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Randaliert hier jemand auf dem Kriegsgräberfeld?

In Königshain ist von neun Gräbern die Bepflanzung verschwunden. War es Sachbeschädigung oder ein Versehen?

Das Grabfeld in der Mitte ist unbepflanzt, die Dickmännchen offenbar gejätet. Nur Rindenmulch liegt noch da.
Das Grabfeld in der Mitte ist unbepflanzt, die Dickmännchen offenbar gejätet. Nur Rindenmulch liegt noch da. © Constanze Junghanß

Hildemar Hentsche ist sauer. Das hängt mit seinem jüngsten Besuch der Königshainer Kriegsgräber im Schlosspark zusammen. In einem Leserbrief an die SZ schildert der Rammenauer, was er dort sah: „Bei einem Besuch der Anlage am 13. August musste ich leider feststellen, dass ein Gräberfeld mit neun Gräbern so gründlich gejätet wurde, dass nur noch der Rindenmulch die Grabfläche bedeckt.“ Die Bodendecker seien nebst dem Unkraut „radikal entfernt“ worden.

Tatsächlich fehlen auf genau neun Gräbern in einer Reihe die Dickmännchen. Das ist eine ausdauernde Pflanzenart, die auch mit schattigen Plätzen gut zurechtkommt. Sie wurden von der mit der Pflege beauftragten Königshainer Gartenbaufirma angepflanzt. Auf allen anderen der insgesamt 380 Gräber wachsen die Dickmännchen weiter. Unter einer Blutbuche gleich neben dem Grabfeld liegen die herausgerissenen Pflanzen auf einem Haufen. Der Rindenmulch ist ordentlich verteilt – nur wächst da nun nichts mehr. Die Reihe ist kahl. „Wurde hier der Bock zum Gärtner gemacht oder fehlte es an einer qualifizierten Anleitung“, fragt Hildemar Hentsche und berichtet, dass es im Ausland „nicht vorstellbar ist, einen vom Volksbund bebauten Soldatenfriedhof ungepflegt vorzufinden.“

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Hildemar Hentsches Bruder ist dort begraben

Ihm liegt dieser besondere Friedhof sehr am Herzen, verknüpft Hildemar Hentsche damit doch eine schmerzliche Erinnerung. Sein Bruder ist da begraben. Er wurde keine 18 Jahre alt. Die meisten der in Königshain bestatteten Soldaten im Schlosspark waren noch sehr jung – oft unter 20 Jahre. „Sie fielen bei den letzten Kämpfen im Frühjahr 1945 östlich der Neiße. Auch 76 Jahre nach Kriegsende ist es heute noch ein Begegnungsort von Angehörigen und Besuchern“, sagt der Rammenauer. Und auch: „Wenn dieser Ort des Gedenkens mittlerweile durch die Neugestaltung für die nächsten Jahrzehnte gesichert ist, bedarf es wohl höchster Verantwortung durch den Rechtsträger, die Gemeinde Königshain, die vom Bund jährlich bereitgestellten finanziellen Mittel, in Form einer Pflegepauschale, optimal einzusetzen.“

Die Bodendecker liegen auf einem Haufen am Stamm der daneben stehenden Blutbuche.
Die Bodendecker liegen auf einem Haufen am Stamm der daneben stehenden Blutbuche. © Constanze Junghanß

Doch Gemeinde ebenso wie Gartenbaufirma sehen sich den Vorwürfen zu Unrecht ausgesetzt. „Wir haben vor etwa zwei Wochen festgestellt, dass die Pflanzen fehlen“, sagt Galabau-Chef Thomas Göllner. Die Gemeinde wurde darüber informiert. Denn die Königshainer Firma, die die Wege zwischen den Gräbern sauber hält, Laub, Eicheln und Unkraut entfernt, hat die Stauden nicht weggemacht. Bürgermeister Siegfried Lange war im Urlaub, konnte also erst jetzt auf den Vorfall reagieren. Auch ihm ist schleierhaft, weshalb und durch wen auf dem Grabfeld die Pflanzen verschwunden sind. So schnell wie möglich sollen die Dickmännchen nun ersetzt werden. „Wir stellen außerdem auf dem Ordnungsamt eine Anzeige wegen Sachbeschädigung“, sagt der Bürgermeister.

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