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Rummel-Zoff: Ein Görlitzer Rätsel bleibt

Zwei Rummel-Anbieter wollten nach Görlitz kommen. Nun hat einer verärgert zurückgezogen. Görlitz könnte von anderen lernen, wie es diesen Ärger vermeidet.

Unter der Woche ist noch Luft nach oben beim Rummel im Kidrontal, aber am Wochenende war die Resonanz sehr groß.
Unter der Woche ist noch Luft nach oben beim Rummel im Kidrontal, aber am Wochenende war die Resonanz sehr groß. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Görlitz. Gut läuft es, so lautet das erste Fazit von Michael Gruhl nach den ersten Rummel-Tagen im Kidrontal.

Gruhl ist in vierter Generation Schausteller. "Wir machen beides", erzählt er: klassische Kirmes auf einem Festplatz wie im Kidrontal in Görlitz - und Rummel bei Stadtfesten oder anderen größeren Veranstaltungen. Beim Jakobi-Markt in Ebersbach-Neugersdorf, oder auch dem Rothenburger Sommerfest ist er dabei. Aber Feste wie diese wurden voriges Jahr größtenteils abgesagt, auch dieses Jahr. Bleibt die klassische Kirmes, die nun für Schausteller wieder möglich ist.

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Rummel finden Anklang

Das Wochenende lief sehr gut im Kidrontal, erzählt Michael Gruhl. Unter der Woche sei aber noch Luft nach oben - die Ferien haben noch nicht begonnen. Bis 4. Juli gastieren er, ein Kollege und ihre Fahrgeschäfte auf dem Görlitzer Festplatz.

Elf Tage darauf wollte eigentlich die Familie Probst ins Kidrontal kommen, hatte aber abgesagt: Zwei Veranstaltungen ähnlicher Art in so kurzer Zeit - zu groß die Gefahr, dass der Zweite das Nachsehen hat. Aber Henry Probst, dessen Sohn den Schaustellerbetrieb inzwischen führt, wäre gerne gekommen. Er ist größtenteils bei Stadtfesten wie dem Görlitzer Altstadtfest dabei. Nachdem das voriges Jahr nicht stattfinden konnte, war er zum ersten Mal im Kidrontal, im September. Und zieht ebenfalls ein gutes Fazit: "Wir hatten einen super Zulauf."

Städte haben nicht mehr Anfragen

Wer nun gedacht hatte, dass wegen des Ausfalls von fast allen großen Stadtfesten wenigstens Jahrmärkte nach dem Wegfall fast aller Corona-Auflagen häufiger stattfinden, der irrt sich. Überrannt von Anfragen werden die Städte offenbar nicht. In Görlitz gingen nicht mehr Anfragen ein, teilt die Stadt mit. Auch für das Kidrontal stehen derzeit keine weiteren Jahrmärkte an. Die Terminkollision vom Juni/Juli bleibt eine Ausnahme.

Auch andere sächsische Städte kennen solche Kollisionen nicht. Die Stadt Plauen hat keine vermehrten Anfragen zu verzeichnen. Wenn, dann findet Rummel auf dem Plauener Festplatz statt, aber bislang seien für diesen keine Anfragen von Schaustellern eingegangen, teilt die Stadt mit.

In Freiberg findet ein Rummel normalerweise zusammen mit dem Bergfest statt. Das wird dieses Jahr zumindest nicht in seiner üblichen Form stattfinden - sondern "als kleine gemütliche Variante", sagt Christian Möls, Sprecher der Stadt Freiberg: Ende Juli findet der Bergstadtsommer statt.

Bautzen hofft auf den Winter

Bautzen hofft - dass der Wenzelsmarkt ab Ende November stattfinden kann. Falls es die Coronakrise zulässt, dann werden daran drei Schausteller mit ihren Kinderfahrgeschäften teilnehmen, erklärt Markus Gießler, kommissarischer Pressesprecher. Für Solo-Jahrmärkte stellt Bautzen den Schützenplatz zur Verfügung, der medientechnisch entsprechend erschlossen ist. Dort findet in der Regel einmal im Jahr ein Jahrmarkt statt. "Der Veranstalter der vergangenen Jahre möchte auch in diesem Jahr einen Rummel als 'Lausitzer Jahrmarkt' durchführen", Ende Juli. Aber auch hier: "Vermehrte Anfragen haben wir nicht zu verzeichnen", sagt Gießler.

Generell: Gehen Bewerbungen für ähnliche Veranstaltungen ein würden mindestens 6-8 Wochen dazwischen eingeplant. "Ergänzend informieren wir Veranstalter über vor- oder nachgelagerte Veranstaltungen", damit diese ihr wirtschaftliches Risiko beurteilen oder andere Termine prüfen können.

Ärger in Görlitz

In Görlitz wollten nun zwei Schausteller zu ähnlicher Zeit ins Kidrontal. Auch voriges Jahr soll es zu einer Überschneidung gekommen sein - und Michael Gruhl konnte nicht ins Kidrontal kommen. Die Stadt dementiert das aber, voriges Jahr habe es keine Probleme bei der Vergabe gegeben.

Dieses Jahr nun, bestätigte die Stadt, hatten Familie Probst und Michael Gruhl die Termine so nah beieinander beantragt. Doch das Görlitzer Rathaus informierte beide Seiten nicht von den kollidierenden Terminvorschlägen - wie es etwa in Bautzen üblich ist. "Als Verwaltung steht es uns nicht zu, zu beurteilen, ob zwei ähnliche Veranstaltungen im Abstand von Tagen oder Wochen für den Veranstalter wirtschaftlich wären oder nicht", erklärte Stadt-Sprecherin Juliane Zachmann. Bei jeder neuen Anfrage alle Veranstalter, die zu einem späteren Zeitpunkt bereits Ähnliches veranstalten wollen, um Zustimmung zu bitten, sei zum einen organisatorisch nicht leistbar und auch rechtlich nicht zulässig. Warum es in anderen Städten geht, bleibt aber das Görlitzer Rätsel.

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