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Görlitzer Ex-OB Lechner wird heute 70

Er war der erste Oberbürgermeister nach der politischen Revolution, prägte den Neustart in den 1990er Jahren. Seine Abwahl riss Wunden bis heute.

Matthias Lechner war der erste Oberbürgermeister der Stadt nach der Friedlichen Revolution.
Matthias Lechner war der erste Oberbürgermeister der Stadt nach der Friedlichen Revolution. © SZ/Christian Suhrbier

Nichts symbolisiert den Bruch so sehr, wie das öffentliche Schweigen an diesem Freitag. Matthias Lechner, der erste 1990 nach über 60 Jahren frei gewählte Oberbürgermeister von Görlitz, begeht seinen 70. Geburtstag - und das politische Görlitz nimmt daran keinen Anteil.

Dass Matthias Lechners OB-Amtszeit bereits Geschichte geworden ist, wurde auch vor einigen Jahren bei einer stadtgeschichtlichen Ausstellung im Görlitzer Kaisertrutz deutlich.
Dass Matthias Lechners OB-Amtszeit bereits Geschichte geworden ist, wurde auch vor einigen Jahren bei einer stadtgeschichtlichen Ausstellung im Görlitzer Kaisertrutz deutlich. © Nikolai Schmidt

Wer das verstehen will, muss in die Jahre 1997/98 zurückgehen. Damals spitzte sich die Lage zu: zwischen dem damaligen Oberbürgermeister Matthias Lechner und dem Stadtrat, zwischen ihm und der Stadtgesellschaft, zwischen ihm und seinem Beigeordneten Rainer Neumer, zwischen ihm und dem Freistaat. Am Ende stimmten die Görlitzer über Lechner ab und versagten ihm, weiter als Rathauschef zu amtieren.

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Das kam einem politischen Erdbeben im Freistaat gleich, dessen Ausschläge noch heute in der Görlitzer Stadtpolitik zu spüren sind. Und sei es eben an Lechners Geburtstag. Lechner ist nicht ganz unschuldig an dieser Lage, hat selbst manche Brücken in den vergangenen Jahren aus Verletztheit hinter sich abgebrochen. Aber die Stadtgesellschaft hat es ihm auch leicht gemacht.

Das spiegelt sich auch in den bislang vergeblichen Versuchen Lechners wider, die verurteilten Aufsichtsräte der früheren Görlitzer Stadtreinigung und deren Geschäftsführer Hartmut Gottschling zu rehabilitieren. In minutiöser Kleinarbeit hat Lechner die Umstände des Verkaufs der Deponie Kunnersdorf, die im Mittelpunkt des Stadtreinigungs-Eklat stand, aufgearbeitet. Er kniete sich auch deswegen so in diese Aufarbeitung, weil er den frühen Krebstod seines Bruders, einer der Aufsichtsräte, mit den Anschuldigungen bis heute in Verbindung bringt. Gerechtigkeit ist Lechners Antrieb in dieser Frage. So lange sie nicht gegeben ist, schmerzt diese Wunde.

Zugleich ist es aber in höchstem Grade ungerecht, Lechners achtjähriges Wirken als OB auf die letzten Monate seiner Amtszeit zu reduzieren. Als er im Mai 1990 gewählt wurde, übernahm er ein schweres Erbe. Die Stadt fiel zusammen, der Crashkurs der Währungsunion sorgte für knapp 6.000 Arbeitslose im Dezember 1992. Alles musste von Neuem aufgebaut werden. Lechner stürzte sich mit seinem Mehrparteien-Team voller Optimismus in die Arbeit. 30 Jahre danach sind manche Früchte zu sehen: Stadtsanierung und intakte kommunale Unternehmen, eine weitgehend sanierte Infrastruktur. Auch davon könnte an einem solchen Tag die Rede sein.

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