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Görlitz

Mehr Geld für die einen, weniger für die anderen

Das Geld im Kulturraum Oberlausitz wird neu verteilt. Einige Museen büßen kräftig ein.

Symbolbild
Symbolbild © Archiv/Bernd Wüstneck/dpa

Einen Brief nach Dresden wollen sie schreiben – die Mitglieder des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien. Der Grund: Sie brauchen für die Kultureinrichtungen der Landkreise Görlitz und Bautzen künftig mehr Geld.

Die Inflation treibe die Betriebskosten nach oben. Und wegen abzusehender Tarifsteigerungen werden Löhne und Gehälter nach oben klettern, wie Bernd Lange am Freitag auf einer Sitzung sagte. Der Görlitzer Landrat ist zugleich Vorsitzender des Kulturkonvents. Das ist das Entscheidungsgremium im Kulturraum. Dem gehören neben Lange jeweils auch ein Vertreter des Landkreises Bautzen, der Stadt Görlitz sowie der Stiftung für das Sorbische Volk an. Sie wünschen sie eine grundsätzliche Anpassung der Kulturförderung, eine sogenannte Dynamisierung.

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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Das bedeutet, dass beispielsweise vorhersehbar steigende Personalkosten automatisch berücksichtigt werden. Ob das Schreiben Erfolg hat, ist offen. Erst einmal geht Kulturraumsekretär Joachim Mühle davon aus, dass die Zuwendung vom Freistaat Sachsen für die Oberlausitzer Kultur sinken werde. Corona könnte ein Grund sein. Der Kulturkonvent hat schon vor einer Weile entschieden, dass die eigenen Rücklagen von derzeit noch 1,3 Millionen Euro bis auf einen Restbestand von 300.000 Euro nach und nach aufgebraucht werden.

Kulturraum greift 2022 auf Rücklagen zu

„Auch damit es nicht Rückforderungen vom Land gibt“, so Bernd Lange. Auf diese Rücklagen greift der Kulturraum 2022 zu. Dadurch steige die Kulturumlage, die beide Landkreise und die Stadt Görlitz ohnehin zahlen, erst einmal nicht. Das war ursprünglich anders geplant.

Auf der Sitzung am 1. Oktober hat der Kulturraum die institutionelle Förderung für 47 Kultureinrichtungen beschlossen. Es geht im Wesentlichen um Sach- und Personalkosten. Insgesamt fließen 2022 dafür über 17,154 Millionen Euro. Das ist rund eine Million mehr als in diesem Jahr. Der Grund dafür ist, dass der Kulturraum neue Richtlinien für die Förderung beschlossen hat. Für alle Einrichtungen außer für die Theater liegen nun die tatsächlichen Kosten bei der Bewilligung zugrunde. Bislang gab es eher eine Art pauschaler Zuwendung. Für einige Häuser bedeutet das nun ein Plus.

So erhält die Energiefabrik Knappenrode reichlich 100.000 Euro mehr als im letzten Jahr. Für das Sorbische Museum liegt der Zuwachs bei etwa 60.000 Euro. Beim Deutschen Damast- und Frottiermuseum in Großschönau steigt die Förderung um rund 78.000 auf reichlich 116.000 Euro. Das Glasmuseum Weißwasser bekommt rund 5.000 Euro mehr als 2021. Für die Städtischen Museen Zittau steigt die Förderung um rund 14.000 Euro. Dafür sinkt der Zuschuss für die Kreisarbeit der Christian-Weise-Bibliothek um rund 50.000 Euro. Auch andere büßen teils deutlich ein. So das Museum Bautzen. Es bekommt knapp 243.000 Euro – das sind reichlich 100.000 Euro weniger als im letzten Jahr. Für die Görlitzer Sammlungen sinkt die Zuwendung um knapp 20.000 Euro, für das Löbauer Stadtmuseum um knapp 10.000 Euro. Das Kamenzer Lessingmuseum erhält rund 40.000 Euro weniger. Im Vorfeld hatte es wegen dieser Neuverteilung vor allen aus den Städten Bautzen Kamenz viel Kritik gegeben. Teilweise fließt nun mehr Geld für „kleine“ Einrichtungen, während größere Häuser Einbußen haben.

Noch nicht betroffen von der Neuordnung sind die Theater der Region. Sie erhalten nach wie vor den größten Anteil an der Förderrung. Für das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau sind es 6,83 Millionen Euro, für das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen rund 2,3 Millionen und für das Sorbische National-Ensemble Bautzen 260.000 Euro.

Sorbisches National-Ensemble restauriert Eingangbereich

Weil der Freistaat Sachsen dieses Jahr mehr Geld für Investitionen in Kultureinrichtung zur Verfügung gestellt hat, konnte der Kulturkonvent Mittel für zwei weitere Vorhaben in dem Bereich bewilligen. Das Sorbische National-Ensemble erhält knapp 38.600 Euro für die Innenausstattung des Eingangs- und Besucherbereichs. Die Maßnahme kostet insgesamt knapp 77.200 Euro. Sie sei Teil eines großen Sanierungsvorhabens in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro, wie Jan Budar von der Stiftung für das Sorbische Volk sagte. Der Hauptteil des Geldes stamme aus ehemaligem SED-Vermögen.

Auch die Görlitzer Musikschule Johann Adam Hiller erhält eine Investitionsförderung. Sie will 103 Fenster erneuern. Grund sei Lärm, der durch die alten Fenster dringe und einige Anwohner störe, wie der Gölitzer Kulturbürgermeister Michael Wieler erklärte. Die Baumaßnahme kostet über 158.000 Euro, knapp 80.000 Euro gibt es vom Kulturraum. Noch nicht beschlossen wurde die Projektförderung für das kommende Jahr. Das könnte auf der Sitzung im Dezember geschehen.

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