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Polizist erforscht Kriminalität in Görlitz

Christian Moog macht seinen Master und hat sich dafür ein Görlitz-Thema ausgesucht. Er vergleicht den Stadtteil Königshufen mit einem aus Hessen.

Christian Moog an seinem Schreibtisch: Der Bundespolizist macht gerade seinen Master.
Christian Moog an seinem Schreibtisch: Der Bundespolizist macht gerade seinen Master. © privat

Wie sicher fühlen sich die Görlitzer? Oder genauer gesagt: die Königshufener? Dieser Frage geht gerade Christian Moog nach. Er ist Bundespolizist und Student im Masterstudium Kriminologie, Kriminalistik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 

"Ich möchte herausfinden, ob die Grenznähe das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinflusst", sagt der 39-Jährige. Von 2013 bis 2019 lebte er selbst in Görlitz. Für seine Untersuchung hat er für Königshufen einen Stadtteil zum Vergleichen gefunden: Königstädten, Rüsselsheim. 1956 wurde der Stadtteil in die Stadt am Main eingemeindet, hat etwa 10.000 Einwohner.

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Königstädten vergleicht mit Königshufen

Das Sicherheitsempfinden sei ein klassischer Teil der Kriminologie, so Christian Moog. Es sei immer subjektiv und decke sich nicht unbedingt mit der tatsächlich festgestellten Kriminalität. Faktoren, warum dies so ist, gebe es mehrere. Das Alter spiele beispielsweise eine Rolle, ebenso das Geschlecht oder ob eine Person bereits Opfer von Kriminalität wurde.

Mit seiner Studie will Christian Moog nun  herausfinden, ob auch die Grenznähe zu einem der Faktoren werden könnte. "Bisherige Studien haben den Bezug zur Grenze nicht berücksichtigt", sagt er.

Die Umfrage läuft noch bis Mitte Mai. Schauen Sie sich um, wenn Sie in Ihrem Ortsteil unterwegs sind? Fühlen Sie sich in Begleitung sicherer? Und: Fühlen Sie sich in  viedoüberwachten  Bereichen sicherer? Meinen Sie, dass in einem Ort, der nicht grenznah liegt, weniger Straftaten begangen werden? Das sind einige, sinngemäß nachgestellte  Fragen aus der Untersuchung des Studenten. Die Videoüberwachung in Görlitz machte einen Teil davon aus. "Wie fühlt sich das an für die Görlitzer? Fühlen sie sich damit sicherer - diese Fragen möchte Christian Moog klären.

Schafft Videoüberwachung mehr Sicherheit?

Das sächsische Innenministerium wertet den Einsatz der Videoüberwachung in Görlitz bisher als Erfolg. Demnach wurden im letzten Vierteljahr 2019 mithilfe der Überwachungskameras in der historischen Altstadt zwar keine Straftaten aufgeklärt. Über die Anlagen in Hagenwerder und an der Altstadtbrücke konnte aber ein Fall offenbar geklärt werden: besonders schwerer Diebstahl aus Gewerberäumen. Insgesamt wurde in 13 Fällen im vierten Quartal vergangenen Jahres auf gespeicherte Daten zugegriffen. Ein Bediensteter der Polizeidirektion Görlitz beschäftigt sich mit der Auswertung. Wie hoch sein Arbeitsaufwand spezifisch dafür ist, wird nicht statistisch erfasst. Dies sei "integraler Bestandteil polizeilicher Ermittlungen", heißt es aus Dresden.

Bei der Polizeidirektion Görlitz will man derweil nicht ausschließen, dass der Einsatz der Videokameras zu Verdrängungseffekten führen kann. Sprich: Kriminelle weichen möglicherweise auf andere Görlitzer Stadtteile aus - vielleicht auch nach Königshufen. Ob das tatsächlich der Fall ist oder sein könnte, auch das möchte Christian Moog mit seiner Studie herausfinden. 

Für die Umfrage setzt der Bundespolizist vor allem auf das Internet. Er hat aber auch 500 Fragebögen an Haushalte in Görlitz verteilt, beziehungsweise verteilen lassen. Denn er selbst lebt jetzt wieder in Hessen. Bisher habe es um die 90 Rückmeldungen gegeben. Christian Moog ist zufrieden mit dem Ergebnis. 

"Es geht mir vor allem darum, ob es tatsächlich regionale Unterschiede in Deutschland zum Thema Sicherheitsgefühl gibt", sagt er. Im Ergebnis könnte beispielsweise die örtliche Politik, Polizei oder auch nicht-staatliche Organisationen auf die Sorgen der Einwohner reagieren und entsprechend versuchen, die Bedingungen zu verbessern - so formuliert er es. 

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