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Randalierer hinterlässt Blutspur

In Reichenbach rückte die Polizei wegen eines Störenfrieds an. Der Täter gefährdete den Verkehr und beleidigte auch noch die Beamten. Warum Mieter nun Angst haben.

An den Klingelschildern und Briefkästen klebt Blut. Der Täter hatte sich zuvor offenbar selbst verletzt.
An den Klingelschildern und Briefkästen klebt Blut. Der Täter hatte sich zuvor offenbar selbst verletzt. © Constanze Junghanß

An den Klingelschildern und den Briefkästen klebt am Montagmorgen noch das Blut. Dunkle Tropfen glitzern gefroren im Schnee auf dem Gehweg vor dem Hauseingang. Die Blutspur zieht sich bis in den gekachelten Hausflur auf der Görlitzer Straße in Reichenbach. Sie führen bis zu der geschlossenen Wohnungstür. Am Sonntag in den zeitigen Abendstunden war die Polizei da, ebenso der Rettungsdienst. Nicht zum ersten Mal, wie Anwohner berichten.

Ein Polizei- und Rettungseinsatz mitten in der Kleinstadt sorgte am späten Sonntagnachmittag für Aufsehen. Aus den Fenstern schauten erschrockene Bewohner auf das, was sich direkt vor ihren Augen abspielte. Was war passiert? Besorgte Anwohner hatten die Polizei gerufen, weil ein Mann zuerst so extrem laut in seiner Wohnung randalierte, dass es weithin hörbar war. Dabei verletzte er sich und rannte später schreiend auf der Straße herum.

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„Da behinderte er den Verkehr. Einige Fahrzeugführer mussten abbremsen“, schildert Anja Leuschner, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz. Der Tatverdächtige beleidigte die hinzueilenden Polizisten am laufenden Band, lief weiter bis zum nur wenige Meter entfernten Rathaus, wo ihn die Beamten stellten und zu Boden bringen konnten. Der Rettungsdienst wurde ebenfalls wegen seiner Verletzungen informiert. Rettungskräfte brachten den Mann zur Versorgung in ein Krankenhaus. Noch im Rettungswagen brüllte der Mann weiter.

Polizeieinsatz Görlitzer Straße – die Beamten rücken an.
Polizeieinsatz Görlitzer Straße – die Beamten rücken an. © Constanze Junghanß
Der Randalierer wird zum Krankenwagen gebracht.
Der Randalierer wird zum Krankenwagen gebracht. © Constanze Junghanß
Vor dem Rathaus sind auch Rettungskräfte eingetroffen.
Vor dem Rathaus sind auch Rettungskräfte eingetroffen. © Constanze Junghanß

Während der Anzeigenaufnahme erfuhren die Polizisten zudem, dass der Deutsche einen Einkaufskorb zerstört sowie eine Fensterscheibe beschädigt hatte. Der Sachschaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf circa 200 Euro. „Es folgten Anzeigen aufgrund des Verdachts der Sachbeschädigung, Beleidigung sowie des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“, sagt Anja Leuschner und auch, dass der Mann schwerbehindert sei und unter Betreuung steht.

Reichenbacher erzählen, dass der Mann seit etwa 1,5 Jahren auf der Görlitzer Straße lebt und aus einem anderen Bundesland in die Kleinstadt kam. Die Polizei, so bestätigt Anja Leuschner, musste in der Vergangenheit bereits mehrfach zu der Wohnadresse ausrücken. Mehr Auskünfte gibt es vonseiten der Pressestelle aus Datenschutzgründen nicht. Nach SZ-Informationen gab es auch Vorfälle im Stadtgebiet, wo Polizei oder Rettungskräfte wegen des Mannes im Einsatz waren.

Mann brach eine Türklinke ab

Für die Mieter im Haus ist die ganze Situation schwer ertragbar. Sie möchten anonym bleiben. Einerseits, so erzählt ein Rentner, haben die Mieter Angst vor dem Mann. „Er randalierte in der Vergangenheit bereits im Treppenhaus, brach eine Türklinke vom Abstellraum ab“, sagt er. Kaum noch sei an Schlaf zu denken, da sich die Mitmieter Sorgen machten, ob mal mehr passiert. „Für uns ist das kein ruhiges Leben mehr“, berichtet der Rentner erschüttert. Die Angst sei groß, dass bei einem nächsten „Ausflippen“ die Gasheizung in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Am Sonntag soll der Mann in seiner Wohnung unter anderem Glasflaschen zerdroschen und Möbel demoliert haben. „Andererseits braucht er ganz sicher Hilfe – und zwar langfristig in einer Klinik“, schätzt eine Mieterin ein. Er habe in der Vergangenheit von einem Drogen- und Alkoholproblem berichtet und sogar schon einmal von sich aus gebeten, die Polizei zu holen, damit er mitgenommen wird. So könne es jedenfalls nicht weitergehen. „Zwischendurch war er einige Monate weg, vielleicht in einem Krankenhaus“, erzählt eine Anwohnerin. Jetzt befürchten die Mieter, dass nach dem Krankenhausaufenthalt des Mannes alles wieder von vorn beginnt.

Rathaus prüft gerichtlichen Weg

Das Rathaus indes habe keine wirkliche Handhabe, wie Bürgermeisterin Carina Dittrich sagt. Wird ein psychisch auffälliger Mensch aus einer anderen Kommune nach Reichenbach „zugewiesen“, gebe es keine Möglichkeit, das zu unterbinden. „Wir wollen nun trotzdem über das Amtsgericht prüfen lassen, ob ein Weg für eine Lösung gefunden werden kann“, sagt Carina Dittrich. Das habe die Stadt bereits in einem anderen Fall versucht – ohne Erfolg jedoch.

Die Görlitzer Hausverwaltung, die das Objekt verwaltet, ist über die Vorfälle informiert. Inwiefern eine Abmahnung oder Kündigung machbar sei, müsse geprüft und geklärt werden.

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