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Neue Hoffnung für alte Straßenbaupläne

Landrat Bernd Lange kritisiert die Absage der Verlängerung der B 178 nach Norden. Aber er hat zwei Alternativvorschläge.

Schon jetzt wälzen sich regelmäßig Blechlawinen über die B 115 in den Norden.
Schon jetzt wälzen sich regelmäßig Blechlawinen über die B 115 in den Norden. ©  SZ-Archiv

Die sächsische Staatsregierung hat jüngst allen Hoffnungen und Vorstellungen eine Absage erteilt, die Schnellstraße B 178 künftig von der A 4 weiter in Richtung Norden bis zur A 15 bei Cottbus weiterzubauen. Die Befürworter versprechen sich davon einen besseren Anschluss der Oberlausitz an den Ballungsraum Berlin. Die Staatsregierung argumentiert jedoch, weder würde diese zusätzliche Straße wirklich gebraucht noch stünde ihr Nutzen im Verhältnis zu den erwartbaren Baukosten.

Gegen diese Absage regt sich nun Widerspruch – andere dagegen begrüßen die Entscheidung der Staatsregierung. Mächtigste Stimme im Konzert der Kritiker ist die vom Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU). „Die Absage, wenn es um eine leistungsfähige Straße geht, ist kontraproduktiv zu den Ansätzen des Strukturwandels“, sagt er auf SZ-Anfrage. Andererseits ist Lange Realist und weiß, wie lange die Planung und der Bau einer solchen Verlängerung dauern würde. Daher fordert er für den Landkreis eine leistungsfähige Alternative – die noch dazu viel schneller zu verwirklichen wäre.

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Vorschlag: Ausbau der B 115

Dreh- und Angelpunkt seiner Überlegungen ist der Ausbau der Bundesstraße B 115, die von Görlitz aus auf rund 100 Kilometern Strecke zur A 15 bei Roggosen führt. „Die Leistungsfähigkeit der B 115 entspricht nicht dem, was wir brauchen. Unsere Forderung ist daher, die B 115 auszubauen“, sagt der Landrat. Unter diesen Umständen wäre eine Verlängerung der B 178 verzichtbar. „Der Lkw-Verkehr könnte dann vom B 178-Autobahnanschluss in Weißenberg auf der A 4 bis Kodersdorf fahren und dort auf der B 115 in Richtung Norden“, erklärt der Landrat. Für diese Leistungssteigerungen wäre der Bau von Ortsumfahrungen in Kodersdorf, Rietschen und Krauschwitz erforderlich. In Niesky sei die Ortsumfahrung bereits vorhanden.

Die Umfahrungen von Kodersdorf und Krauschwitz sind bereits im Rahmen des Strukturwandels geplant. Aber die Strecke selbst ist stellenweise nur auf drei Streifen ausgebaut, weitere Überholabschnitte müssten dringend errichtet werden – gerade auch zwischen Görlitz und Niesky. Die Umgehungsstraße von Kodersdorf wird aber derzeit nicht deswegen vorangetrieben, um zusätzlichen Verkehr aus dem Dreiländereck bei Zittau irgendwann aufnehmen zu können. Wenn der Freistaat den Autobahntunnel „Königshainer Berge“ wartet, wälzt sich regelmäßig eine Blechlawine durch den Ort. Mit der Ortsumfahrung könnte dieser Verkehr rund um Kodersdorf geführt werden.

Vorschlag: Görlitzer Südumfahrung

Als zweite dringende Maßnahme holt Lange einen weiteren Vorschlag aus der Versenkung hervor: die Südumfahrung von Görlitz. Lange hatte sich immer für deren Bau ausgesprochen. Doch nach Erhebungen des Landesstraßenbauamtes reichte der prognostizierte Verkehr für den Bau dieser Südumfahrung nicht aus. Sie sollte den Verkehr aus Richtung Ostritz südlich von Görlitz an Kunnerwitz vorbei und bis zur Bundesstraße B 6 zwischen Markersdorf und Görlitz lenken.

Bislang ist von dieser Umfahrung nur der erste Abschnitt von der Zittauer Straße in Görlitz bis nach Kunnerwitz gebaut worden. Die Abschnitte zwei und drei – die Umfahrung von Kunnerwitz und die Strecke Kunnerwitz – Bundesstraße B 6 – wurden vor zehn Jahren ad acta gelegt.

Schon damals hatten die Befürworter der Strecke nicht so sehr die damalige Situation, sondern die künftige Entwicklung im Blick gehabt. Mit der Entwicklung des Berzdorfer Sees zu einem touristischen Naherholungsgebiet ist zusätzlicher Verkehr durch Görlitz verbunden. Auch der Ausbau des Industriegebietes in Hagenwerder führt zu mehr Lkw-Verkehr, der jetzt durch Görlitz fahren muss. Görlitz und Ostritz wiederum planen derzeit, das Industriegebiet auf Leubaer Flur zu erweitern.

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange hat eine sinnvolle Alternativ-Idee zur abgesagten Verlängerung der B 178.
Der Görlitzer Landrat Bernd Lange hat eine sinnvolle Alternativ-Idee zur abgesagten Verlängerung der B 178. ©  SZ-Archiv/Nikolai Schmidt

Und schließlich hat kaum jemand mit der Zunahme des grenzüberschreitenden Lkw-Verkehrs sowohl zwischen Deutschland und Tschechien als auch Polen gerechnet, der nicht nur über die Autobahn, sondern auch über die Bundesstraßen im Kreis fließt. Nun will die Politik auch mit dem Strukturwandel und der Ansiedlung von neuen Wissenschaftsinstituten zusätzliche Dynamik in die Region bringen. Obwohl auch die Eisenbahnstrecken nach Dresden und Berlin bis 2035 ausgebaut werden sollen, wird ein Großteil des Verkehrs das bestehende Straßensystem aufnehmen müssen. Dadurch drohen Engpässe.

© SZ Grafik

Lange begründet seinen Vorstoß nun auch mit den Vorteilen für den Süden. Von Zittau aus gäbe es dann mit der B 178 und der B 99 zwei Routen, schnell in Richtung Norden zu kommen“, sagt Lange. „Das wäre eine zukunftsfähige Straßeninfrastruktur und schnell umsetzbar.“ Wenn man es jetzt angehe, könnten B 99 und B 115 im Jahr 2038 entsprechend ausgebaut sein. Mit Blick auf den Zuzug neuer Unternehmen sagt Bernd Lange: „Wenn jemand hier investieren will, dann schaut der: Bauen die oder reden die nur?“

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