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Wespenangriff: Wie es dem Görlitzer Wirt jetzt geht

Müslüm Güneri wollte nur die Tür zu seinem Restaurant öffnen. Aber dahinter hatte sich jemand anderes eingerichtet. Die Sache endete im Krankenhaus.

Müslüm Güneri vor Eingangstreppe zum ehemaligen Schlesischen Tor in Görlitz. Inzwischen geht es ihm wieder besser.
Müslüm Güneri vor Eingangstreppe zum ehemaligen Schlesischen Tor in Görlitz. Inzwischen geht es ihm wieder besser. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Schwellung am Hinterkopf ist noch immer nicht ganz abgeklungen. Mehrere Wespen hatten Müslüm Güneri vor einer Woche direkt in den Kopf gestochen. Auch am Ellenbogen und im Gesicht sind noch einzelne Stiche zu erkennen.

Vor einer Woche sorgte ein Hubschrauber-Einsatz an der Lutherstraße für Aufsehen: Nach dem Wespenangriff musste der Gastronom sogar ins Krankenhaus. Ein sehr unglücklicher Zufall. Müslüm Güneri ist der neue Inhaber des früheren Restaurants "Schlesisches Tor" an der Lutherstraße. Vorigen Oktober wollte er eigentlich neu öffnen. Aber die Coronapandemie, die vorigen Herbst im Kreis heftig Fahrt aufnahm, machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

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Die Reste des zerstörten Wespennestes liegen noch neben der Eingangstreppe zum Schlesischen Tor.
Die Reste des zerstörten Wespennestes liegen noch neben der Eingangstreppe zum Schlesischen Tor. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Vier Wochen reichten den Wespen zum Bau

Trotzdem ist Müslüm Güneri regelmäßig vor Ort, für Vorbereitungen und zur Kontrolle des Gebäudes. "Rund vier Wochen war ich nicht da", erzählt er. Von einem Wespennest war da noch keine Spur. Vorige Woche nun hatte er einen geschäftlichen Termin an der Lutherstraße. Seine Bekannten, seine Frau und sein kleines Kind standen vor der Tür, als Müslüm Güneri sie öffnete - nach innen - und ihm ein Wespennest vor die Füße fiel. Vielleicht 40 Zentimeter im Durchmesser.

Direkt oben in der Mitte der zweiflügligen Tür hatten die Wespen an der Decke ihr Nest gebaut. "Sie sind sofort auf mich drauf geflogen", erzählt Müslim Güneri. Vor allem auf seinen Kopf. Die Personen, die hinter ihm standen, ließen sie dagegen links liegen. "Ich bin so schnell ich konnte weggerannt." Eine Jacke trug er, mit der er versuchte sich zu schützen.

Die Spuren des Wespennestes sind noch an der Decke zu erkennen, das zerstörte Nest liegt neben dem Eingang. "Die Rettungskräfte kamen ganz schnell", sagt Müslüm Güneri, auch die Feuerwehr, die dem Schwarm den Garaus machte.

Nach Stichen: Kopfschmerzen, Übelkeit

Über die schnelle Hilfe durch den Rettungsdienst ist Mülsüm Güneri dankbar. "Es ging mir wirklich nicht gut", sagt er. Starke Übelkeit, Kopfschmerzen. Noch vor Ort wurde eine Kanüle für Medikamente gelegt, im Krankenhaus wurden Herz und Kreislauf kontrolliert. Nach einigen Stunden konnte er nach Hause. Er versuchte sich abzulenken, ging in seinen Imbiss in Bernstadt. "Aber die erste Nacht konnte ich nicht schlafen. Ich habe nur gekühlt, gekühlt, gekühlt."

Es sind zwar seltene Fälle, aber solche Unglücke haben schon zum Tod geführt. Aufgrund etwa eines anaphylaktischen Schocks, erklärt Roland Schultz, Sammlungsmanager und Entomologe am Seckenberg-Museum in Görlitz. Sein Fachgebiet sind Ameisen. Regelmäßig ist er auf Insektensuche, erzählt er. Dabei sei es ihm auch schon passiert, dass er Wespen aufstörte. "Die greifen dann natürlich an. Die Menschen reagieren unterschiedlich darauf. Aber schmerzhaft ist es allemal."

Bienen noch gefährlicher

Dabei habe Müslüm Güneri noch Glück im Unglück gehabt. "Wespen haben keine Widerhaken. Bienen dagegen reißen sich regelrecht ihren Stechapparat raus und pumpen höhere Dosen Gift rein, wenn sie zustechen."

Warum die Wespen sich überhaupt mitten im Sommer ein Nest in dem Restaurant gebaut haben, bleibt unklar. Womöglich ist ihr eigentliches Heim ebenfalls zerstört worden.

"Wespen sind Völker mit einem einjährigen Lebenszyklus", erklärt Roland Schultz. Den Winter überleben nur die begatteten Weibchen - die künftigen, jungen Königinnen. Im Frühjahr suchen diese sich einen geschützen Ort, um ein Nest zu errichten. Je mehr Larven - Arbeiterinnen - schlüpfen, umso schneller geht es voran. "Im August erreicht das Volk seine größte Stärke", erklärt Schultz, "die Wespen suchen am meisten Futter. Nicht jedes Jahr fällt es auf, aber meistens merkt man das ja auch in den Bäckereien."

Rat vom Experten: Weglaufen

Noch ist gutes Wetter, aber im September nimmt die Stärke langsam wieder ab, "wenn es dann deutlich kälter wird, sterben die Völker ab." Mutwillig zerstören darf man die Nester und damit die Insekten nicht, als wildlebende Tiere sind Wespen nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

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Wenn einem ein Unglück wie Müslüm Güneri passiert, rät auch Schultz zum Weglaufen. "Die Wespen bekommen natürlich mit, wer sie da gestört hat und greifen an. " Herausforderung: trotz allen Schreck dennoch ruhig zu bleiben, um für den Fall der Fälle den Kreislauf niedrig zu halten.

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