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Sänger aus aller Welt kommen nach Görlitz

Die Sopranistin Eleni Ioannidou veranstaltet mit Ars-Augusta im März einen Liedwettbewerb. Bis aus den USA, Brasilien oder China reisen die Teilnehmer an.

Eleni Ioannidou, Vorsitzende des Görlitzer Vereins Ars-Augusta, organisiert Musik in Schlesien. Falls Corona es erlaubt, findet im März ihr großer Liedwettbewerb in Görlitz statt.
Eleni Ioannidou, Vorsitzende des Görlitzer Vereins Ars-Augusta, organisiert Musik in Schlesien. Falls Corona es erlaubt, findet im März ihr großer Liedwettbewerb in Görlitz statt. © Martin Schneider

Als Eleni Ioannidou ihre Einladungen verschickte, rechnete sie mit 30, höchstens 40 jungen Sängern, die Interesse hätten, an ihrem Liedwettbewerb in Görlitz teilzunehmen.

"Aber die Resonanz war überwältigend", sagt die griechisch-polnische Sopranistin, die vor einigen Jahren nach Görlitz zog, einen Verein und einen Salon in der Augustastraße gründete, sich für Musik in Schlesien und die Förderung junger Künstler einsetzt und nun einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen hat: den "Ersten internationalen Liedwettbewerb Bolko von Hochberg".

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Finale soll im Theater erklingen

Insgesamt gingen 144 Bewerbungen von Duos – jeweils Sänger und Pianist – aus der ganzen Welt bei ihr ein. 92 wählte Eleni Ioannidou aus und hofft nun sehr, dass sich die Corona-Lage bis Ende März so weit entspannt hat, dass wieder Veranstaltungen möglich sind und das Theater öffnen kann.

Denn dort sollen "Semifinale" und "Finale" des fünftägigen Wettbewerbs am 24. und 25. März erklingen, vor Publikum, das einen Publikumspreis vergeben kann. Auch der erste Teil des Wettbewerbs, in dem sich vom 21. bis 23. März alle Duos mit wenigen Liedern vorstellen, soll öffentlich sein, aber der Raum dafür ist noch nicht festgelegt.

Der Liedwettbewerb steht mit der Tradition der Schlesischen Musikfeste in Verbindung, die Eleni Ioannidou schon seit Längerem beschäftigen. Er soll zwar keine Fortsetzung davon sein, aber er ist nach dem Gründer der Feste benannt, der auch den Bau der Stadthalle initiierte. "Bolko von Hochberg organisierte die Schlesischen Musikfeste ursprünglich auch als Wettbewerb", sagt Eleni Ioannidou.

Lieder zum Thema Griechenland

Thema ist jedoch Hellas. Damit dockt der Liedwettbewerb an ein Jubiläum an, das die Griechen in diesem Jahr feiern. Vor 200 Jahren begann die Griechische Revolution oder der Griechische Unabhängigkeitskrieg, mit dem sich die Griechen nach fast 400-jähriger Unterdrückung von der osmanischen Herrschaft befreiten. Griechenland, vor allem die Rückbesinnung auf die Antike, hatte damals viele Dichter und Denker in ganz Europa inspiriert. Die Befreiung Griechenlands hatte eine große Anhängerschaft, auch in Schlesien.

Eleni Ioannidou hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und weiß, wie viele Deutsche sich im 19. Jahrhundert eng mit Griechenland verbunden fühlten, ob sie nun wie Goethe Gedichte aus dem Griechischen ins Deutsche übertrugen, wie der Muskauer Dichter Leopold Schefer in seiner Novelle Palmerio Erzählungen in Griechenland spielen ließen, als Architekten in Griechenland wirkten oder wie der Dichter Lord Byron für die Freiheit der Griechen starben. "Griechenland ist jedenfalls ein Thema, dass alle Europäer verbindet", sagt Eleni Ioannidou.

Deshalb konnte sie für die Preisträgerkonzerte schon Partner außerhalb Deutschlands gewinnen: Neben Konzerten in Görlitz, München und auf Schloss Kuppritz in diesem Jahr sollen die Preisträger 2022 auch in Barcelona und im griechischen Nauplion auftreten.

Bewerber bis aus Asien und Amerika

Das Repertoire, aus dem sich die Teilnehmer ein Programm zum Thema Hellas zusammenstellen können, enthält viele Lieder von Franz Schubert nach Texten von Goethe und Schiller, Kompositionen berühmter anderer Liedkomponisten wie Hugo Wolf und Johannes Brahms, aber auch eine große Zahl von Liedern nach Texten der antiken griechischen Dichterin Sappho und sogar ein Lied von Bolko von Hochberg.

Um Teilnehmer zu gewinnen, veröffentlichte Eleni Ioannidou ihre Einladung nach Görlitz in Musikernetzwerken und schickte Plakate und Flyer an Musikhochschulen und Konservatorien. Bis in die USA, nach China, Korea, Japan und Brasilien ging ihre Post. "Offensichtlich haben die Schulen die Plakate tatsächlich aufgehängt", sagt die Veranstalterin des Wettbewerbs.

So kommen nun im März - falls möglich - rund 92 junge Profisänger und Studenten zwischen 20 und 40 Jahren mit ihren Klavierbegleitern nach Görlitz. "Sie freuen sich alle sehr", sagt Eleni Ioannidou, "und viele sind dankbar, in diesen Zeiten auf etwas hinarbeiten zu können." Auf der ganzen Welt seien Musiker und Sänger im Moment auf der Suche danach, wenigstens irgendwo auftreten zu können, etwas zu tun zu haben.

Wettbewerb zukünftig alle zwei Jahre

Auch dass dieser Wettbewerb ein Motto hat, sei sehr gut bei den Bewerbern angekommen. Das möchte Eleni Ioannidou mit ihrem Verein Ars-Augusta auch in Zukunft beibehalten. Ein Thema könne das Volkslied sein, auch Religion oder Liebe. Bei jedem dieser Mottos sei es interessant zu erfahren, was Sänger aus anderen Ländern und Religionen dazu beitragen können.

Ihre Idee für die Zukunft sei es, den Wettbewerb nach diesem Mal auch 2022 und dann alle zwei Jahre zu veranstalten, immer im Wechsel mit anderen Liedwettbewerben, die in ungeraden Jahren stattfinden.

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