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Schweinepest: Kreis fühlt sich allein gelassen

In den Sperrzonen beginnt die Suche nach infizierten Wildschweinen. Aber im Kampf gegen die Tierseuche beklagt der Görlitzer Landrat zu wenig Hilfe von Land und Bund.

Zäune wie dieser n der B 115 sollen den Wildschweinen und damit der Afrikanischen Schweinepest Einhalt gebieten.
Zäune wie dieser n der B 115 sollen den Wildschweinen und damit der Afrikanischen Schweinepest Einhalt gebieten. © André Schulze

Der Kreis startet am Donnerstag mit der Suche nach Wildschweinkadavern in der gesperrten Zone im Norden des Landkreises. Das kündigte jetzt Sozialbeigeordnete Martina Weber vor Journalisten an.

Der Freistaat Sachsen hat die gesperrte Zone nach neuen Funden von Wildscheinkadavern, die das Virus der Afrikanischen Schweinepest trugen, am vergangenem Freitag auf knapp 1.000 Quadratkilometer vergrößert. Sie ist damit doppelt so groß wie bislang.

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An der Suche werden 60 Bereitschaftspolizisten, Mitarbeiter des Veterinäramtes und Freiwillige von Feuerwehren oder anderen Organisationen beteiligt. Weil das Gebiet jetzt so riesig ist, konzentriere sich die Suche auf bestimmte Gebiete. Auch Drohnen würden eingesetzt, kündigte die Kreisverwaltung an.

Landrat: Als Kreis schaffen wir das nicht allein

Landrat Bernd Lange bezweifelt allerdings, dass diese Fallwildsuche flächendeckend in der gesperrten Zone erfolgen kann. "Wir konnten mit unseren Mitarbeitern schon in der bisher viel kleineren gesperrten Zone die Fallwildsuche nicht allein bewältigen", erklärte er. "Dazu brauchten wir auch schon Bereitschaftspolizei, Bundeswehr, Feuerwehren." Jetzt sei das aufgrund der Flächenerweiterung gleich "gar nicht allein vom Landkreis zu schaffen".

Mit der Fallwildsuche soll kontrolliert werden, wie weit infizierte Wildschweine das Virus der Afrikanischen Schweinepest bereits ins Land getragen haben. In der gesperrten Zone sind Jagden verboten, aber die gezielte Entnahme der Wildschweine erlaubt. Die Jäger müssen die erlegten Tiere aber liegenlassen, entsorgt werden dürfen sie nur durch Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes.

Eine zweite Maßnahme ist die Errichtung eines festen Zaunes rund um die gesperrte Zone, damit die Wildschweine nicht weiter ins Land vordringen können. Das Problem: Das Virus kann auch durch Wildvögel oder beispielsweise den Wolf weitergetragen werden, die sich vom Aas der Wildschweine ernähren. Für sie ist der Zaun entweder überhaupt kein Hindernis oder ein zu kleines, Wölfe können über den etwa ein Meter hohen Zaun springen.

Diese Zonen gegen die Afrikanische Schweinepest gelten jetzt in Sachsen.
Diese Zonen gegen die Afrikanische Schweinepest gelten jetzt in Sachsen.

Um die gesperrte Zone liegt eine Pufferzone, die mittlerweile bis in den Landkreis Bautzen und südlich der A 4 bis nach Löbau reicht. Sachsen hält an dieser Strategie fest, um die Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern, die bei Hausschweinen tödlich verläuft, für den Menschen aber vollkommen ungefährlich ist. Allerdings sind durch die Zäune auch Landwirte in der Bewirtschaftung ihrer Felder behindert, völlig offen ist, ob der Freistaat in diesem Frühling und Sommer verbietet, auch bestimmte Getreidesorten in der gesperrten Zone anzubauen. Dann wären aber Entschädigungszahlungen für die Landwirte fällig.

Reinhard Seifert hat Mühe, mit großer Technik auf sein Feld bei Stannewisch zu kommen.
Reinhard Seifert hat Mühe, mit großer Technik auf sein Feld bei Stannewisch zu kommen. © André Schulze

Görlitzer Landrat zweifelt Sachsen-Strategie an

Landrat Bernd Lange hält von der Strategie des Freistaates daher zunehmend nichts mehr, das Land hätte in seiner neuen Allgemeinverfügung keine Anregung des Landkreises aufgenommen. "Wir haben unseren Frieden mit dieser Verordnung nicht gemacht", erklärte Lange. Wenn weitere infizierte Wildschweinkadaver westlich der jetzt eingerichteten Zone gefunden werden, dann würden nach dieser Strategie die Zonen demnächst bis Freiberg und damit über Dresden hinweg erweitert und Zäune errichtet. Lange hält das für nicht machbar.

Seitdem ein infizierter Wildschweinkadaver jenseits der B 115 bei Rietschen gefunden wurde, ist die gezielte Verhinderung der Ausbreitung der Seuche durch den festen Zaun aus seiner Sicht gescheitert. Lange fordert daher den Wildschwein-Bestand in der gesperrten Zone durch gezielte Treibjagden vorsorglich zu verringern. Er verwies auf Vorbilder in Ungarn und Tschechien, wo genau das getan wird. Tschechien habe in Nordböhmen vorsorglich 1.500 Tiere abgeschossen, obwohl dort noch keine Afrikanische Schweinepest festgestellt worden sei.

Vorwurf: Bund entwickelt keine Gegenstrategie mit Polen

Zugleich kritisierte Lange das Bundeslandwirtschaftsministerium, das sich zu wenig um die Afrikanische Schweinepest in Sachsen kümmere. Vor allem die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie mit Polen fehle. "Da sehe ich überhaupt keine Bewegung", stellte Lange fest. "Wenn das so bleibt, werden wir demnächst eine Arbeitsgruppe mit den polnischen Behörden gründen, um uns wenigstens aller vier bis sechs Wochen gegenseitig über den Stand der Tierseuche zu informieren".

Wer übernimmt die Kosten des Kreises?

Schließlich fordert der Landkreis auch vom Freistaat, dass seine Kosten für die Bekämpfung der Schweinepest übernommen werden. Lange rechnet mit rund drei Millionen Euro bis Ende des Jahres, wenn die Zonen so bleiben, wie sie jetzt sind. Im Landeshaushalt sind nach seinen Angaben für dieses Jahr 5,7 Millionen Euro eingeplant. Nach Einschätzung der Görlitzer Kreisverwaltung dürfte diese Summe nicht ausreichen.

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