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Der Feind in meinem Beet

Henryk Altmann ist mit Leib und Seele Gärtner in Görlitz. Doch im Moment kämpft er einen schweren Kampf gegen den Buchsbaumzünsler.

Stadtgärtner Henryk Altmann hat dem Buchsbaumzünsler den Kampf angesagt.
Stadtgärtner Henryk Altmann hat dem Buchsbaumzünsler den Kampf angesagt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Henryk Altmann hat ihn in diesem Jahr schon mehrfach gesichtet: den Buchsbaumzünsler. Oder viel eher die Raupen dieses aus Ostasien eingeschleppten Falters. Seit wenigen Jahren frisst sich der Buchsbaumzünsler auch durch Görlitzer Buchsbäume.

Man müsse schon genau hinschauen, um die kleine Raupe zu entdecken, sagt der Görlitzer Stadtgärtner und erklärt weiter: Jetzt sind die ersten Raupen aus den Eiern geschlüpft. Kaum einen Zentimeter groß sind sie und nur bei guter Beobachtung in den eingerollten Buchsbaumblättern zu sehen. Doch schon bald wird die Raupe kaum zu übersehen sein. Sie frisst die Buchsbaumblätter und wächst. Bis zu fünf Zentimeter ist sie lang, bevor sie sich verpuppt. Aus dem Kokon schlüpft schon bald ein neuer Falter - und der Zyklus beginnt von vorn.

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Die junge Raupe des Buchsbaumzünslers ist etwa einen Zentimeter lang.
Die junge Raupe des Buchsbaumzünslers ist etwa einen Zentimeter lang. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Im Vorjahr fünf Generationen des Schädlings gehabt

So weit wollen es Altmann und seine Kollegen gar nicht kommen lassen. Deswegen schauen die Stadtgärtner seit wenigen Wochen ganz genau auf die Buchsbäume in den Görlitzer Anlagen. "Wir hatten im Vorjahr ein großes Problem mit dem Buchsbaumzünsler", erklärt er. Fünf Generationen des Falters gab es in Görlitz, die Bemühungen der Stadtgärtner reichten nicht aus, um den Schädling ganz zu beseitigen.

Denn aus den überwinterten Eiern auf den Buchsbaumblättern schlüpfen jetzt die Raupen. Hier hilft nur die hartnäckige Bekämpfung über ein Spritzmittel. Hobbygärtnern stehen noch andere Methoden zur Verfügung, auf die die Stadtgärtner nicht zurückgreifen können, darunter das Absammeln der Raupen oder deren Abspritzen vom Buchsbaum mittels Wasser und Hochdruck. Bei letzterer Methode dürften die Hobbygärtner nicht vergessen, die abgespritzten Raupen einzusammeln, ansonsten kriechen sie zurück in den Buchsbaum, rät Henryk Altmann.

Damit es möglichst keine zweite Generation der Falter gibt, hängten die Stadtgärtner in der Nähe der Buchsbäume Pheromonfallen auf. Diese locken über bestimmte Duftstoffe die männlichen Falter an. Diese bleiben in der Falle kleben und können sich so nicht vermehren.

Den Traumberuf gefunden

Für Henryk Altmann ist der Buchsbaumzünsler derzeit das größte Problem im Schädlingsbefall auf städtischen Anlagen, das er lösen möchte. Seit April 2020 arbeitet der 34-Jährige aus Leuba im Görlitzer Betriebshof in der Abteilung Grünanlagenunterhaltung. Nach sieben Jahren in Baden-Württemberg zog es ihn, seine Frau und die beiden Kinder in die Heimat zurück. Sie hatten wohl schon eine Weile damit geliebäugelt, denn als sein Vater in Leuba eine Wohnung flieste, befand Henryk Altmann diese Wohnung für so schön, dass er unbedingt einziehen wollte. Seine Frau, die aus Ebersbach im Oberland stammt, hatte nichts dagegen - also gesagt, getan.

Mittlerweile fühlt sich Henryk Altmann angekommen. In der Heimat und in seinem Beruf. "Ich wollte schon lange Gärtner werden", sagt er, "das ist mein Traumberuf." Einer Lehre in Kiesdorf folgte dann aber mangels Übernahme in ein Arbeitsverhältnis die "Auswanderung" nach Baden-Württemberg. Bereut hat der 34-Jährige diese Zeit nicht. "Ich habe dort sehr viel gelernt", erklärt er. Bevor Henryk Altmann in der Görlitzer Stadtgärtnerei anfing, hatte er gerade erst eine weitere Fortbildung im Pflanzenschutz absolviert.

Dieser Buchsbaum in der Ochsenbastei hat es schwer, die Raupen des Buchsbaumzünslers schädigten die Pflanze sehr. Doch sie treibt wieder aus.
Dieser Buchsbaum in der Ochsenbastei hat es schwer, die Raupen des Buchsbaumzünslers schädigten die Pflanze sehr. Doch sie treibt wieder aus. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Spritzmittel sparsam verwenden

Dabei ist der Mann aus Leuba sehr froh, dass die Görlitzer Anlagen, die die Stadtgärtner pflegen, mit Schädlingen wenig Probleme haben. Lediglich der Buchsbaumzünsler sorgt für Ärger. Mitunter treten mal verstärkt Läuse auf, aber da gibt es von den Stadtgärtnern eine "Wasserbehandlung". Um die Blattläuse auf den Rosen kümmern sich die Marienkäfer, "denn wir wollen nicht überall gleich Spritzmittel anwenden", erklärt Altmann. So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig sei die Devise. Das gelte für alle städtischen Grünanlagen, auf die die Stadtgärtner ein Auge haben.

Einige Jahre vor Altmanns Zeit bei der Görlitzer Stadtgärtnerei gab es in der Ochsenbastei einen Pilzbefall an den Buchsbäumen. Viele starben ab. Seither macht der Buchsbaum nur noch einen geringen Anteil in den Ornamentbeeten aus. In der Mitte der Ornamentbeete schlängelt sich Edelgamander. Begrenzt werden die Beete von Euonymus, einem Spindelstrauch. Einigen älteren Buchsbäumen in der Ochsenbastei dagegen hatte der Buchsbaumzünsler zu schaffen gemacht, mittlerweile treiben die meisten aber wieder aus.

Seit vor ein paar Jahren ein Pilz den meisten Buchsbaumpflanzen in den Ornamentbeeten der Ochsenbastei den Garaus gemacht hatte, wachsen hier auch andere Pflanzen, teils zum Verwechseln ähnlich.
Seit vor ein paar Jahren ein Pilz den meisten Buchsbaumpflanzen in den Ornamentbeeten der Ochsenbastei den Garaus gemacht hatte, wachsen hier auch andere Pflanzen, teils zum Verwechseln ähnlich. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Zu Hause wird japanisch gegärtnert

Das freut Henryk Altmann besonders. Oft höre er von Hobbygärtnern, dass sie Pflanzen mit Schädlingsbefall entsorgen. Für ihn sei aber gerade das die gärtnerische Herausforderung, die Schädlinge zu beseitigen und der Pflanze weiteres Wachstum zu ermöglichen. Er freut sich, wenn alles wächst und gedeiht. Zwar sei der Beruf des Gärtners anstrengend, aber eben auch sein Traumberuf. "Er ist so abwechslungsreich, vielfältig und man sieht jeden Tag, was man gemacht hat. Und man ist täglich draußen. Mir macht der Beruf sehr viel Spaß", sagt Henryk Altmann. Der 34-Jährige ist überzeugt, dass er bis zur Rente in diesem Beruf arbeiten will.

Den Spaß zum Gärtnern lebt Altmann auch zu Hause aus. Er zieht Bonsai-Pflanzen. Diese japanische Variante einer alten fernöstlichen Art der Gartenkunst, bei der Sträucher und Bäume in kleinen Gefäßen oder auch im Freiland zur Wuchsbegrenzung gezogen und ästhetisch geformt werden, ist sein Steckenpferd geworden.

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