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So wehrt sich eine Hausgemeinschaft

Wozu eine Betreuungspauschale zahlen, wenn gar nicht betreut wird? Das wollen Senioren in Reichenbach nicht mitmachen.

Im Seniorengerechten Wohnen gibt es 15 Mietwohnungen. Die sind bei Rentnern beliebt. Eine Abgabe finden die Bewohner jedoch ungerecht.
Im Seniorengerechten Wohnen gibt es 15 Mietwohnungen. Die sind bei Rentnern beliebt. Eine Abgabe finden die Bewohner jedoch ungerecht. © Constanze Junghanß

Die Rentner wollen sich das nicht gefallen lassen: Bewohner des Seniorengerechten Wohnens in Reichenbach der Diakonie St. Martin wehren sich.

In einem Brief an den Vorstand der Diakonie St. Martin mit Sitz in Rothenburg fordern sie die sofortige Aufhebung der Betreuungspauschale und die Rückzahlung der Gelder für September 2020 bis März 2021. „Seit Monaten findet keine Betreuung mehr statt“, steht in dem Brief und auch, dass die Unterzeichner darauf drängen, dass diese Pauschale generell nicht mehr erhoben wird. Veranstaltungen im Haus konnten aufgrund des Lockdowns nicht stattfinden. Denn da war die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis hoch. Gezahlt werden musste trotzdem.

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Der SZ liegt das Schreiben vor. Die Bewohner möchten aber anonym bleiben. Monatlich fallen nach Angaben der Senioren etwa 20 Euro pro Person an. Das sei für einige der Rentner viel Geld, erzählt eine betagte Dame. Wofür die Pauschale da ist, ist den alten Menschen unklar. „Im Mietvertrag steht diese Betreuungspauschale mit drin“, erklärt ein über 80-Jähriger und sagt auch, dass das Seniorenwohnen nicht mit dem Betreuten Wohnen vergleichbar sei.

Es gibt große Balkone und ein seniorengerechtes Bad

Die Wohnungen sind normale Mietwohnungen, deren Zuschnitte auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt sind. So gibt es zum Beispiel keine Schwellen, einen Fahrstuhl, großzügige Balkone und ein seniorengerechtes Bad. Wer Unterstützung durch einen Pflegedienst benötigt, kann diesen Dienst zusätzlich buchen. Abgerechnet wird dieser in der Regel mit den Pflegekassen. Mit der Miete hat das nichts zu tun.

Aufgrund ihres Gesundheitszustandes würden so oder so die meisten aus dem Haus gar nicht an Veranstaltungen – also einer Betreuung - teilnehmen. Gemeinsames Kaffeetrinken und der Treff zu Gesprächen hätten alle 14 Tage stattgefunden. „Dafür brauchen wir aber keine Betreuung“, sagt der Senior. Antwort bekamen die Rentner bisher nicht, wie sie erzählen. „Wir wollen keine Entscheidungen mehr über unsere Köpfe hinweg, sondern als Partner gesehen werden“, betont eine Endsiebzigerin. Auch im Alter wolle man mit seinen Fragen ernst genommen werden.

Diakonie-Sprecherin Doreen Lorenz kann auf die Schnelle auch nicht sagen, wofür die Betreuungspauschale eigentlich gedacht ist. Jetzt hoffen die Senioren jedoch auf ein klärendes Gespräch mit Mitarbeitern der Diakonie St. Martin. Kommende Woche Mittwoch soll es eine Hausversammlung dazu geben.

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