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Pfarrer Wiesener lüftet Ostern ein Geheimnis

Seit Jahren wird die St. Johanneskirche saniert. Einst war sie nach 30 Jahren Krieg als "Trostbuch" errichtet worden. Nun haben Restauratoren wieder Schätze gerettet.

Mehr als eine Million Euro wurde in den letzten Jahren in die Sanierung der Kirche investiert.
Mehr als eine Million Euro wurde in den letzten Jahren in die Sanierung der Kirche investiert. © Constanze Junghanß

„Die Kirche bleibt zu Ostern offen.“ Resolut sagt das Pfarrer Christoph Wiesener, da gilt eigentlich noch der Beschluss von Dienstagnacht, dass die Kirchen zu Ostern auf virtuelle Gottesdienste umstellen sollen. Doch spätestens seit Mittwochvormittag ist das wieder vom Tisch, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die verlängerte Osterruhe zum Brechen der dritten Corona-Welle zurückgenommen.

Trotzdem bleiben Corona-Einschränkungen auch über das höchste Fest der Christenheit gültig. Trotzdem sind die Aussichten von Pfarrer Christoph Wiesener gestiegen, seine Pläne zu Ostern umzusetzen.

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Pfarrer Christoph Wiesener will die Kirche offen halten, der Altar soll enthüllt werden.
Pfarrer Christoph Wiesener will die Kirche offen halten, der Altar soll enthüllt werden.

Dann sollen erneut „Geheimnisse“ in Reichenbach gelüftet werden, die die altehrwürdige Kirche verbirgt und die ans Licht geholt wurden. So ist der Altar derzeit noch mit weißem Tuch verhüllt. Die Hülle wird fallen. Der Altar wurde restauriert. Auch ein weiterer Teil der Schattenwurf-Malerei ist fertiggestellt. Der übergroße „Schatten“ spiegelt den Altar wider. Diese rötliche Malerei war mehr als 100 Jahre von Farbschichten verdeckt. Allein auf der Ostwand der Kirche sind das etwa 70 Quadratmeter Fläche, die freigelegt wurden. Das Gerüst ist nun nach fast zwei Jahren verschwunden. Nur noch der Sockelbereich wartet auf die Fortführung der restlichen Arbeiten.

Seit Jahren sind die Restauratoren in der St. Johanneskirche am Werke und retten historische Schätze. Die Orgel, die Kanzel, Epitaphe, Beichtstuhl, Ratsherren- und weitere Logen erstrahlen in neuem Glanz. Seit 2014 wurden für diese Arbeiten mehr als eine Millionen Euro investiert. Gelder dafür gab es von Freistaat, Bund, Denkmalpflege – aber auch von privaten Spendern, Kirchbauverein und dem Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Pfarrer Wiesener sieht darin, dass es auf breiter Ebene eine hohe Wertschätzung für die stileinheitlich erhaltene Kirche - die zwischen 1670 bis 1674 nach dem verheerenden Stadtbrand wieder errichtet wurde - gibt.

Die St. Johanneskirche sei „ein großes Trostbuch“, wie Christoph Wiesener berichtet. Der Trost sollte der Bevölkerung nach dem Dreißigjährigen Krieg und dem dramatischen Stadtbrand vor 350 Jahren in Form einer besonders üppig ausgestalteten Kirche geboten werden, in der die demoralisierte Bevölkerung wieder Hoffnung findet.

Die Schattenwandmalereien wurden freigelegt, der Altar restauriert. Noch ist der Altar verhüllt.
Die Schattenwandmalereien wurden freigelegt, der Altar restauriert. Noch ist der Altar verhüllt. © Constanze Junghanß

Und heute? Suchen da auch die Menschen verstärkt Zuspruch angesichts schwerer Zeiten? Für Pfarrer Wiesener hat sich die Arbeit angesichts der Pandemie ein stückweit geändert. Pfarrer ist nicht nur eine Berufung, um Gottesdienste durchzuführen. Taufen gehören dazu, Beerdigungen, Seelsorge und eben Trost spenden. Christoph Wiesener schätzt ein, dass es schwieriger geworden sei, Trauernde zu trösten und dabei gleichzeitig die Distanz zu wahren.

Abstand halten müssen zu denen, die diese Nähe vielleicht aufgrund des Verlustes eines geliebten Menschen so sehr brauchen, sei nicht einfach. Auch mit der Mimik sei das problematisch. Christoph Wiesener trägt bei all seinen Gesprächen die FFP2-Maske. Jeder, der ins Pfarrhaus kommt, desinfiziert die Hände. Zwischen den Kirchenbankreihen baumeln lilafarbene Schleifen an Bändern als Abstandshalter. Die Gottesdienste, die stattfanden, wurden auf 30 Minuten verkürzt. Gerade die Älteren würden sich weniger in die Kirche trauen – aus Sorge vor einer Infektion mit dem Virus.

Pfarrer Wiesener blickt trotzdem nach vorn. Begeistert zeigt er im Gotteshaus, wie schön die Kirche im Laufe der letzten Jahre und Monate geworden ist. In wenigen Tagen gehört das Herzstück – der restaurierte Altar – mit dazu. Dann fällt die weiße Hülle. Ostern als Fest des Aufbruchs kann kommen.

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