SZ + Görlitz
Merken

Montagsdemo steckt in der Sackgasse

Die Corona-Rebellen in Görlitz führen das große und laute Wort. Doch ihnen fehlt alles für einen erfolgreichen Dialog. Ein Kommentar.

Von Sebastian Beutler
 2 Min.
Teilen
Folgen
Symbolfoto
Symbolfoto © Foto/Montage: Paul Glaser/SZ

Angesichts des Wirbels im Vorfeld fiel die Montagsdemo in Görlitz doch reichlich unspektakulär aus. Besser noch: Sie fiel ins Wasser. Der selbsternannte Anführer der Görlitzer Corona-Rebellen Frank Liske schaffte es nicht, übers Wochenende einige Bauzäune oder anderes geeignetes Material aufzutreiben, um das Demo-Areal abzusperren. Oder er wollte es einfach nicht. Am Ende war es wieder mal der böse Staat, der die Schuld trug.

So geht es nun schon seit Monaten. Immer sind es aus Sicht Liskes und seiner Anhänger die anderen, die ihn drangsalieren und ihn nicht so leben lassen, wie er es gewohnt ist: der Staat, die Polizei, die Politiker, die Ärzte, die Journalisten. Nie im Übrigen ein gefährliches Virus, gegen das es anfangs noch nicht einmal Medikamente oder Impfungen gab und das die unangenehme Eigenschaft besitzt, sich praktisch immer neu zu erfinden.

Mittlerweile dient die Montagsdemo für die Teilnehmer lediglich noch dazu, sich gegenseitig ihres Widerstandes zu versichern und den sozialen Druck, der auf ihnen wegen der Impfverweigerung lastet, mit anderen zu teilen. Das ist eine wichtige Funktion solcher Zusammenkünfte. Nur sind es eben nicht die zig Friseure, Kosmetiker, Künstler, Selbstständige, Gastwirte, Theater-, Museums- und Kinomitarbeiter oder das Schwimmbad-Personal, das hier mitmarschiert. Sie hätten angesichts von Kurzarbeit und geschlossenen Einrichtungen, von gestrichenen Konzerten und Verdienstausfällen nun wahrlich Anlass zu protestieren. Viele von ihnen bereiten sich jetzt auf den Neustart vor, auch wenn sie Sorge haben, dass die Begleitumstände ab Sonnabend, also 2-G-plus-Regeln, auch nicht überall auf Zustimmung stoßen werden.

Die Montagsdemos werden diese Pandemie noch eine Weile begleiten. Doch bewegen könnten die Teilnehmer nur etwas, wenn sie ins Gespräch kämen mit Behörden, mit anderen Menschen und daraus ein wirklicher Austausch werden würde. Dazu aber müssten sie ihre Kampfplätze verlassen und der Mehrheit in diesem Lande nicht laufend Verstand und Legitimität in der Pandemie absprechen. Diese Form der Interessenvertretung endet auch auf dem Postplatz lediglich in der Sackgasse.