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Was die Görlitzer Podcasts der Welt erzählen

Woanders längst etabliert und beliebt, kommen inzwischen auch aus Görlitz diverse Hörbeiträge zu unterschiedlichsten Themen, zum Beispiel von Siemens.

Karolin Gröschl (re.) und Tabea Braun von der Leucht One GmbH betreiben auf dem Siemensgelände in Görlitz einen Podcast.
Karolin Gröschl (re.) und Tabea Braun von der Leucht One GmbH betreiben auf dem Siemensgelände in Görlitz einen Podcast. © Martin Schneider

Podcast. Nein, nicht jeder weiß in Görlitz mit diesem Begriff etwas anzufangen. Auch nicht jeder unter 50 oder 40. Und doch erobern sie auch an der Neiße allmählich die mediale Welt. Anderswo sind die kleinen Hörstücke schon normal, man hört sie im Auto, beim Essen, beim Putzen.

Für Karolin Gröschl etwa sind sie längst nichts Neues mehr. Die 31-jährige Berlinerin arbeitet seit einigen Monaten auf dem Siemens-Campus in Görlitz, wo es den sogenannten ENERGY CoWorking Space gibt – ein Ort, an dem sich immer mehr Unternehmen und Start-ups ansiedeln. Das Besondere dabei: Die Räume stehen allen zur Verfügung. Und hier steht auch der lange Rolltisch, an dem Karolin Gröschl mit Christoph Scholze – bislang Innovationsmanager bei Siemens und bald auch mit einer eigenen Firma im CoWorking Space ansässig – Podcasts aufnimmt. Dazu wird die Technik einfach auf den Tisch gestellt oder angebracht und los gehts.

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Typisch für alle Görlitzer Podcasts: Es werden immer Gäste eingeladen. Im Fall von „bomforzionös“, so heißt der Siemens-Podcast, war der erste Gast die Görlitzer EGZ-Chefin und Wirtschaftsförderin Andrea F. Behr. Nächster Gast des Podcasts, der etwa im vierwöchigen Rhythmus erscheint, soll der Rektor der Hochschule Zittau-Görlitz, Alexander Kratzsch, sein. „Inhaltlich geht es um den Strukturwandel, Innovation, die Wirtschaft und weitere Themen rings um die Oberlausitz, aufbereitet in einem lockeren Gespräch zwischen uns und unseren Gästen, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen“, erklärt Karolin Gröschl. Damit möchte Siemens seinen Innovationscampus noch bekannter machen, sich nach außen hin öffnen. Auch ein Video gab es zum Podcast-Start, damit erklärt es sich einfacher, was der Podcast oder was CoWorking Space ist.

2.000 Klicks - ein unerwarteter Erfolg

„In Berlin sind Podcasts schon ganz normal“, sagt Karolin Gröschl, die selber gern welche hört. Unter einer Stunde sind die in der Regel nicht. Für den Anfang in Görlitz ist das vielleicht erstmal ein bisschen viel, deshalb halten sie und ihre Kollegen den „bomforzionös“-Podcast kürzer. Die erste Folge dauert um die 20 Minuten und hat beachtliche 2.000 Klicks bislang. Ein Erfolg, mit dem Karolin Gröschl und ihre Kollegin Tabea Braun nicht gerechnet haben. Die zweite Folge erreichte bislang 850 Hörer.

Das kann CDU-Politiker Florian Oest noch überbieten – mit monatlich 3.000 bis 4.000 Klicks. Aber er hat sich für die ersten Folgen seines seit November 2020 laufenden Podcasts „Anstoß“ auch sehr prominente Unterstützung geholt: Sportreporter Waldemar Hartmann. Vor zwei, drei Jahren hatte er ihn kennengelernt und als er ihn fragte, ob er mit ihm ans Podcast-Mikro treten würde, war Hartmann bereit. Streitgespräche sind es in erster Linie, die Oest seinen Hörern anbietet – über ernste Themen wie Strukturwandel oder Infrastruktur, aber wenn ein Waldemar Hartmann mit von der Partie ist, ging es schon auch mal um Fußball.

Waldemar Hartmann mit CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 bei einer Europawahlkampfveranstaltung der CDU in der Görlitzer Kulturbrauerei. Auch der junge CDU-Politiker Florian Oest schloss Bekanntschaft mit Hartmann, der letztlich sogar Co-Mode
Waldemar Hartmann mit CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 bei einer Europawahlkampfveranstaltung der CDU in der Görlitzer Kulturbrauerei. Auch der junge CDU-Politiker Florian Oest schloss Bekanntschaft mit Hartmann, der letztlich sogar Co-Mode © nikolaischmidt.de

Podcast aus der Corona-Not heraus geboren

Die weiteren Sendungen bestritt Oest dann mit dem Kreisschülerrat oder der Vorsitzenden der Kreishandwerkerschaft – dann natürlich vor allem zu deren Sorgen und Nöten. Einen Podcast zu machen entsprang vor allem den kontaktarmen Zeiten des zweiten Corona-Lockdowns, inzwischen ist der junge Görlitzer CDU-Politiker lieber wieder persönlich unterwegs, um mit den Menschen zu sprechen. Der Podcast soll fortgeführt werden, vermutlich aber nicht mehr in der Intensität wie bisher.

Richtig viel Podcast-Erfahrung haben schon die jungen Leute von der Görlitzer Rabryka. Hier gab es schon drei Podcast-Formate, wie Robert Gröschel erzählt, dessen „Baby“ der Handwerker-Podcast „Wer macht denn sowas?“ ist. Den gibt es schon seit 2020. Hier geht es in 30- bis 60-minütigen Beiträgen darum, verschiedene Gewerke vorzustellen. Dafür werden verschiedene Personen aus dem Handwerk eingeladen – oder auch vor Ort in der Firma besucht. Technisch ist das alles kein Problem, denn viel braucht es nicht, um einen Podcast aufzunehmen. Nicht mehr aktiv, aber dennoch zu hören ist der Rabryka-Podcast „Banal & Banane“ und der „Rabry-Talk.“

Klinikum seit April mit Podcasts dabei

Seit April wendet sich auch das Städtische Klinikum in Görlitz per Podcast an die Menschen. „Diagnose Wissen“ heißt er und ist gewissermaßen auch eine Folge von Corona. Sprecherin Katja Pietsch: „Auch wir mussten uns etwas einfallen lassen, da wir auf Grund der coronabedingten Einschränkungen kaum noch Patientenveranstaltungen durchführen konnten, aber die Informationen ja geben möchten.“ Corona war auch Thema des ersten Podcasts - "Was macht Corona mit unserer Seele" hieß er. Die Länge der Sendungen variiert zwischen 15 und höchstens 30 Minuten. Der nächste Podcast kommt an diesem Freitag. Vorgestellt wird ein neues Angebot im Klinikum, das sich an Eltern mit einer psychischen Erkrankung richtet. „Wir sprechen darüber, was es für Eltern und Kinder bedeutet, mit einer psychischen Erkrankung zu leben“, so Katja Pietsch.

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