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Wer aus dem Kreis Görlitz will in den Bundestag?

In einem Jahr ist die Wahl. Noch stehen nicht alle Kandidaten fest. Klar ist: AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla bekommt es mit neuen Herausforderern zu tun.

Wer aus dem Landkreis Görlitz wird nach der Bundestagswahl 2021 Platz im Bundestag nehmen?
Wer aus dem Landkreis Görlitz wird nach der Bundestagswahl 2021 Platz im Bundestag nehmen? © dpa-Zentralbild

In einem knappen Jahr wird der Deutsche Bundestag neu gewählt. Wann genau es im September 2021 soweit ist, steht noch nicht fest. Immerhin hat der Bundestag jetzt mit einer ersten Reform Klarheit über die Wahlkreise und Mandate geschaffen.

Die Parteien im Landkreis Görlitz sind bereits dabei, ihre Direktkandidaten für die Wahl aufzustellen. Die Einwohner im Kreis können mit ihrer Erststimme diesen Kandidaten wählen und nach Berlin schicken. Mit der Zweitstimme wählen sie die Liste, also eine Partei, und bestimmen darüber deren Stärke im Bundestag. SZ und sächsische.de fassen den Stand der Dinge zusammen.

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AfD wählte ihren Direktkandidaten als Ersten

Tino Chrupalla in Löbau, als er zum Direktkandidaten der AfD gewählt wurde.
Tino Chrupalla in Löbau, als er zum Direktkandidaten der AfD gewählt wurde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Vor drei Jahren schlug der Gablenzer Malermeister Tino Chrupalla überraschend noch Michael Kretschmer (CDU) und zog mit den meisten Erststimmen als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag. Diesen Sitz will der AfD-Kreisvorsitzende nun vier Jahre später auch wieder verteidigen. Seine Partei hat ihn bereits Anfang September in Löbau nominiert. 76 Prozent der anwesenden 49 AfD-Mitglieder stimmten für den mittlerweile zum Bundessprecher seiner Partei aufgestiegenen Chrupalla, der keinen innerparteilichen Gegenkandidaten hatte. Inhaltlich blieb er aber noch sehr vage, kündigte eine erneute Ochsentour durch die Gemeinden wie 2017 an.

CDU schickt ihren Kreisvorsitzenden ins Rennen

Florian Oest im Görlitzer Tivoli, als die CDU ihn zu ihrem Direktkandidaten nominierte.
Florian Oest im Görlitzer Tivoli, als die CDU ihn zu ihrem Direktkandidaten nominierte. © Nikolai Schmidt

Eine Woche später stand auch der Herausforderer von der CDU fest. Da Kretschmer unterdessen Regierungschef in Sachsen ist, musste es einen neuen Kandidaten geben. Florian Oest heißt er, ist  33 Jahre alt und Kreisvorsitzender der CDU sowie Chef der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union in Sachsen. Oest musste sich gegen einen Gegenkandidaten durchsetzen. Mit 79,5 Prozent der anwesenden knapp 220 CDU-Mitglieder im Görlitzer Tivoli hatte er keine Probleme. Oest hat die Rückgewinnung des Wahlkreises zum obersten Ziel erklärt. Inhaltlich setzt er auf einen sozial und finanziell abgefederten Strukturwandel. Dass er wie die AfD eine Sonderwirtschaftszone in der Lausitz fordert, dürfte noch für Gesprächsstoff sorgen.

Grüne stimmen am 12. November ab

Annett Jagiela (re.) mit ihrer Mutter im Forsthaus Erlichthof in Rietschen.
Annett Jagiela (re.) mit ihrer Mutter im Forsthaus Erlichthof in Rietschen. © Archivfoto: André Schulze

Die Bündnisgrünen sind noch nicht ganz so weit. Immerhin steht fest, dass ihre Mitglieder am 12. November in Görlitz ihre Direktkandidatin oder Direktkandidaten bestimmen werden. Bislang einzige Bewerberin ist die bündnisgrüne Kreis-Sprecherin Annett Jagiela. Sie ist auch Mitglied des Landesvorstands der Bündnisgrünen in Sachsen und leitet das Regionalbüro von Landtagsabgeordneter Franziska Schubert, deren OB-Wahlkampf sie im vergangenen Jahr in Görlitz managte. Die 42-jährige studierte Politik und internationale Beziehungen in Berlin, Prag und Florida, und arbeitete eine Zeitlang in Berlin für den grünen Außenpolitiker Omid Nouripour. Nach 23 Jahren kehrte sie in ihre Heimat zurück, unterstützte zunächst ihre Mutter als Gastronomin im Erlichthof Rietschen, bevor sie politisch stärker aktiv wurde. Über einen Gegenkandidaten für Frau Jagiela ist bislang nichts bekannt. Vor drei Jahren trat der Görlitzer Hochschulprofessor Joachim Schulze für die Bündnisgrünen zur Wahl an.

SPD wählt ihren Kandidaten am 21. November

Harald Prause-Kosubek will für die SPD bei der Bundestagswahl 2021 im Görlitzer Wahlkreis antreten.
Harald Prause-Kosubek will für die SPD bei der Bundestagswahl 2021 im Görlitzer Wahlkreis antreten. © André Schulze

Nach dem Verzicht von Thomas Jurk auf eine erneute Kandidatur, muss sich auch die SPD neu orientieren. Seine Kandidatur hat bereits Kreisvorsitzender Harald Prause-Kosubek aus Niesky erklärt. Er leitet derzeit das SPD-Regionalbüro in Bautzen und ist einer der wenigen bekannten Köpfe der SPD in der Oberlausitz. Der 49-Jährige stammt aus Niesky und führt seit Kurzem auch die Geschäfte der Fraktion Bündnisgrüne/SPD im Görlitzer Kreistag. Die Sozialdemokraten wählen ihren Direktkandidaten am 21. November in Zittau, neben Prause-Kosubek ist keine weitere Kandidatur bekannt. Da die SPD noch nie seit 1990 den Wahlkreis direkt gewonnen hat, dürfte es für Prause-Kosubek mindestens so wichtig werden - sofern die Kreis-SPD ihn nominiert -, dass er auf der SPD-Liste für den Bundestag möglichst weit vorn steht. Schafft er es nicht, droht zum ersten Mal seit 1990 die Oberlausitz nicht mit einem SPD-Abgeordneten im Bundestag vertreten zu sein.

Linke wartet bis ins Frühjahr ab

Die Linkspartei will sich besonders viel Zeit lassen, um ihren Direktkandidaten zu bestimmen. Wie Kreisvorsitzende Antonia Mertsching gegenüber sächsische.de und SZ erklärt, wird das erst im Frühjahr 2021 der Fall sein. Die Partei hat gerade erst auf ihrem Landesparteitag am Wochenende das Aufstellungsverfahren bestimmt. Ein Kandidat der Linken für den Wahlkreis Görlitz zeichnet sich Mertsching zufolge nicht ab. Sie selbst ist Landtagsabgeordnete, dürfte nicht antreten. Es seien ein paar Namen im Gespräch, sagt sie, ohne ins Detail zu gehen. Viele profilierte Köpfe hat die Linkspartei nicht. Möglicherweise entscheidet sich ja Jens Hentschel-Thöricht aus Zittau, der im Kreistag seit Jahren für die Linkspartei politisiert, für eine Kandidatur. Eines ist aber sicher: Auf ihren Kandidaten von 2017, den Görlitzer Stadtrat Thorsten Ahrens, kann die Linke nicht zurückgreifen. Er stehe nicht zur Verfügung, erklärt Frau Mertsching. 

FDP entscheidet im November

Die FDP wird am 14. November in Görlitz über ihren Kandidaten entscheiden. Und vielleicht heißt er wie vor drei Jahren Thoralf Einsle aus Löbau. FDP-Kreisvorsitzende Christine Schlagehan hat jedenfalls bei ihm schon mal vorgefühlt. Allerdings einen klaren Favoriten haben die Liberalen nicht, die sich wie im Bund auch auf Kreisebene schwer tun, ihre Politik zu vermitteln.   

Sorge, dass wegen Corona die Kandidaten nicht rechtzeitig festgelegt werden können, brauchen die Parteien nicht zu haben. Bundestag und Bundesrat beschlossen erst am vergangenen Freitag, dass sie wegen der Corona-Krise auch notfalls auf online durchgeführten Versammlungen gewählt werden können.

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