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Beeren und Blumen: Jetzt bepflanzt Görlitz seine Plätze

Viel Geld lässt sich das die Stadt kosten. Doch Görlitzer und Gäste sind jedes Mal begeistert. Die Pflanzideen kommen von Christian Freudrich.

Christian Freudrich entwarf die Bepflanzung der Görlitzer Schmuckplätze am Computer, hier die Frühjahrsbepflanzung für den Wilhelmsplatz.
Christian Freudrich entwarf die Bepflanzung der Görlitzer Schmuckplätze am Computer, hier die Frühjahrsbepflanzung für den Wilhelmsplatz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Sie warten schon in der Nieskyer Gärtnerei Halke: 18.000 Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht, die auf dem Wilhelmsplatz, dem Postplatz und in den drei Hochbeeten auf dem Marienplatz demnächst ihre Blüten in den Frühlingshimmel strecken.

Am Freitag begannen die Gärtner des Städtischen Betriebshofes mit der Gestaltung der Görlitzer Schmuckplätze. Bevor gepflanzt wird, müssen die Beetflächen vorbereitet werden: Der Boden wird mit einer Fräse bearbeitet und gelockert. Die Gärtner lassen dabei Vorsicht walten, denn bereits im Herbst sind unter anderem etwa 4.000 Tulpenzwiebeln gesetzt worden.

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So gab Christian Freudrich die Sommerbepflanzung auf dem Marienplatz für 2020 vor - der Plan entstand am Computer.
So gab Christian Freudrich die Sommerbepflanzung auf dem Marienplatz für 2020 vor - der Plan entstand am Computer. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Der Macher mit Ideen

Die Blütenpracht stammt aus dem Ideenfundus von Christian Freudrich. Er ist Sachbearbeiter bei Stadtgrün im Görlitzer Rathaus und seit 2002 unter anderem für die Gestaltung der Schmuckplätze verantwortlich. "Das ist zwar nur ein kleiner Teil meiner Arbeit, aber eben ein sehr schöner", sagt der studierte Garten- und Landschaftsbauer.

Bereits im Sommer des Vorjahres ist sein Plan für die Frühjahrsbepflanzung des Folgejahres fertig. Am Computer entwirft der 48-Jährige genaue Pläne, aus denen zu ersehen ist, wo welche Pflanze in welcher Farbe hinkommt. Danach bestellt er die Pflanzen. In diesem Jahr liefert Gartenbau Halke aus Niesky die Frühjahrsblumen, für die sommerliche Blütenpracht sorgen Blumen aus der Gärtnerei Scholze in Bernstadt. "Ich bin sehr froh, dass wir in der Region noch Gartenbaubetriebe haben, die für uns produzieren", sagt Freudrich. Denn im Rahmen der Globalisierung zeichne sich auch im Gartenbau eine zunehmende Spezialisierung ab, bei der Pflanzen in sehr großen Mengen gezogen werden. "Wer dann mit kleinen Bestellmengen für bestimmte Blumen in speziellen Sorten oder Farben kommt, hat dort meist keine Chance."

Experiment auf dem Marienplatz

Die Frühjahrsbepflanzung auf dem Postplatz dominieren in diesem Jahr die Farben weiß, helles Lila und ein kräftig dunkles Rot in Tulpen, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht. Südliches Flair kommt mit Blüten in unterschiedlichen Gelbtönen, weiß und hellblau auf dem Wilhelmsplatz auf. Gepflanzt wird hier in Ornamentform, die Ruhe ausstrahlt, während es auf dem Postplatz anscheinend wild zugeht: Hier reihen sich die Blumen und Farben in bunter Mischung aneinander.

Obwohl die Frühlingsbepflanzung noch nicht im Boden ist, steht bereits der Plan für die Sommerbepflanzung. Christian Freudrich hat auch das akribisch aufgezeichnet. Für die Hochbeete auf dem Marienplatz wagt er ein Experiment: Es gibt drei Naschbeete, auf denen im Sommer rote Johannisbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Bananenstauden und bodendeckende Erdbeeren wachsen sollen. Von den Früchten naschen ist hier sogar erwünscht - wenn sie reif sind.

"Damit greifen wir eine Idee von Görlitzer Kindern auf", informiert Freudrich. Der Bürgerrat Innenstadt-Ost hatte in einem Workshop Kinder nach ihren Ideen gefragt. Ein Projekt "Früchte in der Innenstadt" war das Ergebnis, das jetzt auf dem Marienplatz umgesetzt wird. Der Blumenplaner selbst ist gespannt darauf, wie das bei den Leuten ankommt und freut sich sehr, dass die Bananenstauden erneut ausgepflanzt werden. Sie waren im Vorjahr auf dem Postplatz zu finden und wurden über den Winter weiter kultiviert. "Vielleicht gibt es bei einem warmen Sommer hier auch mal Früchte", hofft Christian Freudrich.

Christian Freudrich bewahrt die Pflanzpläne der vergangenen Jahre auf. Sollten ihm doch einmal die Ideen ausgehen - was vorerst nicht zu befürchten ist - könnte auf Pflanzpläne aus zurückliegenden Jahren zurückgegriffen werden.
Christian Freudrich bewahrt die Pflanzpläne der vergangenen Jahre auf. Sollten ihm doch einmal die Ideen ausgehen - was vorerst nicht zu befürchten ist - könnte auf Pflanzpläne aus zurückliegenden Jahren zurückgegriffen werden. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Pflanzten die Gärtner etwa Cannabis?

Überhaupt ist der Blumenplaner experimentierfreudig. In diesem Jahr will er wissen, wie bei den Görlitzern grüne Tulpen ankommen. In der Vergangenheit ließ er beispielsweise Dill, Petersilie und Mähnengerste zwischen den Blumen wachsen, auch mal Cleomen - Spinnenpflanzen. Die sorgten für helle Aufregung, weil einige Görlitzer glaubten, die Gärtner hätten hier Cannabis gepflanzt - eine gewisse Ähnlichkeit der Pflanzen besteht durchaus.

Gärtner vom Städtischen Betriebshof - hier Robert Grohmann 2019 auf dem Marienplatz - kümmern sich um die Görlitzer Schmuckplätze.
Gärtner vom Städtischen Betriebshof - hier Robert Grohmann 2019 auf dem Marienplatz - kümmern sich um die Görlitzer Schmuckplätze. © Archivfoto: nikolaischmidt.de
Die Frühjahrsbepflanzung auf dem Görlitzer Marienplatz aus dem Vorjahr. Schon bald kommen die Frühlingsblumen für dieses Jahr in die Hochbeete.
Die Frühjahrsbepflanzung auf dem Görlitzer Marienplatz aus dem Vorjahr. Schon bald kommen die Frühlingsblumen für dieses Jahr in die Hochbeete. © Stadt Görlitz
Die sommerliche Blumenpracht auf dem Postplatz war nicht nur im vergangenen Jahr ein beliebtes Fotomotiv.
Die sommerliche Blumenpracht auf dem Postplatz war nicht nur im vergangenen Jahr ein beliebtes Fotomotiv. © André Schulze
Die Sommerbepflanzung 2020 auf dem Görlitzer Postplatz.
Die Sommerbepflanzung 2020 auf dem Görlitzer Postplatz. © André Schulze
So sah die Sommerbepflanzung im August 2014 auf dem Postplatz aus.
So sah die Sommerbepflanzung im August 2014 auf dem Postplatz aus. © Pawel Sosnowski/80studio.net
Die Sommerbepflanzung auf dem Wilhelmsplatz im Jahr 2020...
Die Sommerbepflanzung auf dem Wilhelmsplatz im Jahr 2020... © André Schulze
...und im Jahr 2018, damals noch mit Kunstobjekt in der Platzmitte.
...und im Jahr 2018, damals noch mit Kunstobjekt in der Platzmitte. © nikolaischmidt.de

Straßenbahn soll langsamer fahren

Seit Jahren sind die Görlitzer und Gäste der Stadt sehr angetan von dem Blumenschmuck in der Innenstadt, der viel Lob erntet. Vor wenigen Jahren gab es sogar von einem Görlitzer den Vorschlag, dass die Straßenbahnen im Sommer langsamer als sonst über den Postplatz fahren sollten, damit die Fahrgäste die Blütenpracht auf dem Platz aus der Bahn heraus länger betrachten und genießen können. "Dieser Vorschlag freute mich sehr, auch wenn er natürlich nicht umgesetzt werden kann", sagt der Blumenplaner mit einem Lächeln.

Die Schmuckplätze machen ihrem Namen alle Ehre, denn die gärtnerische Gestaltung ist in jedem Jahr ein Höhepunkt, auf den viele Menschen gespannt sind. Zwei Bepflanzungen erhalten Wilhelmsplatz, Postplatz und Marienplatz. Dazu gibt es noch ein paar kleinere Flächen wie die Blumenuhr vor dem Görlitzer Theater oder einige Schalen vor Schulen. Den Frühjahrsblumen, die etwa um die Osterzeit eingebracht werden, folgen dann so etwa Mitte Mai nach den Eisheiligen die Sommerblumen - allerdings muss dabei das Wetter jedes Mal mitspielen.

Etwa 25.000 Euro lässt sich die Stadt die Blütenpracht jedes Jahr kosten, wobei die Summe mit 15.000 Euro für die Sommerbepflanzung immer etwas höher ausfällt als für die Frühlingsblumen. Christian Freudrich hofft angesichts der knappen Kassen, dass die Stadträte im Haushaltsplan für diese freiwillige Ausgabe der Stadt auch künftig die nötigen Mittel einplanen - er jedenfalls hat noch eine ganze Menge Ideen, um die Görlitzer mit wunderschönem Blumenschmuck auf den Plätzen zu erfreuen.

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