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Wie der Mäusebunker jung hält

Der Reichenbacher Kneiper Manfred Lehmann wird 85. Dass sein zweites Zuhause wegen Corona im Moment zu hat, ist nicht leicht für ihn.

Manfred Lehmann wird am 10. Januar 85 Jahre alt. Geboren wurde er in Borda, ganz in der Nähe von Reichenbach.
Manfred Lehmann wird am 10. Januar 85 Jahre alt. Geboren wurde er in Borda, ganz in der Nähe von Reichenbach. © privat

Dass er mal bis weit ins Rentnerdasein hinterm Tresen stehen würde, hätte Manfred Lehmann als gelernter Maschinenschlosser früher wohl selber nicht gedacht. Doch so ist es und zweifelsohne ist er mit 85 Jahren heute einer der ältesten Kneiper im Landkreis Görlitz und der ganzen Region. 40 Jahre arbeitete er zuvor als Eisenflechter im VEB Wohnungskombinat in Görlitz.

Doch danach begann die zweite berufliche Laufbahn. Bereits im Vorruhestand übernahm er 1990 mit seiner Frau den früheren „Gerichtskretscham“ in Niederreichenbach. Brigitte Lehmann arbeitete anfangs noch weiter in ihrem Job beim Pentacon in Reichenbach – kam jeden Tag nach Feierabend in die Kneipe. „Mäusebunker“ wurde diese zu DDR-Zeiten nur hinter vorgehaltener Hand genannt – schließlich klang das wenig hygienisch. Woher der Name rührt, weiß man nicht mehr so genau. Erwähnt ist die urige Gaststätte in der Ortschronik jedenfalls schon um 1800 – als Gerichtskretscham.

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Für Lehmanns und Strahls jedenfalls war der Name „Mäusebunker“ eine Erfolgsgeschichte. Es gibt wohl nur wenige Reichenbacher, die hier noch nie essen waren oder gefeiert haben. Das hat auch ein bisschen mit Manfred Lehmanns Aktivitäten zu tun. Denn damals wie heute war und ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. In den 1970ern gründete er mit Freunden eine eigene Band: „Die Teddys“. Keyboard und Akkordeon spielte er hier.

Die "Mäusebunker"-Familie: Andy und Jana Strahl (links) mit Janas Eltern Brigitte und Manfred Lehmann.
Die "Mäusebunker"-Familie: Andy und Jana Strahl (links) mit Janas Eltern Brigitte und Manfred Lehmann. © Constanze Junghanß

Seit DDR-Zeiten ist er eng mit dem Fußball verbunden – so betrieb er früher auch den Kiosk auf dem Sportplatz. „Fußball ist immer noch sein Leben“, erzählt Tochter Jana Strahl, die seit dem Jahr 2000 zusammen mit ihrem Mann Andy den „Mäusebunker“ heute führt. Vor allem Borussia Dortmund und Dynamo Dresden folgt er treu, verpasst kein Spiel im Fernsehen. Viele Fußballer wären wohl auch am Sonntag zum Gratulieren gekommen, da ist Jana Strahl sich sicher. Und dazu die ganzen Vereine, deren Stammlokal der „Mäusebunker“ ist – beispielsweise der Schützenverein, dem Manfred Lehmann selber angehört. Aber wegen der Corona-Beschränkungen wird das alles nicht möglich sein: keine große Sause, zu der auch Schwester Renate gekommen wäre, die am selben Tag Geburtstag hat wie Manfred Lehmann – nur, dass sie zwei Jahre älter ist.

Eines der ältesten Häuser Niederreichenbachs: Die heutige Gaststätte "Mäusebunker".
Eines der ältesten Häuser Niederreichenbachs: Die heutige Gaststätte "Mäusebunker". © Rolf Ullmann

Stattdessen wird es viele Telefonate geben und nur eine winzige, auf die erlaubte Personenzahl begrenzte, Familienfeier. Dabei ist die Familie groß – Kinder, Enkel, Urenkel, sie alle hätte der Jubilar an seinem großen Tag gern um sich gehabt. Dabei ist er als großzügiger und herzlicher Gastgeber bekannt. Eine richtig große Sause gab es Anfang März vergangenen Jahres – ganz kurz vor dem ersten Lockdown. Damals wurden 30 Jahre „Mäusebunker“ gefeiert.

Aber jetzt ist alles anders und der Respekt vor Corona eben auch da. „Da die Gaststätte jetzt durch die Pandemie geschlossen hat, ist es für ihn nicht so leicht, Abwechslung in sein Leben zu bekommen“, sagt Jana Strahl. „Der ‚Mäusebunker‘ hält ihn jung.“ Noch immer unterstützen die Eltern Tochter Jana und Schwiegersohn Andy im Kneipenbetrieb. Das Einkaufen ist beispielsweise Sache von Manfred Lehmann, das lasse er sich nicht nehmen. „Er kennt sich im Großmarkt besser aus als wir“, sagt Jana Strahl.

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