SZ + Görlitz
Merken

Robert-Scholz-Kalender steht im Zeichen des Stadtjubiläums

Das Ratsarchiv hat den traditionellen Kalender mit historischen Görlitz-Motiven neu aufgelegt. Ab Ende November wird er zum Verkauf angeboten.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Das 1847 vollendete Eisenbahn-Viadukt ist eines der Kalender-Motive.
Das 1847 vollendete Eisenbahn-Viadukt ist eines der Kalender-Motive. © Robert Scholz / Stadt Görlitz

Das Ratsarchiv Görlitz gibt auch für 2022 wieder einen Kalender mit Fotos von Robert Scholz heraus, der zwischen 1843 und 1926 lebte. Der steht diesmal ganz im Zeichen des Jubiläums zum 950. Geburtstag der Stadt, teilt Ratsarchivar Siegfried Hoche mit.

Das Archiv verfügt über Tausende Aufnahmen aus dem Nachlass des berühmtesten Görlitzer Fotografen der Gründerzeit. Aus dieser am besten erschlossenen und am häufigsten genutzten Fotosammlung wählt Hoche jährlich im Herbst Motive für den Kalender aus. Dabei wären die Fotoplatten beinahe verloren gewesen. Aus einem Schuppen auf der Bismarckstraße rettete sie das Görlitzer Museum, 1998 kamen sie zum Stadtarchiv.

Die Motive erzählen nun die Stadtgeschichte seit der Ersterwähnung der „Villa Goreliz“, die am 11. Dezember 2021 genau 950 Jahre zurückliegt, über die erste Blüteperiode der damals europäisch bedeutsamen spätmittelalterlichen Handels- und Gewerbestadt bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Nach dem Oberlausitzer Pönfall, der Bestrafungsaktion König Ferdinand I., verlor sie ihre so weitreichende politische Unabhängigkeit. Auch die Tuchmacherei, als einst wichtigstes Exportgewerbe, verlor an Bedeutung.

Ratsarchivar Siegfried Hoche, hier zu sehen mit dem Kalender von 2017
Ratsarchivar Siegfried Hoche, hier zu sehen mit dem Kalender von 2017 © SZ-Archiv / Pawel Sosnowski

Görlitzer Kaufleute erschlossen zwar seit dem 17. und 18. Jahrhundert über die Leipziger Messe und den Hamburger Hafen neue Märkte in Südostasien und in Amerika. Aber Görlitz wurde provinzieller. Die nur wenigen, wenn auch künstlerisch beachtlichen, Zeugnisse barocker Baukunst, ebenfalls in der Neuauflage des Robert-Scholz-Kalenders zu sehen, zeugen vom Verblassen einstiger Bedeutung. Nach dem Ende der Befreiungskriege gegen Napoleon und der Kontinentalsperre wurde die Stadt preußisch. Sie geriet in eine tiefe Krise. Aber es gelang den mutigen Görlitzern Bürgern, Brücken für eine neue Blüte im Industriezeitalter zu bauen.

Auch das 1847 vollendete Eisenbahn-Viadukt darf im Kalender nicht fehlen. Es symbolisiert wie kaum etwas den revolutionären Brückenschlag in eine neue Zeit. Görlitz entwickelte sich zu einer innovativen Industrie-, Gewerbe- und Handelsstadt mit einem reichen Kulturleben und zudem hoher Attraktivität als Wohnstadt auch für Berliner Pensionäre. Diese Periode endete mit den beiden Weltkriegen.

Der Kalender hat eine Auflage von 400 Stück und ist ab 29. November zum Preis von zehn Euro im Ratsarchiv zu folgenden Zeiten erhältlich: Dienstags 10 bis 18 Uhr, mittwochs 9 bis 12 Uhr und donnerstags 10 bis 16 Uhr. (SZ)

Aufgrund der Corona-Einschränkungen wird der Verkauf im Ratsarchiv/Prätorium stattfinden und nicht im Benutzerraum. Die Besucher werden gebeten, die Klingel im Ratsarchiv zu nutzen, einen Mundschutz zu tragen, sich die Hände zu desinfizieren und alle weiteren Hygienemaßnahmen einzuhalten.