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Parkflächen statt Bäume: Ärger über Umweltzerstörung

Im Neubaugebiet Reichenbach sollen doppelt so viele Autos abgestellt werden können, wie bisher. Das freut nicht jeden.

Reinhard Orsakowsky findet die Fällarbeiten nicht gut. Der Ornithologe sieht darin eine Umweltzerstörung.
Reinhard Orsakowsky findet die Fällarbeiten nicht gut. Der Ornithologe sieht darin eine Umweltzerstörung. © Constanze Junghanß

Reinhard Orsakowsky ist verärgert. „Hier wurden die Lebensräume von Singdrossel und Bluthänfling und das Brutrevier der Grünfinken zerstört“, zeigt er auf die frischen Baumstümpfe. Umweltzerstörung sei das. An der Thomas-Münzer-Straße im Reichenbacher Neubaugebiet standen unter anderem Eiben und Wacholder auf der Wiese beim Wäscheplatz. Die Bäume sind nun weg. Abgesägt am Wochenende mit der Kettensäge.

Das findet Reinhard Orsakowsky keinesfalls in Ordnung. „Die Bäume waren gesund und boten verschiedenen Vogelarten Unterschlupf“, sagt der Ornithologe, der vor seiner Rente beim Landesumweltamt arbeitete. Er hebt resigniert die Schultern: Autos seien heutzutage vermutlich mehr wert, als die Erhaltung der Natur, befürchtet er. Während er erzählt, kreist eine Drohne über den Wäscheplatz. Vermessungsarbeiten finden statt.

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In der Tat sollen da, wo die Vögel zwitscherten, Parkplätze geschaffen werden. Das bestätigt Olaf Heinze. Er ist der Hausmeister der „Esmor Realitätenhandel GmbH“. Das Unternehmen mit Sitz in Wien, Österreich, ist Eigentümer von einem Teil der Blöcke auf der Thomas-Münzer-Straße. Die Nummern 12 und 14 sowie die Hausnummern 20 bis 24 gehören zum Unternehmen, ebenso die Neubauten vom Oberen Weg. Den kompletten Wohnblock 2 bis 10 mit 40 Wohneinheiten auf der Thomas-Münzer-Straße hatte die Bauen und Wohnen GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Reichenbach, im Jahr 2019 an die Österreicher Firma verkauft.

Parkplätze nicht mehr in gutem Zustand

Die sanierte die Fassade des Blocks und renovierte die Leerstandswohnungen Stück für Stück. Seitdem ging der Leerstand zurück. „Wir haben höchstens noch zwei oder drei unvermietete Wohnungen da“, sagt Olaf Heinze. Weil verstärkt Familien ins Neubaugebiet zögen, die aufs Auto angewiesen sind und teils auch einen Zweitwagen wegen der Arbeit bräuchten, sei die Parkplatzsituation angespannt. Außerdem seien die vorhandenen Parkplätze in keinem guten Zustand mehr. An der Thomas-Münzer-Straße sollen aus den aktuell 24 Stellflächen der GmbH mehr als doppelt so viele – nämlich 50 – werden.

„Im gleichen Zuge entstehen für die älteren Bewohner Sitzmöglichkeiten, eine Fahrradstellfläche wird geschaffen und auch eine Spielecke für die Kinder“, sagt Olaf Heinze. Dafür wurde der Platz gebraucht. Umgesetzt werden sollen die Bauarbeiten voraussichtlich noch in diesem Jahr. Die Fällungen seien beim Ordnungsamt der Stadt auch genehmigt worden.

Die große Kiefer dagegen habe Anwohner gestört, weil zu viel Schatten auf den Wäscheplatz gefallen sei, berichtet Herr Heinze. Eine Seniorin schaut aus dem Fenster. Sie sagt, dass es nun in ihrer Wohnung heller geworden ist. Eine andere ältere Dame möchte lieber gar nichts zu den Fällarbeiten sagen und winkt ab. Sie habe sowieso keinen Einfluss auf das, was geschieht, meint sie. Ein Teil der Wohnungen auf der Münzer-Straße gehört zur Wohnungsgenossenschaft Völkerfrieden eG.

Hinter den Blocks leben noch Pflanzen und Tiere

Auch die hat Fällarbeiten an der Weißenberger Straße beauftragt, wie die Genossenschaft auf Nachfrage mitteilt. Dort sei die Säge wegen der Sicherheit angesetzt worden. Hinter den Blocks befindet sich freies Feld. Der Feldrandstreifen ist bepflanzt mit Bäumen und Gebüsch. Da trällert ihm Frühjahr auch die Nachtigall, wie Reinhard Orsakowsky beobachtete. Er hofft, dass nicht auch noch hinter den Häusern weitere Sägearbeiten stattfinden.

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