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"Die Kandidatur war ein Herzenswunsch"

Stephan Meyer sagt im SZ-Gespräch, warum er sich die Kandidatur zum Landrat eines Kreises mit riesigen Problemen antut und wer sein größter Widersacher wird.

Stephan Meyer beim Gespräch in der Zittauer SZ-Redaktion.
Stephan Meyer beim Gespräch in der Zittauer SZ-Redaktion. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Oderwitzer Landtagsabgeordnete Stephan Meyer (CDU) strebt an die Spitze des Landkreises Görlitz. Er will sich 2022 zur Wahl um die Nachfolge von Landrat Bernd Lange (CDU) bewerben. Der 39-Jährige aus dem Süden sagt im SZ-Gespräch, warum er antritt, ob ihn auch der Norden unterstützt und welche Vision er für den Landkreis hat: 

Herr Meyer, Sie wurden schon als Minister in Dresden gehandelt. Warum wollen Sie nun Landrat werden?

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Weil ich mich stark mit meiner Heimat der Oberlausitz verbunden fühle. Bereits jetzt bin ich ein großer Fürsprecher meines Wahlkreises in Dresden und schon immer der kommunalen Ebene sehr nahe. Ich suche nicht umsonst den Schulterschluss mit den Bürgermeistern. Sie wissen, was die Menschen vor Ort umtreibt. Das ist die Ebene, auf der Politik konkret wird. 

Ist die Kandidatur Ihr Herzenswunsch oder kommen Sie eher den Bitten der CDU nach?

Ich habe meine politische Zukunft lange in Dresden gesehen. Aber ich sehe mich auch in der Verantwortung für den Landkreis. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigenständig entscheide. Ich habe mich lange mit der Kandidatur beschäftigt. Ich mache nur etwas, wenn mein Herzblut darin steckt. Das tut es. Von daher war es ein Herzenswunsch.

Im Süden des Landkreises sind Sie bekannt und haben sehr gute Wahlergebnisse eingefahren. Werden Sie auch vom Norden unterstützt?

Zugegebenermaßen ist die Kommunikation meiner Kandidatur unglücklich gelaufen. Ich hätte mir gewünscht, vor der Veröffentlichung in der SZ mit dem Kreisvorstand und den Ortsverbänden ins Gespräch kommen zu können. In den letzten Jahren hatte ich mit der CDU im Norden des Landkreises viel Kontakt und wir haben zusammengearbeitet. Ich bin im Vorfeld auch aus dem Norden gefragt worden, ob ich mir die Kandidatur vorstellen könnte, und habe nach der Veröffentlichung und beim Parteitag am 12. September in Görlitz viel Zustimmung aus den nördlichen Ortsverbänden erfahren.

Sind Sie der Wunschkandidat von Amtsinhaber Bernd Lange (CDU)?

Das müssen Sie ihn fragen. Aber er hat so etwas schon öffentlich gesagt. 

Nach der Wende war die Wahl eines CDU-Kandidaten an der Neiße - egal, in welche Position - ein Selbstläufer. Wird das wieder so?

Nein, keine Wahl ist ein Selbstläufer. Das hat man an den zurückliegenden gesehen.

Früher hieß es im Volksmund aber schon, dass die CDU auch einen Besen mit Partei-Aufkleber nominieren könnte und der dann gewählt würde.

Diese Zeiten sind vorbei.

Warum?

Das Parteienspektrum ist breiter und die Menschen sind kritischer geworden. Dazu kommt, dass die Wähler auch Politiker für Entscheidungen, die sie gar nicht getroffen haben, bestrafen. Siehe Flüchtlingskrise 2015. Die Entscheidung ist damals auf Bundesebene und nicht auf Landes- oder kommunaler Ebene gefallen. Die Wahlergebnisse sind aber auf Landes- und kommunaler Ebene schlechter geworden. Auf der anderen Seite ist es auch eine große Chance, dass die CDU auf allen Ebenen Verantwortung trägt. Da besteht ein Netzwerk, das nur wenige politische Mitbewerber haben, und das hilft. 

Hat die CDU den Kontakt zu den "einfachen" Leute verloren?

Nein, ich glaube nicht, dass den die CDU insgesamt verloren hat. Vielleicht einige Politiker, wie auch bei anderen Parteien. Für mich behaupte ich, dass dem nicht so ist.   

Wenn Sie die Wahl gewinnen, würden Sie einen Landkreis mit großen sozialen, wirtschaftlichen und strukturellen Problemen übernehmen. Warum tun Sie sich das an?

Die Probleme sind mir bewusst. Deshalb habe ich ja so lange überlegt. Aber am Ende hat gezählt, dass es jetzt durch den Strukturwandel und das viele Geld des Bundes die große Chance gibt, das zu verändern. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir strukturelle Defizite - wie zum Beispiel die Überalterung der Bevölkerung oder die Grenzlage - finanziell ausgeglichen bekommen. Ich weiß, dass das ein dickes Brett ist, an dem auch Landrat Lange schon lange bohrt. Aber wie gesagt: Ich sehe mich meiner Heimat gegenüber in der Verantwortung und kann meine Kontakte als Landtagsabgeordneter der Regierungspartei einbringen. Außerdem kenne ich das Landratsamt gut. Es stimmt mich positiv, wenn ich sehe, wie viele Menschen, die etwas bewegen wollen und motiviert sind, dort arbeiten. 

Wie sieht die wirtschaftliche Zukunft des Landkreises Görlitz Ihrer Meinung nach aus? Wird er angesichts der vielen neuen Forschungseinrichtungen ein Zentrum für die Forschung? Ein Tourismusgebiet? Oder ein Standort für die Produktion?

Die Forschungseinrichtungen, die wir in den letzten Jahren im Landkreis ansiedeln konnten und noch werden, brauchen lange, um eine Wirkung zu entfalten und sind kein Selbstzweck. Sie sollen ein Defizit unserer Wirtschaft - fehlende Kapazitäten für Forschung und Entwicklung - ausgleichen. Ein Beispiel, bei dem das schon funktioniert, ist das Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz in Zittau. Die Wissenschaftler dort arbeiten inzwischen mit 70 Partnern aus der Region zusammen. Das große Ziel, das dahinter steht, ist, aus den zarten Pflänzchen "Forschungseinrichtungen" große starke Firmen-Bäume zu ziehen. Oder anders ausgedrückt, die Industrialisierung der Region zu erhalten.

Und der Tourismus?

Beim Tourismus stehen wir vor der Herausforderung, die Akteure und Angebote noch stärker vernetzen zu müssen, damit Besucher nicht wie bisher für drei, sondern für 14 Tage zu uns kommen. Da gibt es noch zu viel Kirchturmdenken. Außerdem brauchen wir eine regelmäßige Weiterentwicklung mit neuen Angeboten wie zuletzt dem Aussichtsturm auf der Lausche.

Wenn Sie von der CDU als Kandidat aufgestellt werden: Wer wird Ihr größter Konkurrent?

Nach den jüngsten Wahlergebnisse gehe ich davon aus, dass es der Kandidat der AfD wird. Aber ich trete nicht gegen eine Partei und ihren Kandidaten, sondern für den Landkreis Görlitz an. 

Steht schon fest, wann die Nominierung stattfindet?

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