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So plant Görlitz die neue Stadthalle

Der geplante Bau ist noch einmal neu gestaltet worden. Auch sonst gibt es mehr Klarheit für die Sanierung. Das betrifft auch die Kosten.

So sieht die aktuelle Variante für den Stadthallen-Anbau aus.
So sieht die aktuelle Variante für den Stadthallen-Anbau aus. © Stadt Görlitz

Auch wenn momentan Veranstaltungen mit 1.600 Menschen in einem großen Saal nicht möglich sind, so sind unterdessen die Vorplanungen für die Stadthalle weitergegangen. Die Ergebnisse liegen jetzt auf dem Tisch, der Stadthallenausschuss wurde im Februar informiert, der Stadtrat soll ihnen am Donnerstag zustimmen. Anschließend könnte bis Mitte des Jahres die Entwurfsplanung vorliegen, mit der die Stadt dann die Fördergelder bei Land und Bund förmlich beantragen könnte. Beide haben je 18 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Seit April vergangenen Jahres prüft der künftige Betreiber, der städtische Kulturservice zusammen mit dem Stadthallen-Projektmanager Henning Wossidlo, die bisherigen Pläne für die Sanierung der Halle, die 2012 entstanden. Dabei sei der ganze Bau nochmals auf seine Funktionalität betrachtet worden, erklärte Baubürgermeister Michael Wieler jetzt vor Journalisten. Zuletzt ging es noch um den Brandschutz, die Lüftung, die Ausstattung und den Anbau. Manches davon war 2012 dem Rotstift zum Opfer gefallen, anderes war weniger aus der Sicht künftiger Betreiber betrachtet worden, sondern eher aus Kostenerwägungen. Vieles, so sagt Wieler, sei jetzt besser durchdacht und vor allem aus Sicht der Betreibung auch optimiert worden.

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Anbau ist nochmal völlig überarbeitet worden

So sah der Entwurf für den Anbau an der Neißeseite der Stadthalle bislang aus. Er ist jetzt Geschichte.
So sah der Entwurf für den Anbau an der Neißeseite der Stadthalle bislang aus. Er ist jetzt Geschichte. © Vorlage: Stadt Görlitz

Vor allem der Entwurf des Anbaus hatte 2012 die größte Kritik auf sich gezogen. Zu modern, hieß es auf der einen Seite, zu klobig auf der anderen. Manche wünschten sich schon einen Architektenwettbewerb.

Der Anbau soll auf den Parkplatz zur Neiße hin direkt an den historischen Bau der Stadthalle errichtet werden und die Nutzungsmöglichkeiten gerade für Kongresse deutlich erweitern. Bislang sollte er wie auf Stelzen stehen. All das ist nun verändert worden.

Dem Stadtrat liegen verschiedene Varianten vor, aber die Stadt empfiehlt die hier erstmals abgebildete Variante vier. Mit einer großen Glasfassade zur Neiße wird die Sicht nach Polen frei sein, Verschattungen mit fest installierten Horizontallamellen verringern die Sonneneinstrahlung. Eine erwogene Terrassennutzung des Dachs schließt das Landesamt für Denkmalpflege aus, weil dadurch die Sicht auf den Altbau beeinträchtigt ist. Nun soll der Neubau eine Terrasse von 100 Quadratmetern Größe auf Höhe des Parketts im Saal auf der Südseite erhalten. Insgesamt werden die Kosten für den Anbau jetzt auf fünf Millionen Euro geschätzt, das sind rund 1,4 Millionen Euro mehr als noch vor acht Jahren.

Zugang zum Kleinen Saal künftig über den Garten

Aber auch die Pläne für die historische Stadthalle haben sich etwas verändert. Der Zugang zum Kleinen Saal, bislang immer über die Parkseite der Halle, soll künftig über den Stadthallengarten und die frühere Gaststätte erfolgen. Dort befindet sich dann gleich der Aufzug in den ersten Stock. Feste Ticketschalter, wie es sie früher gleich am Eingang der Stadthalle gab, sind Geschichte - dafür werden nun mobile Empfangstresen geplant. Die früheren Foyers und Garderoben können auch künftig genutzt werden, das war aus Brandschutzgründen noch fraglich.

Für den Großen Saal sind zusätzliche Brandschutz-Maßnahmen am Dachtragwerk nötig, damit im Falle eines Brandes das Dach mindestens so lange durchhält, bis die Besucher den Saal verlassen können. Die Lüftung der Halle wird mit einer Kühlung verbunden, ansonsten würden Temperaturen von bis zu 32 Grad erreicht. Sie kostet 913.000 Euro.

Auch wenn die Stadthalle keine Vollküche erhalten wird, sollen doch die Caterer den üblichen Standard einer modernen Küche mit Kühlzellen, Spülen, und Kombidämpfern vorfinden. Das kostet 205.000 Euro mehr.

Teure Ausstattung - finanziell noch nicht sicher

Bei Ausstattung, Licht- und Tontechnik regierte 2012 der Rotstift oder die Annahme, dass die Künstler ihre eigene Technik mitbringen. Nun soll die Stadthalle wenigstens eine Grundausstattung erhalten. Macht zusammen drei Millionen Euro Mehrausgaben.

Alles zusammen rechnet die Stadt Görlitz nun mit Baukosten in Höhe von knapp 43 Millionen Euro. Mit den Fördermitteln von Bund und Land sowie den Eigenmitteln sind 40 Millionen Euro abgedeckt. Die Stadt hofft nun darauf, dass das Finanzamt ihr ein Vorsteuerrecht einräumt. Dadurch würde aus den 40 Millionen Euro eine Nettosumme, die brutto deutlich höher liegt. So könnten die drei Millionen Euro gedeckt werden.

Im Gegenzug müsste der Betreiber der Stadthalle künftig von allen Mietern die volle Miete verlangen. Die Stadt wiederum könnte erwünschte Veranstaltungen wie Abschlussbälle, Vereinsgalas oder mehr durch einen Zuschuss aus dem städtischen Haushalt fördern.

Macht die Finanzverwaltung diesen Weg nicht frei, so bleibt aus Sicht des Rathauses nur ein Ausweg: erneut bei der technischen Ausstattung oder Möblierung zu sparen.

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