großen Firmen der Region. Das Nachrichtenportal Zgorzelec.info veröffentlichte ein Foto, auf dem zahlreiche Lkw zu sehen sind.

Hintergrund ist der Impfstreit in Polen. In mehreren Städten sollen Krankenhäuser Personen bereits geimpft haben, die nach polnischer Impfstrategie noch nicht dran gewesen wären. Darunter auch örtliche Prominenz und Politiker. In Zgorzelec wurde Ende vorigen Jahres bereits der Bürgermeister Rafal Gronicz geimpft. Daraufhin hatte der polnische Gesundheitsminister eine Prüfung in mehreren Kliniken, darunter in Warschau und auch Zgorzelec, angekündigt. Der Kreis Zgorzelec hatte am Dienstag übereinstimmenden Medienberichten nach Zofia Barzyk zum 30. April entlassen.

Die Medizinische Universität Warschau etwa hatte ihr Vorgehen damit begründet, dass ihr kurzfristig zusätzliche Corona-Impfdosen zur Verfügung standen, die schnell genutzt werden mussten, damit sie nicht verfallen. Ähnlich soll die Situation in Zgorzelec Ende vorigen Jahres gewesen sein - mehr Impfdosen als Impfwillige der aktuellen Gruppe. In einer Mitteilung auf seiner Facebookseite hält der Kreis Zgorzelec dagegen, es habe in dem betreffenden Zeitraum ausreichendes Interesse von medizinischem Personal und zahlreiche Impfanträge von Krankenhausmitarbeitern gegeben, die nicht informiert worden seien. Das Ergebnis der Überprüfung durch den Nationalen Gesundheitsfonds steht noch aus. Darauf warte der Kreis nun.

Auf Görlitzer Seite hatte sich der Grünen-Stadtrat Joachim Schulze zu Wort gemeldet und die Frage aufgeworfen: "Sollte man, ehe Impfdosen verfallen, nicht eher schnell an Menschen verimpfen, die eigentlich noch nicht dran wären?"

Auf polnischer Seite aber scheint die Wut groß zu sein. Während Zofia Barzyk in den Kommentarspalten auf den Nachrichtenportalen und auf der Facebookseite des Kreises Zgorzelec viel Fürsprache erhielt, ihre Arbeit für das Krankenhaus größtenteils positiv bewertet wird, ist das bei Citronex anders. Unter dem Beitrag zu dem Lkw-Protest auf zgorzelec.info wird viel Kritik laut an dem Verhalten des Firmenchefs. Manche Kommentatoren lassen anklingen, auch er sei möglicherweise bereits geimpft worden.

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