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SAEK wird Opfer von Sachsens Förderpolitik

Der Ausbildungskanal war beliebt. Doch eine veränderte Förderrichtlinie bringt jetzt das Aus. Am Verhalten des Görlitzer Rathauses gibt es zudem Kritik.

Olav Giewald und Franziska Könitzer im Tonstudio von SAEK. Bald wird es geschlossen.
Olav Giewald und Franziska Könitzer im Tonstudio von SAEK. Bald wird es geschlossen. © Martin Schneider

Rico Schramm ist wütend. Der Görlitzer, der als Erzieher arbeitet, ärgert sich auf seinem Facebook-Account über das Aus des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals (SAEK). "Im 21. Jahrhundert eine Institution zu schließen, die sich mit modernen Medien und ihren Nutzern befasst, ist so, also würde man Apple verbieten, Smartphones herzustellen", schreibt der Erzieher.

Ende Juni dieses Jahres ist SAEK, eine Einrichtung der Medienbildung, in Görlitz Geschichte, drei Mitarbeiter müssen sich neue Jobs suchen.

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Drei Gründe für die Nichtbewerbung

Die edmedien GmbH, die das Görlitzer SAEK betreibt, bewarb sich nicht um eine erneute Förderung. Olav Giewald, der Görlitzer Studioleiter des SAEK, benennt dafür drei Gründe: Die Kriterien in der Ausschreibung der Fördermittel der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) und die Arbeit der Görlitzer Medienbildner passten nicht zusammen. Darüber hinaus bewarben sich zwei andere Einrichtungen aus der Region um die Fördermittel - der Verein Second Attempt mit "Rabryka" und die Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit) des Landkreises Görlitz, unter deren Dach beispielsweise die Volkshochschule, die Musikschule und die Bibliotheken des Kreises arbeiten.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Nichtbewerbung spielte schließlich die fehlende Unterstützung für SAEK aus dem Görlitzer Rathaus. Denn Raummiete und Materialkosten, die nicht mehr über SLM gefördert werden, seien vom SAEK Görlitz nicht allein aufzubringen, sagt Giewald. Zwar hatten sich mehrere Stadtratsfraktionen im Vorfeld, als das drohende Aus des SAEK Ende des Vorjahres bekannt wurde, für den Erhalt der Einrichtung ausgesprochen. Aber wie auch bekannt wurde, habe es aus dem Rathaus nicht an SAEK, sondern an Second Attempt die Aufforderung gegeben, sich um die Fördermittel zu bewerben.

Olav Giewald versteht zwar, dass die Medienbildung mit dem Görlitzer Verein im neuen soziokulturellen Zentrum in Görlitz gut angesiedelt sein könnte. Aber es macht ihn traurig, dass die Tragweite der Neuausrichtung der Förderung von Medienbildung weg von Kindern und Jugendlichen ausschließlich hin zu Erwachsenen offenbar von vielen nicht erkannt werde.

Ob einer der beiden Bewerber aus der Region künftig Medienkompetenz vermitteln kann, entscheidet sich Mitte April. Dann will die SLM bekanntgeben, welche Einrichtungen in den künftig 15 sächsischen Wirkungskreisen Geld bekommen. Der Wirkungskreis Görlitz reicht bis Löbau und Zittau, wobei Görlitz das Oberzentrum bildet. Niesky gehört künftig als Mittelzentrum zum Wirkungskreis Hoyerswerda.

Projekte abarbeiten

Beim SAEK in Görlitz, der 1997 mit einem Bürgerradio startete und 2008 mit der Ausrichtung auf Medienpädagogik eine neue Qualität der Vermittlung von Medienkompetenz erreichte, werden die geplanten Projekte abgearbeitet. Olav Giewald hofft darauf, diese im April und Mai auch mit persönlicher Präsenz in Schulen machen zu können. Pandemiebedingt wurden diese Projekte verschoben, andere laufen derzeit online.

Hintergrund der Schließung des SAEK ist eine neue Richtlinie, mit der die Landesmedienanstalt bis zum 30.Juni dieses Jahres die Vermittlung von Medienkompetenz fördert. Ab dem Sommer fokussiert sich die Förderung auf den medialen Bildungsbedarf von Erwachsenen, also auf Menschen, die nicht über Schulen erreicht werden können. Dennoch gibt die Medienanstalt für die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen bis 2022 rund 300.000 Euro Fördergeld an Sachsens Kultusministerium. Jährlich 1,5 Millionen Euro stellt die SLM für die nächsten drei Jahre zur Verfügung, um einzelne Regionen in Sachsen mit Fördergeld für Medienbildung zu bedenken. Personalkosten und inhaltliche Tätigkeiten werden gefördert, Raummieten und Materialkosten aber nicht mehr.

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