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Holtendorferin schreibt an Kretschmer

Prüfungsvorbereitung im Homeschooling? Das geht nicht, dachte sich Anna-Lina Kerner von der Medizinischen Berufsschule und wandte sich nach Dresden.

Anna-Lina Kerner aus Holtendorf lernt ihren Traumberuf und wird später im Labor arbeiten. Die junge Frau hat jedoch nun wegen politischen Entscheidungen in der Corona-Pandemie genauso wie andere Schülerinnen und ihre Berufsschule ein Problem.
Anna-Lina Kerner aus Holtendorf lernt ihren Traumberuf und wird später im Labor arbeiten. Die junge Frau hat jedoch nun wegen politischen Entscheidungen in der Corona-Pandemie genauso wie andere Schülerinnen und ihre Berufsschule ein Problem. © Constanze Junghanß

Anna-Lina Kerner hat sorgenvolle Wochen hinter sich. Ihr Beispiel zeigt, wie viel in diesen Coronazeiten an einer einzigen Kabinettsentscheidung hängen kann, wie sehr sie sich auf die Zukunft von Menschen auswirken kann.

Zusammen mit etwa 20 weiteren Schülern lernt die junge Holtendorferin einen Beruf, der in der Corona-Pandemie mehr denn je im Fokus steht: Medizinisch-technische Laboratoriumsassistent/in heißt die Ausbildung. Anna-Lina ist im dritten Lehrjahr.

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Im Sommer möchten sie und die anderen Schüler ihren Abschluss in der Tasche haben. Die 21-Jährige überlegt, vielleicht in die Oberlausitz zurück zu kommen. Fachkräfte werden schließlich gebraucht. Aktuell lebt Anna-Lina in Dresden, da sie an der Medizinischen Berufsschule am Städtischen Klinikum Dresden lernt. Doch während die Abschlussklassen der Gymnasien und Oberschulen sachsenweit Präsenzunterricht erhalten, war das bei der Berufsschule in den vergangenen Wochen nicht so. Und das war es, was den jungen Menschen solche Bauchschmerzen bereitete.

„Leider wurde unsere Schulform in den letzten Beschlüssen nicht berücksichtigt“, sagt sie. Dabei erfolgten letztendlich die Abschlussprüfungen einschließlich der praktischen Prüfungen nur in der Schule. „Durch diese Beschlüsse war es nicht möglich, uns auf diese Prüfungen vorzubereiten“, erzählt die junge Frau. Die Praxis fehlte wochenlang: Im Homeschooling konnten beispielsweise Gerüche nicht ausgewertet, keine Nährböden beimpft oder Präparate angefertigt werden.

Labor- und Radiologieassistenten ungleich behandelt

Doch warum gibt es diese Ungleichbehandlung? „Das Sächsische Kultusministerium begründete die Entscheidung, den Präsenzunterricht für Abschlussklassen an Berufsfachschulen von den Regelungen ab 18. Januar 2021 auszuschließen damit, dass eine Vielzahl der Auszubildenden für diese Zeit lange Fahrtwege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen oder auswärtig untergebracht werden müssten“, so Viviane Piffczyk, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit des Städtischen Klinikums Dresden.

Für die praktische Ausbildung dagegen bestünden diese Bedenken seitens des Ministeriums nicht. Beispielsweise machen angehende Gesundheits- und Krankenpfleger, ihre praktische Ausbildung auch unter Corona-Bedingungen und damit verbundenen strengen Hygieneauflagen in der Klinik. Bei den Labor- und Radiologieassistenten war das jedoch nicht so. Die haben die notwendige Ausrüstung für die Praxis in der Schule.

Konkrete Forderungen an Kretschmer

Anna-Lina Kerner wandte sich gemeinsam mit der Zittauerin Anne Franze mit einem Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Sie forderten, genauso wie die Abschlussklassen der Gymnasien und Oberschulen Präsenzunterricht zu erhalten“ , schrieben die Schülerinnen im Namen ihrer Klasse. Und begründeten das auch damit, dass die Prüfungsanforderungen aufgrund der staatlichen Prüfvorgaben in ihrer Ausbildung nicht eingekürzt werden. Dazu kommt: Die Praxis würde auch später im Arbeitsalltag benötigt. Gebe es nun wegen dem fehlenden Präsenzunterricht eine höhere Durchfallquote, verschärfe das den Fachkräftemangel. „Die Laboreinrichtungen arbeiten derzeit ohnehin schon am Limit und könnten nicht durch neues ausgebildetes Personal verstärkt werden“, weiß die junge Frau.

Auch ihre Schule hatte sich ans Kultusministerium gewandt, wie Viviane Piffczyk mitteilt. „Wir bilden mehrere systemrelevante Berufsbilder aus und sichern damit langfristig die Versorgung der Bevölkerung in Gesundheitseinrichtungen“, sagt sie und auch, dass das im Homeschooling angeeignetes Wissen nicht die praktischen Lehrinhalte und Übungsmöglichkeiten vor Ort ersetzt. Schüler und Schule hofften, dass sich die Politik dem Thema annimmt und eine Lösung schafft.

Die scheint nun gefunden - mit der neuen Corona-Schutz-Verordnung, die das Kabinett am Mittwoch beschlossen hat: Ab 8. Februar öffnen nun die Berufsschulen wieder für Abschlussklassen. Der Kreis der Schüler, die ihre Schulen wieder besuchen können, wird dann erweitert. Schüler der Abschlussklassen und Abschlussjahrgänge an Berufsschulen, Berufsfachschulen und Fachschulen können wieder in den Präsenzunterricht - auch Anna-Lina Kerner und ihre Mitschüler. Ob ihr Brief ein bisschen dazu beigetragen hat - oder ob die Neuregelung aus Dresden schneller war, ganz klar ist es nicht. Am Ende ist den Schülern am wichtigsten, wieder in die Schule zu dürfen.

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