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In Zoblitz sind die Hasen los

Hildegard Röhle und ihre Tochter Monika Kirschner waren Leiterinnen des ehemaligen Kindergartens. Das Basteln macht ihnen heute noch viel Freude.

Hildegard Röhle (sitzend) ist – man glaubt es kaum – 93 Jahre. Zusammen mit ihrer Tochter Monika Kirschner hat sie jetzt Osterkörbchen für eine Kita gebastelt. Frau Kirschner baute die Osterhasengruppe.
Hildegard Röhle (sitzend) ist – man glaubt es kaum – 93 Jahre. Zusammen mit ihrer Tochter Monika Kirschner hat sie jetzt Osterkörbchen für eine Kita gebastelt. Frau Kirschner baute die Osterhasengruppe. © Constanze Junghanß

Herr Hase trägt rote Gummistiefel, ein Hemd und ein Schleifchen ums Ohr. Für die Hasenkinder hat Monika Kirschner Baby-Strampler aus DDR-Zeiten zum Anziehen genommen. Die Zoblitzerin bastelt und verschönert für ihr Leben gern. Familie Hase sitzt nun schick herausgeputzt an einem Ende der Dorfstraße. Wenn Leute vorbeikommen, so wie am Montagnachmittag zwei Reiter hoch zu Ross vom Pferdehof nebenan, wird selbstverständlich geschaut und gestaunt.

Die Osterhasengruppe ist schließlich ein Hingucker. Auch zu anderen Anlässen wie dem Weihnachtsfest dekoriert sie alles schick. Zu Ostern sind selbstverständlich die Hasen dran. Nicht zum ersten Mal baute Frau Kirschner so eine Gruppe. Einmal sei eins der so entstandenen Langohren verschwunden – vermutlich geklaut. Das sei aber schon längere Zeit her und hielt sie nicht davon ab, weiter zu basteln. Schließlich halte Kreativität Geist und Seele zusammen.

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Gearbeitet hat Monika Kirschner an den neuen Hasenfiguren eine ganze Weile. „Mit Draht wurden sie in Form gebracht, mit Holz stabilisiert“, sagt sie. Jedes kleinste Detail bis hin zu den Augen entstand in Handarbeit. Nun sitzen die drei Hasen in Menschengröße auf der Bank. Die Bekleidung haben Freunde und Bekannte gesponsert, das Heu der Nachbar, wie Monika Kirschner erzählt. Schließlich werde Zusammenhalt auf dem Dorf groß geschrieben. Dass die 68-Jährige so gern gestaltet hängt vor allem mit ihrer ehemaligen Arbeit zusammen.

Monika Kirschner war Kindergärtnerin in Zoblitz und trat damit in die Fußstapfen ihrer Mutter Hildegard Röhle, die vor ihr die Kita leitete. „Wir hatten zu DDR-Zeiten einen eigenen Kindergarten mit Sportplatz und Schwimmbad in unserem Dorf“, sagt Monika Kirschner. Errichtet hatten das Lehrschwimmbecken die Eltern, wie sie sich erinnert. Da brachte die heute 93-jährige Frau Röhle vor vielen Jahrzehnten den Kindern das Schwimmen bei. Eine eigene Küche gab es, gekocht wurde mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Eine schöne Zeit sei das gewesen, erzählt Monika Kirschner. „Im Sommer badeten unsere Kindergartenkinder im kleinen Teich, meine Mutter fuhr sie sogar mit dem Boot über das Wasser“, berichtet die Zoblitzerin.

Das ist alles längst Geschichte. In den 90er Jahren wurde das ehemals zu Löbau gehörende Dorf Zoblitz nach Reichenbach eingemeindet. Nach der Wende zog die Jugend weg aus dem Dorf, damit fehlten die Kinder. Der Kindergarten schloss und ist heute ein Wohnhaus. Die Erinnerungen jedoch bleiben – und damit auch die Freude an kreativem Gestalten. Viel sei früher in Handarbeit entstanden, verbunden mit Einfallsreichtum und Liebe zum Detail. So ganz lassen die beiden Frauen auch die Erinnerungen nicht los und wollen noch heute davon einiges weitergeben. Sie bastelten jetzt gemeinsam an einem Wochenende mehr als 60 Osterkörbchen für den Meuselwitzer Kindergarten. Da ist Monika Kirschner Lesepatin.

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