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Riesengebirge fehlen deutsche Ski-Touristen

Trotzdem fließt im polnischen Niederschlesien und Böhmen viel Geld in den Ausbau der Infrastruktur und Angebote.

Seit Kurzem wird Kunstschnee mit einer Schneekanone auf einer Piste im Skigebiet Buková Hora im Böhmischen Mittelgebirge versprüht. Die Skigebiete waren kurz geöffnet, nun sind sie zunächst bis 10. Januar zu.
Seit Kurzem wird Kunstschnee mit einer Schneekanone auf einer Piste im Skigebiet Buková Hora im Böhmischen Mittelgebirge versprüht. Die Skigebiete waren kurz geöffnet, nun sind sie zunächst bis 10. Januar zu. © dpa

Von Petra Laurinova und Klaus-Peter Längert

Gaststätten, Hotels und Pensionen in Tschechien sind wegen Corona zum dritten Mal dieses Jahr geschlossen. Die Skisaison in den Wintersportzentren war zwar kurz angelaufen; es herrschte reger Betrieb. Doch seit 27. Dezember sind sie wieder dicht.

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Schon zuvor waren die Sportanlagen nur für Tagesgäste und Einheimische nutzbar. Skiurlaub war nicht möglich. Der tschechische Verband der Skigebiete ist, laut Direktor Libor Knot, aus Rücksicht auf die aktuelle pandemische Lage mit den Restriktionen einverstanden. Manche Wintersportresorts und Hotel-Besitzer, zum Beispiel in Bedrichov (Friedrichswald), befürchten aber, dass sie den Großteil der Stammkunden verlieren.

Wochenlange Vorbereitungen sind jetzt zunichte

Die Betreiber der Lifte und Pisten hatten sich wochenlang auf den Start der Saison vorbereitet. Und weil es an natürlichem Schnee mangelte, „liefen die Schneekanonen auf vollen Touren“, sagt Jakub Hanuš, Direktor des Skiareals auf dem Jeschken bei Liberec (Reichenberg). Dort ist die lange angekündigte neue Skipiste „Nová Skalka“ fertig. Sie ist 1,5 Kilometer lang und 45 Meter breit. Sie soll eine der bequemsten in Tschechien sein, meinen die Investoren und Pächter des Skigeländes von der slowakischen Gesellschaft TMR. Besonders geeignet sei sie für Familien mit Kindern. Sie ersetze eine schmale, nur zehn Meter breite Abfahrtstrecke. „Es war ein sehr gefährlicher Abschnitt, wo viele Anfänger Probleme hatten, sicher zurückzukehren“, sagte Hanuš.

Umstritte Ausbau-Pläne am Jeschken

Jährlich kommt es auf dem Jeschken zu rund 140 Ski-Unfällen. Vor drei Jahren kam ein Skifahrer ums Leben, als er gegen ein Fahrzeug des Bergrettungsdienstes prallte. Die Erweiterung des Skigebiets war von Umweltschützern heftig kritisiert worden, weil für den Ausbau der Piste knapp sieben Hektar Wald abgeholzt wurden. Der Betreiber verpflichtete sich aber, 20 Hektar Wald neu anzupflanzen. Die Piste wurde in nur sechs Wochen gebaut. Die Erweiterung kostete TMR über 120 Millionen Kronen (über 455.000 Euro). Neue Anlagen zur Erzeugung von Kunstschnee und fürs Flutlicht seien für das nächste Jahr geplant.

Das Sportzentrum bietet den Skifans zum ersten Mal Skipässe mit drei Jahren Gültigkeit. Der Vorverkauf mit Rabatten lief bis Weihnachten. „Aber die Leute sind vorsichtig und wegen der Pandemie haben sie mit einem Kauf bis zur letzten Minute gewartet“, so Jakub Hanuš. Momentan werden online nur Tagespässe für 690 Kronen (über 26 Euro) angeboten. Das Skigebiet auf dem Jeschken bietet fast zehn Kilometer Abfahrten. Seit Dezember 2017 modernisiert TMR – nach und nach sollen 700 Millionen Kronen fließen. Allerdings sei die letzte Saison wegen schlechten Wetters kurz und besucherarm gewesen. Mit 65.000 Skigästen kam man nur auf 40 Prozent des Schnitts.

Dieses Jahr sehen Meteorologen insgesamt günstige Wetterbedingungen, wenn auch nur für die Produktion von Kunstschnee. Ohne den geht sowieso fast nichts mehr im Nachbarland – auch in den Skigebieten im Iser- und Riesengebirge. Dort wurde trotz aller Schwierigkeiten ebenfalls investiert. So haben die Betreiber des Skiresorts Černá hora/Pec (Petzer) eine neue Schneefräse gekauft. Erweitert wurde das Angebot an Skipässen, die man auch online erwerben kann. Rokytnice nad Jizerou (Rochlitz) hat Beschneiungstechnik und Infrastruktur modernisiert. Das Resort bietet nun zum Beispiel beheizte Boxen für die Kleidung der Skifahrer an. In allen Skigebieten gelten Maskenpflicht und Abstandsgebote.

Deutsche Skifahrer droht Quarantäne bei Ski-Ausflug

Wann und ob deutsche Gäste in dieser Saison in den Pistengenuss kommen, ist völlig offen. Deutschland hat Polen und Tschechien als Risikoländer eingestuft, wer dorthin reist, muss nach seiner Rückkehr in eine zehntägige Quarantäne. Auch der kleine Grenzverkehr sieht den sportlichen Ausflug auf die Pisten nicht als Ausnahmen vor. Auch in den 36 Skigebieten der polnischen Region Niederschlesien hatte die Skisaison begonnen. Doch seit 28. Dezember gelten Einschränkungen. Polen hat einen Lockdown für die Zeit bis 17. Januar beschlossen; auch Skigebiete sind zu.

Das Skigebiet Bialy Jar (Seifengrube) der Firma Winterpol in Karpacz (Krummhübel) hatte 2020 trotz ungewisser Lage investiert. So bietet die Gondel jetzt Halterungen für die Skiausrüstung. In der Hauptsaison bis 7. März 2021 soll ein Zwei-Stunden-Ticket für die Liftnutzung 60 Zloty, ermäßigt 50 Zloty kosten. Für den Gratis-Transport der Besucher vom Parkplatz an der Olympischen Straße zur Talstation der Seilbahn auf die Kopa (Koppe) wird ein Beförderungsband eingesetzt. Es soll 225 Meter lang und das längste seiner Art in Polen sein.

Swieradow-Zdroj will in den nächsten Jahren investieren

Die Skiarena-Zieleniec (Grunwald) im Kreis Klodzko (Glatz) wird gleichfalls von Winterpol betrieben. Dort gibt es 23 Pisten-Kilometer. 22 Hänge seien beleuchtet, bis 21 Uhr sei dadurch das Fahren möglich. Neu installiert wurde eine Seilbahn des Modells Tatralift – ein Viersitzer, der die Flotte von dann insgesamt 30 Aufzügen und Seilbahnen ergänzt. Für die Gäste wurde ein weiterer Parkplatz mit 160 Stellflächen in Nachbarschaft des Zentrums Diament angelegt. Neu in Zieleniec ist zudem ein Aussichtsturm auf dem Gipfel des 1.084 Meter hohen Orlica.

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Das Skigebiet Szrenica (Reifträger) bei Szklarska Poręba (Schreiberhau) bietet zwölf Kilometer Skipisten, die künstlich beschneit werden können. Die Beförderungskapazität der fünf Schlepp- und drei Sessellifte liegt bei 10.000 Personen pro Stunde. Zudem kann man beim Snowtubing in durchsichtige Reifen klettern und einen Hang hinunterrollen. Bei Schnee sind Hundeschlitten-Fahrten möglich. Im Wintersportgebiet Ski-Sun in Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg) können die Gäste zwei Abfahrten mit einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometer nutzen. Für die nächsten Jahre sind Investitionen in neue Lifte und in eine zusätzliche Gondelanlage geplant. (mit ihg, stn)

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