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So steht es um die Sanierung der Stadthalle

2025 will Görlitz die Halle eröffnen. Jetzt geht es in die Feinplanung. Ob 40 Millionen Euro für den Bau reichen?

Das Team des Kulturservices, das jetzt die Planungen überarbeitet hat: Maria Schulz, Henning Wossidlo und Bendikt Hummel im Großen Saal der Stadthalle.
Das Team des Kulturservices, das jetzt die Planungen überarbeitet hat: Maria Schulz, Henning Wossidlo und Bendikt Hummel im Großen Saal der Stadthalle. © Nikolai Schmidt

Fünf Monate lang haben sich Henning Wossidlo, der Projektmanager Stadthalle, die Architekten, Mitarbeiter des Kulturservices und der Stadt in die Pläne zur Sanierung der Stadthalle von 2012 vertieft, haben Details geändert, Alternativen entworfen. Jetzt steht der Plan, wie die Stadthalle bis 2025 in neuem Glanz entstehen soll. Am Donnerstag soll der Stadtrat die Pläne gutheißen. Die SZ fasst den Stand der Dinge zusammen.

Welche Veränderungen gibt es an den Plänen von 2012?

Die Hoffnung des Fördervereins der Stadthalle auf einen Eröffnungstermin 2021 hat sich zerschlagen. Es wird Zeit, von diesem Traum Abstand zu nehmen und auch das Graffiti auf der Berliner Straße neu zu gestalten.
Die Hoffnung des Fördervereins der Stadthalle auf einen Eröffnungstermin 2021 hat sich zerschlagen. Es wird Zeit, von diesem Traum Abstand zu nehmen und auch das Graffiti auf der Berliner Straße neu zu gestalten. © Nikolai Schmidt

Die Pläne von 2012 sahen die Sanierung der Stadthalle als Mehrzweckhalle und einen Anbau zur Neiße hin vor. Daran ändert sich nichts. Es sind eher Detailfragen, um die es geht. Soll der Anbau eine Glasfassade erhalten und eine begrünte Dachterrasse? Reicht die Kühlung im Großen Saal? Ist der Brandschutz ausreichend? Das alles wird nochmal am Computer durchgespielt, ehe es beschlossen wird. Zum anderen steht nun in den Plänen manches, was 2012 aus Kostengründen gestrichen wurde:  Küche, Tontechnik, Lichttechnik, Ausstattung mit Möbeln. Henning Wossidlo, langjähriger Geschäftsführer des Wiesbadener Kurhauses, verspricht: "Es wird ein wunderschönes Haus."

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Reichen die 40 Millionen Euro, die zur Verfügung stehen?

Die jetzt vorliegende Kostenhochrechnung geht von 40,8 Millionen Euro aus. Das sieht nach einer Punktlandung aus, ist es aber nur auf den ersten Blick. Die exakte Kostenberechnung kann nochmal zu neuen Ergebnissen führen, die Baukosten während der Sanierung bis 2025 steigen. Das können dann angesichts des Gesamtumfangs schnell Millionen sein. Die höheren Summen im Vergleich zu 2012 kommen auch jetzt schon vor allem wegen der Steigerung der Baukosten zustande, die Planungserweiterungen gegenüber 2012 machen nur einen Bruchteil aus.

Die Stadt hofft auf eine Lösung für das Dilemma, indem Bund und Land die Art ihrer Förderung umstellen: von einer Brutto- zu einer Nettoförderung. Der Effekt: Die Stadt könnte die Mehrwertsteuer beim Bau gegenüber dem Finanzamt weitgehend sparen, dafür würde die Miete für die Räume in der Stadthalle künftig mit Mehrwertsteuer erhoben. In der Bauzeit ergibt das einen millionenhohen Puffer für die Stadt.

Wer kann sich die Stadthalle dann noch leisten?

Henning Wossidlo versichert, die Stadthalle soll künftig auch ein Bürgerhaus, ein Haus der Vereine sein. "Ich bin sicher, dass wir uns die Halle leisten können, weil die Stadt sich das leisten will." Von Wiesbaden kenne er es, dass für städtisch gewollte Veranstaltungen niedrigere Mieten angesetzt wurden. Bürgermeister Michael Wieler bringt ein anderes Modell ins Spiel. Wenn Bund und Land die Förderart umstellt, dann könnte die Miete nicht gesenkt werden.

Andererseits benötige dann der Betreiber einen geringeren Zuschuss. Das könnte die Möglichkeit im städtischen Haushalt eröffnen, dass für städtisch gewünschte Veranstaltungen in der Stadthalle ein Extra-Etat aufgemacht wird, aus dem dann der Veranstalter einen Zuschuss erhält. Fördervereins-Chef Thomas Leder stellte zudem in Aussicht, dass der Verein nach der Sanierung gemeinnützige Vereine für Veranstaltungen in der Halle unterstützen könne.

Sind die Fördermittel von Bund und Land sicher?

Jein. Sicher sind sie erst, wenn es einen Fördermittelbescheid gibt. Die Fördermittel kann die Stadt aber erst beantragen, wenn eine Entwurfsplanung, ein Betriebskonzept und eine Kostenberechnung vorliegen. Die muss der Stadtrat zuvor auch noch beschließen. Das soll nun im April kommenden Jahres der Fall sein, vier Monate nach der ursprünglichen Planung. Bund und Land hatten Gelder in Höhe von jeweils 18 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Bürgermeister Michael Wieler hält die Gelder "politisch aber für sicher".

Mit anderen Worten: Niemand könne von seiner Zusage abrücken, wenn Görlitz seine Hausaufgaben gemacht habe.  Und dabei sind in den Gesprächen mit Bund und Land Fortschritte erzielt worden. Der größte: Beide haben die Ausgaben für die Planung von 2012 als Eigenmittel der Stadt anerkannt. Das sind 1,6 Millionen Euro. Und klar ist nun auch, dass das Bundesministerium für Kultur und Medien der maßgebliche Ansprechpartner für die Stadt ist.  "Das war unser Wunsch", räumt Wieler unumwunden ein. Die Stadt hatte gute Erfahrungen mit den Berlinern bei der Görlitzer Synagoge gemacht. 

Wird die Görlitzer Stadthalle überhaupt gebraucht?

Ja, sagen Stadt und Kulturservice. Das überrascht nicht. So habe Henning Wossidlo Gespräche mit einer Gastspielagentur geführt, die 20 große Veranstaltungen im Jahr in der Stadthalle garantieren würde. Kulturservice-Geschäftsführer Benedikt Hummel sieht die Halle "als gesellschaftlichen Treffpunkt" an, der neue Wirtschaftskreisläufe anregen und die Tourismussaison in Görlitz verlängern soll. Gerade im November und Januar bis März braucht der Städtetourismus in der Stadt neue, zusätzliche Angebote.

Dass auch Kongresse und Tagungen trotz Corona wichtig bleiben, ist für Wossidlo klar. Er erhält Unterstützung von Philipp von Haymerle, der beim neuen Forschungszentrum "Casus" Eventmanager ist. "Wir brauchen die Stadthalle dringend", sagt er. Gerade für Tagungen, wo sich 200 Wissenschaftler treffen und sich dann zeitweise in fünf Arbeitsgruppen aufsplitten. "Wo finden wir das gegenwärtig in Görlitz?"

Wie groß werden die Säle in der Stadthalle?

Der große Saal wird gegenwärtig mit 1.600 Plätzen geplant. Bauingenieur Ulrich Langer vom Görlitzer Architekturbüro Wünsche & Langer, das gemeinsam mit Architekt Christian Weise eine gemeinsame Architekten-Arbeitsgemeinschaft gebildet hat, kündigte aber an, "noch mehr rauszuholen". Der kleine Saal hat eine Kapazität von 300 Plätzen. Hinzu kommen die neuen Räume im Anbau.

Und im kommenden Jahr plant die Stadt anlässlich der 950-Jahr-Feier den Großen Saal erneut für eine große Ausstellung zu nutzen: Der Görlitzer Fotograf Rainer Kitte soll damit geehrt werden, dessen Sammlung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einzigartig ist. Bürgermeister Michael Wieler kann sich während der Laufzeit der Schau auch kleine Orgelkonzerte vorstellen. "Damit wir alle das Gefühl nicht verlieren, dass sich etwas in der Stadthalle tut". 

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