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Görlitzer Südstadt organisiert Ampelprotest

Am Südausgang des Bahnhofs wird es schnell gefährlich. Monatelang half jetzt dort eine Ampel den Fußgängern. Die ist weg. Darüber ärgern sich viele.

Kinder demonstrieren am Görlitzer Südausgang für eine dauerhafte Ampel an dieser Stelle.
Kinder demonstrieren am Görlitzer Südausgang für eine dauerhafte Ampel an dieser Stelle. © Bürgerrat

Seit Dienstag rollt der Verkehr über die Biesnitzer Straße wieder. Was viele freut, ist für manche mit einem neuen und doch alten Problem verbunden. 

Denn mit der Freigabe der B 99 in Görlitz entfällt der Umleitungsverkehr über Lutherstraße, Melanchthon- und Sattigstraße. Um den Fußgängern am Görlitzer Südausgang des Bahnhofs trotzdem einen sicheren Überweg über die Straße zu bieten, war eine Ampel aufgestellt worden. Am Mittwoch wurde sie abgebaut.

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Das wiederum ärgert viele Einwohner in der Görlitzer Südstadt, für die der Südausgang des Bahnhofs die schnellste Verbindung ins Zentrum und zurück ist. Die Sattigstraße ist jedoch an dieser Stelle in "Normalzeiten" viel befahren, wenn auch als Tempo-30-Zone ausgeschildert. Die Lage wird nicht dadurch besser, dass hier Autos, Radfahrer, Fußgänger, Straßenbahnen und Busse aufeinandertreffen, Vorfahrtregelungen beachtet werden müssen. Besonders betroffen sind all jene Schüler, die täglich von der Moritz-Böttcher-Grundschule zu ihrem Hort im Paul-Gerhardt-Haus und im benachbarten katholischen Kinderhaus St. Jakobus gehen und dabei auch die Sattigstraße überqueren müssen.

Daher wandte sich bereits Ende Juli der Bürgerrat der Südstadt an den Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. In Abstimmung mit den Kinderhäusern und dem Elternrat der Böttcher-Grundschule machte sich Daniel Breutmann vom Bürgerrat Südstadt darin dafür stark, dass die Ampellösung auch über das Ende der Baustellen im Stadtteil beibehalten wird.

Doch Ursu machte dem Bürgerrat und damit den Südstädtlern kurzfristig wenig Hoffnung auf Erfolg. Zum einen gibt es eben eine Tempo-30-Zone an dieser Stelle. In solchen Gebieten sei eine Lichtsignalanlage "im Regelfall entbehrlich", schrieb Ursu dem Bürgerrat Anfang dieser Woche. Nur in besonders hervorgehobenen Fällen würden in Tempo-30-Zonen Ampeln errichtet. "Dieser besondere Fall ist durch Fakten zu belegen". Dazu wären Verkehrszählungen nötig, die aber erst nach der Bauzeit und einer weiteren Frist stattfinden können, in der sich der Verkehr wieder normalisiert hat. 

Ein zweites Problem: Für die temporäre Ampel wurde die Straßenbahn-Haltestelle  vom Südausgang auf die Kunnerwitzer Straße verlegt. "Aus heutiger Sicht ist das keine dauerhafte Alternative für den Straßenbahnbetrieb in Görlitz." Bei anderen Lösungen müssten aber auch die Umsteigemöglichkeiten am Südausgang beachtet werden. Schließlich fielen Parkplätze an der Kunnerwitzer Straße wegen der Haltestelle weg.

Und drittens: das leidige Geld. Der Bau einer Ampel könnte schnell  über 100.000 Euro kosten. Im städtischen Haushalt sind diese Mittel nicht vorgesehen.

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Ursu schließt zwar eine Ampel nicht grundsätzlich an dieser Stelle aus, will auch den Bürgerrat über eine mögliche Lösung auf dem Laufenden halten, aber die von ihm angeführten Hürden sind doch ziemlich hoch. So zeigten sich auch der Bürgerrat und die Trägereinrichtungen enttäuscht von der "Abfuhr" durch das Rathaus - und demonstrierten am Mittwochnachmittag trotzdem für eine dauerhafte Ampel am Südausgang - zusammen mit den Betroffenen: Görlitzer Schulkindern. "Nach jahrelangem mühevollen Eintreten für die Sache", sagt Daniel Breutmann, "erhoffen wir uns eine Lösung, die dauerhaft die Sicherheit an Ort und Stelle erhöht".

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