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Görlitzer rettet Freibad-Rutsche

Und stellt sie sich in den Garten. Die Rutsche gehörte zum Freibad Lohsa, das seit zehn Jahren zu ist. Thomas Schuster ist dort als Kind oft gewesen.

So viel wie in den vergangenen Wochen sei er in seinem Leben noch nicht fotografiert worden, sagt Thomas Schuster.
So viel wie in den vergangenen Wochen sei er in seinem Leben noch nicht fotografiert worden, sagt Thomas Schuster. © Martin Schneider

Selbst die alten Hinweisschilder sind noch dran am Rutschenturm: "Das Benutzen der Rutsche mit Armbanduhren ist untersagt", heißt es auf einem der Schilder. "Vielleicht wegen der Gefahr, dass Kratzer entstehen", nimmt Thomas Schuster an. Er ist der Inhaber der Pizzeria Freddy Fresh in Görlitz. Und seit einiger Zeit der Besitzer einer 50 Meter langen Schwimmbadrutsche, die er aus einem lange geschlossenen Freibad rettete. Und in seinem Garten aufgebaut hat.

Nicht mit so viel Trubel gerechnet

Von der Zittauer Straße aus kann man die gelbe, gewundene Rutsche sehen. "Aber nur im Winter", sagt Schuster. Im Sommer wird das Grün der Bäume das Gelb der Rutsche verdecken. Dass diese so viel Aufmerksamkeit heraufbeschwören würde, damit habe er nicht gerechnet. Aber bei der Rutsche befindet sich eben weder ein Bad noch ein See - sondern Schusters Grundstück, eine große Wiese. Auf der jetzt auch ein großes, aufblasbares Bassin steht. Ob das reichen wird? "Werden wir sehen, wenn ich das erste Mal gerutscht bin", sagt Schuster mit einem Schmunzeln. "Nein, ich war nicht zu hundert Prozent sicher, wo die Rutsche letztlich enden würde." Reicht das Bassin nicht, ist geplant, einen Pool in passender Größe anzulegen.

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Eine Rutsche im privaten Garten. Ganz fertig ist sie noch nicht. Auch, ob es bei dem Bassin bleibt, ist noch fraglich.
Eine Rutsche im privaten Garten. Ganz fertig ist sie noch nicht. Auch, ob es bei dem Bassin bleibt, ist noch fraglich. © Martin Schneider

Ganz fertig ist das Werk noch nicht, die gelbe Rutschbahn hat noch Lücken, einige Teile müssen noch eingesetzt werden. Nächsten Sommer, hofft Thomas Schuster, ist er damit fertig. Vor etwa anderthalb Jahren hat er die Rutsche der Gemeinde Lohsa abgekauft. Für 2.000 Euro, die für soziale Zwecke genutzt werden sollen, erzählt er. Stück für Stück hat er sie nun aufgebaut. Auf der Rutsche ist er schon als Kind ins Wasser gesegelt.

Viele Kindheitserinnerungen

Sie gehörte zum Freibad Lohsa. "In der Nähe hatten meine Eltern einen Camping-Dauerplatz." Regelmäßig also verbrachte die Familie Sommer-Wochenenden dort. Und Thomas Schuster und seine vier Jahre ältere Schwester waren oft im Freibad. "Mit meiner ersten Freundin bin ich oft runtergerutscht", erinnert sich Schuster mit einem Schmunzeln.

Seit sieben Jahren wohnt er auf der Zittauer Straße in einem Haus, das er größtenteils saniert hat. Einiges ist noch zu tun, aber das Grobe ist geschafft. "Ein neues Hobby musste her." Wann immer der 39-Jährige seine Eltern besucht, kommt er am ehemaligen Freibad Lohsa vorbei. Ursprünglich entstand es in den 50er Jahren, es gab mehrere Umbauten und Neuaufbauten.

Freibad Lohsa seit zehn Jahren zu

Seit zehn Jahren aber ist es geschlossen. Initiativen und Ideen, es wieder zu eröffnen, scheiterten bislang. Auch, weil baurechtlich alles schwierig ist: das Bad-Grundstück liegt im Überschwemmungsgebiet der Kleinen Spree, noch dazu im sogenannten Außenbereich der Kommune, was für eine Umnutzung große Hürden bedeuten würde. Und auch für einen Abriss fehlt Geld. Der Gemeinderat hatte bereits vor einigen Jahren mehrheitlich entschieden, eher Mittel für die Entwicklung des Tourismus an den Seen in der Gegend zu nutzen.

Das ist ein weiteres Problem für das Bad. Es hat starke Konkurrenz. In unmittelbarer Nähe sind der Dreiweiberner See, der Knappensee und der Silbersee. "Wer gibt da Geld aus, um in ein Freibad zu gehen?", sagt Thomas Schuster. In seiner Kindheit und Jugend waren die Seen noch nicht so erschlossen wie heute, der Preis fürs Freibad sehr niedrig, erzählt er. Wenigstens die Rutsche wollte er retten.

Stück für Stück ging es an Ab- und Aufbau

Mit Freunden, seinem Nachbarn und einem Miettransporter fuhr Schuster in den vergangenen Monaten immer wieder nach Lohsa, demontierte die Rutsche, holte sie in ihren hunderten Einzelteilen - Metallstreben, XXL-Schrauben, die Teile der Bahn - nach Görlitz. Alles vorab genau nummeriert. Genauso Stück für Stück wurde sie hier wieder aufgebaut. "Mit den drei Türmen der Rutsche ging das natürlich nicht." Die ließen sie von einer Spedition mit Kran abbauen, transportieren und im Görlitzer Garten in neue Fundamente einsetzen.

9,50 Meter misst die Konstruktion an ihrer höchsten Stelle. Sprungschanzen, Sprungtürme und Rutschbahnen mit einer Höhe bis zu zehn Metern gehören laut sächsischer Bauverordnung zu den sogenannten verfahrensfreien Bauvorhaben. Mit einer Pumpe, die noch zu installieren ist, wird das Wasser für die Rutsche aus dem Bassin - oder später vielleicht Pool - nach oben gepumpt.

Die Rutsche soll in Zukunft für den Privatgebrauch sein, "für meine Kinder und Enkel". Einen Sohn hat Thomas Schuster. "Er sagt, ich sei verrückt. Das haben auch viele andere in meinem Umfeld gesagt. Aber je mehr zu sehen war von der Rutsche, umso weniger war ich verrückt."

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