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Patienten zögern OPs hinaus

Eigentlich herrscht in den Kliniken im Kreis Görlitz wieder Alltag. Doch mancher Patient sorgt sich über mögliche Corona-Infektionen in der Klinik. Ist diese Sorge berechtigt?

In den Krankenhäusern des Landkreises Görlitz ist der OP-Alltag zwar wieder eingekehrt, aber noch zögern Patienten Operationen hinaus.
In den Krankenhäusern des Landkreises Görlitz ist der OP-Alltag zwar wieder eingekehrt, aber noch zögern Patienten Operationen hinaus. © Sebastian Schultz

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus spüren Kliniken und Krankenhäuser im Landkreis Görlitz noch immer. Patienten verschieben Operationen.

Im Städtischen Klinikum Görlitz ist der Operations-Alltag wieder eingekehrt, aber die durchschnittliche Belegung der Krankenhausbetten lag allein im Juni und August dieses Jahres gegenüber den Vergleichsmonaten 2020 um jeweils 100 niedriger.

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Der Haupteingang des Orthopädischen Zentrums in Rothenburg.
Der Haupteingang des Orthopädischen Zentrums in Rothenburg. © André Schulze

Ähnliche Probleme in vielen Krankenhäusern

"Ist eine Operation notwendig, dann lassen sich Patienten auch bei uns operieren", erklärt Klinikum-Sprecherin Katja Pietsch. "Haben sie dagegen Zweifel, kommen sie gar nicht erst ins Krankenhaus."

Die Gründe dafür seien vielfältig. Als Mitglied im großen deutschen Krankenhausverbund "Clinotel" tauscht sich das Klinikum regelmäßig mit anderen kommunalen Häusern aus. Diese Krankenhäuser machen derzeit ähnliche Erfahrungen, erklärt Frau Pietsch. "Eine große Sorge der Patienten scheint noch immer zu sein, sich im Krankenhaus mit Corona anzustecken."

Diese Erfahrung macht auch das Orthopädische Zentrum Martin-Ulbrich-Haus (MUH) in Rothenburg. Hier begründen Patienten eine Verschiebung der OP unter anderem auch damit, dass sie Impftermine wahrnehmen und nach der zweiten Impfung eine Wartezeit von vier Wochen einhalten. Aber auch die Befürchtung von Besuchsverboten spiele eine Rolle, erklärt Verwaltungsleiterin Cornelia Seibt.

Städtisches Klinikum Görlitz, von der Girbigsdorfer Straße aus fotografiert.
Städtisches Klinikum Görlitz, von der Girbigsdorfer Straße aus fotografiert. © Nikolai Schmidt

Vorbehalte lassen nach

In den Häusern des Klinikums Oberlausitzer Bergland mit Standorten in Zittau und Ebersbach sowie im Krankenhaus Weißwasser habe es Phasen gegeben, in denen Patienten Operationen absagten. Das sei mittlerweile nur noch selten der Fall, sagt Jana-Cordelia Petzold, die Sprecherin der Einrichtungen. Meist sei die Angst vor einer Corona-Infektion der Grund für die Absage gewesen, selten die eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten.

Im Krankenhaus Emmaus in Niesky spüre man keine Vorbehalte der Patienten mehr gegen Operationen, bestätigt Pressereferent Viktor Franke. Emmaus läuft seit einigen Monaten wieder im uneingeschränkten Regelbetrieb.

Auch im Malteser-Krankenhaus St. Carolus in Görlitz läuft seit Längerem ein normales Operations-Programm wie vor der Pandemie, erklärt Sprecherin Stephanie Hänsch. Hier wie auch in den anderen Krankenhäusern des Landkreises wurden im Vorjahr und auch in diesem Jahr nicht dringend notwendige Operationen pandemiebedingt verschoben.

In Rothenburg haben die Patientenzahlen noch nicht das Normalmaß erreicht. Das liegt daran, dass von Mitte Dezember 2020 bis Ende Februar 2021 planbare Operationen nach Anordnung des Freistaates Sachsen auszusetzen und Bettenkapazitäten für Corona-Patienten freizuhalten waren. Es wurden nur Not- und nicht aufschiebbare Operationen durchgeführt.

Das Klinikum in Ebersbach/Sachsen.
Das Klinikum in Ebersbach/Sachsen. © SAE Sächsische Zeitung

Verunsicherung bei den Patienten

Das führte zu viel Verunsicherung bei den Menschen. Viele befürchteten, sich im Krankenhaus mit Covid-19 anzustecken und zögerten OPs hinaus. Mit teilweise fatalen Folgen. Patienten warteten aus Angst vor Corona länger damit, einen Arzt aufzusuchen. "Nicht selten kamen Patienten so spät, dass sie erhebliche Beschwerden hatten und es in der Folge zu sehr schweren Krankheitsverläufen kam", schildert Katja Pietsch.

Allerdings haben es die Krankenhäuser auch unabhängig von Corona damit zu tun, dass die meisten Menschen große Unsicherheiten mit einer bevorstehenden OP verbinden. "Sorgen und Ängste sind oft groß", sagt Viktor Franke. Deswegen legt man im Emmaus großen Wert auf die Gespräche mit den Patienten. "Wir nehmen uns ausreichend Zeit, um mit den Menschen zu sprechen", erklärt Franke. Ärzte und Pfleger seien sehr erfahren darin, professionell und einfühlsam auf Ängste und Bedenken der Patienten einzugehen.

Das MUH bietet Gespräche mit Ärzten in einer prästationären Sprechstunde an. "Aber auch die Mitarbeiter in der Patientenaufnahme stehen gern mit Rat und Tat zur Seite", erklärt Frau Seibt.

Das Görlitzer Krankenhaus St. Carolus betreiben die Malteser.
Das Görlitzer Krankenhaus St. Carolus betreiben die Malteser. © André Schulze

Corona-Test bei der Aufnahme

In allen befragten Krankenhäusern gelten für Patienten, die für eine Operation aufgenommen werden, besondere Regeln. Im Klinikum Oberlausitzer Bergland und in Weißwasser gilt die 3-G-Regel. Das heißt, Patienten müssen getestet, geimpft oder genesen sein. Im Malteser-Krankenhaus St. Carolus erhält jeder Patient zur Aufnahme einen Schnelltest und bei unklarem Befund zusätzlich einen PCR-Test. Bei längerem Aufenthalt werden Patienten nachgetestet.

Im Emmaus ist aufgrund der niedrigen 7-Tage-Inzidenz im Landkreis zurzeit lediglich ein Antigen-Schnelltest zur Aufnahme notwendig. Der wird im Krankenhaus vorgenommen. Im Klinikum Görlitz erfolgen die Tests vor der Aufnahme und während des Aufenthalts. Die Sprecherin verweist darauf, dass es dabei keine Rolle spielt, ob der Patient operiert wird oder eine andere Behandlung erhält. In Rothenburg erhält jeder Patient vor der stationären Aufnahme einen POC-Antigen-Test.

Das Emmaus Krankenhaus Niesky ist eine Einrichtung der Diakonissenanstalt Dresden.
Das Emmaus Krankenhaus Niesky ist eine Einrichtung der Diakonissenanstalt Dresden. © André Schulze

Was Krankenhäuser raten

Operationen werden niemals ohne Grund durchgeführt – es gibt also immer einen medizinischen Anlass. Der definiert den Zeitpunkt eines Eingriffes. Wird eine Krankheit verschleppt, können die Heilungschancen niedriger sein. "Das Risiko hingegen, sich im Krankenhaus zu infizieren, ist geringer als in den meisten anderen Lebensbereichen", hebt der Emmaus-Sprecher hervor.

Mit einer OP abwarten - in den meisten Fällen sei dies eine schlechte Entscheidung, wie Katja Pietsch aus Erfahrungen im Klinikum betont. Bei medizinischen Notfällen ist Warten ohnehin keine Option. Zum Beispiel bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten kann Abwarten lebensgefährlich sein. "Grundsätzlich gilt: Je eher eine Behandlung eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, Folgeschäden zu vermeiden", so die Sprecherin. Stephanie Hänsch verweist darauf, dass sich Patienten bei Bedarf unbedingt beim Haus- oder Facharzt vorstellen sollten, damit beurteilt werden kann, wie dringlich eine Behandlung oder ein Eingriff sind.

Außerdem gibt Jana-Cordelia Petzold zu bedenken: Die getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen in den Krankenhäusern, der Impfstatus der Bevölkerung und die Zahl der Genesenen begründen aktuell keine OP-Verschiebungen aus Pandemiegründen.

Das Krankenhaus Weißwasser.
Das Krankenhaus Weißwasser. © Joachim Rehle

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