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Ausbildungskanal kämpft gegen das Aus

Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk will die Verträge mit dem Görlitzer SAEK-Betreiber nicht verlängern. Dagegen regt sich Widerstand.

Olav Giewald und Franziska Könitzer im Tonstudio von SAEK.
Olav Giewald und Franziska Könitzer im Tonstudio von SAEK. © Martin Schneider

Am 30. Juni des nächsten Jahres könnte Schluss sein. Dem Görlitzer Medienprojekt Sächsischer Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK) droht die Schließung.

Hintergrund sind auslaufende Verträge mit den Betreibern der Medienprojekte. In Görlitz ist das die edmedien GmbH. Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) will die Verträge nicht verlängern, und zwar für keinen der acht SAEK-Standorte und das mobile Angebot in Sachsen.

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Neue Fördersatzung ist in Arbeit

Die SAEK-Förderwerk gGmbH als Auftraggeber der SAEK-Standorte hat sich – auch aufgrund der Covid-19-Pandemie – in ihrer Struktur verändert. Die bisherigen Mitgesellschafter der SLM haben ihre Gesellschafterstellung gekündigt. Das Förderwerk könne seine Tätigkeit daher nicht fortsetzen, sagt Markus Heinker, Präsident des Medienrates der SLM.

Diese Situation nahm SLM zum Anlass, Anpassungen an aktuelle Entwicklungen vorzunehmen, zum Beispiel bei der Struktur der Förderung. Der Medienrat will eine Modernisierung des mehr als 20 Jahre alten Systems. "Die nun anstehenden strukturellen Veränderungen sollen dazu beitragen, die Effektivität der Medienkompetenzförderung zu erhöhen", sagt Heinker. Der Medienrat beschloss, die Mittel mit Beginn der nächsten Förderperiode konkret den einzelnen sächsischen Regionen zuzuweisen, um sicherzustellen, dass alle Teile des Landes, insbesondere auch der ländliche Raum, angemessen daran partizipieren.

Dafür hat die Landesanstalt erneut rund 1,5 Millionen Euro in den Haushalt eingestellt. Allerdings sollen künftig nicht mehr administrative Kosten wie zum Beispiel Raummiete gefördert werden, sondern die Mittel sollen künftig ausschließlich für qualifiziertes Personal zur Verfügung stehen. Derzeit erarbeitet SLM eine neue Fördersatzung, die Mitte Januar 2021 veröffentlicht wird. Es stehe den derzeitigen Betreibern frei, sich auf die Mittel zur Medienkompetenzförderung zu bewerben, heißt es aus der Landesanstalt.

Die Medienkompetenzprojekte werden sich künftig noch stärker an diejenigen richten, die nicht über die Schulen erreicht werden. Gleichwohl wolle die SLM das Sächsische Kultusministerium noch bis 2022 dabei unterstützen, die Entwicklung der Medienkompetenz bei Schülern weiter zu intensivieren.

Studioleiter Olav Giewald (rechts) erklärt Kindern die Radiotechnik beim Ausbildungskanal SAEK. 2008 startete der Kanal mit neuen Medienprojekten für Schulen.
Studioleiter Olav Giewald (rechts) erklärt Kindern die Radiotechnik beim Ausbildungskanal SAEK. 2008 startete der Kanal mit neuen Medienprojekten für Schulen. © Christian Suhrbier

SAEK will weiter nachhaltig in Medien bilden

Der Görlitzer SAEK-Studioleiter Olav Giewald und sein Team möchten weiter nachhaltige Medienbildung anbieten, so wie es SAEK in Görlitz seit 1997 tut. Seit 2008 ist es mit Medienpädagogik in vielen Schulen unterwegs, rund 350 Schulprojekte bieten die neun Standorte derzeit insgesamt an und können gar nicht alle Anfragen berücksichtigen.

Seit 2018 widmen sich die Ausbildungskanäle verstärkt der Medienbildung für Erwachsene. Von den 2.000 Menschen, die 2019 bei SAEK lernten, war die Mehrzahl Erwachsene. Es sei nicht leicht, diese für die Weiterbildung zu gewinnen, sagt Giewald. Dennoch gelang es dem Görlitzer SAEK-Team, auch Senioren zu begeistern, sich Wissen und technische Fähigkeiten im Studio anzueignen.

Olav Giewald befürchtet eine Abkehr von der handlungsorientierten Medienpädagogik. Es gehe nicht nur darum, Schülern und Erwachsenen theoretisches Wissen in Medienbildung zu vermitteln, sondern es geht auch um praktische Kenntnisse und Fähigkeiten. Wer zum Beispiel erfährt, wie man ein Video herstellen kann, wird es selbst ausprobieren wollen. Dafür ist Technik nötig. Und die kostet Geld. Dankbar ist SAEK Görlitz für 840.000 Euro, die der Kanal in den vergangenen fünf Jahren als Förderung von SLM erhielt.

Giewald und sein Team warten auf die neue Fördersatzung, um Fördermittel zu beantragen. Eine Garantie für die Förderung gibt es aber nicht. SAEK Görlitz ist darüber hinaus bereits mit dem Rathaus im Gespräch, wie mögliche Unterstützung aussehen könnte.

Unterstützung von vielen Seiten

Im Bemühen um die Medienbildung für alle Altersgruppen steht SAEK Görlitz nicht allein. Unterstützung kommt beispielsweise von katholischer und evangelischer Kirche, wie deren Sprecher Raphael Schmidt und Ulrich Wollstadt an die SZ schreiben. "Erst vor Kurzem haben wir darüber beraten, wie wir christliche Werte mit einer Redaktion beim SAEK in Görlitz installieren", berichtet Schmidt. "Wir wollen mit Audio- und Video-Beitrag helfen, die gesellschaftliche Kluft zu überbrücken. Erfolgreiche und etablierte Strukturen dürfen nicht zerschlagen, sondern müssen adäquat weiterentwickelt werden."

Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz, Thomas Koppehl, sagt: "Gerade in diesen Corona-Zeiten wird uns bewusst, dass die digitale Kommunikation eine immer größere Bedeutung gewinnt. Darum sollten alle Strukturen im Bereich der Medienpädagogik gefördert werden."

Die Görlitzer Stadtratsfraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne hofft ebenso wie der sächsische Verein Medienpädagogik darauf, dass die erfolgreichen Strukturen der SAEK nicht zerschlagen, sondern weiterentwickelt werden. "Bis zum Abschluss einer solchen Weiterentwicklung sollte SAEK für eine Übergangszeit den jetzigen Betrieb fortsetzen dürfen", sagt Fraktionssprecher Mike Altmann.

CDU-Kreisverbands-Vorsitzender Florian Oest will Anfang des neuen Jahres mit Landtagsabgeordneten, SLM, SAEK selbst und Kommunen beraten, wie der Ausbildungskanal auch künftig verlässlicher Partner in der Medienbildung für Alt und Jung bleiben kann.

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