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Hiobsbotschaft in der Straßburgpassage

In der Silvesternacht gingen in dem beliebten Görlitzer Einkaufszentrum Schaufensterscheiben zu Bruch - die sind aber erstmal gesichert.

Die in der Neujahrsnacht durch Böller beschädigten Schaufenster der Strassburg-Passage in Görlitz sind mit Holztafeln gesichert.
Die in der Neujahrsnacht durch Böller beschädigten Schaufenster der Strassburg-Passage in Görlitz sind mit Holztafeln gesichert. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Eigentlich wollte Tobias Heid das neue Jahr mit schönen Dingen beginnen. Denn das so schwierige Jahr 2020 endete für die Mieter der Straßburgpassage mit einer guten Nachricht - die Eigentümer hatten eine großzügige Spende an die Mieter gemacht. Doch am Neujahrsmorgen war die Freude darüber verflogen.

Tobias Heid, der die Straßburgpassage mit der Firma Heid & Partner für die Eigentümer verwaltet, wurde in der Neujahrsnacht in die Passage gerufen. Unbekannte hatten dort ihr Unwesen getrieben. Durch Böller wurden insgesamt neun Schaufensterscheiben zerstört. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

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Die Eingangstür zum Modegeschäft ist jetzt mit einer Holztafel verplankt. Sie hatte der Detonation nicht standgehalten.
Die Eingangstür zum Modegeschäft ist jetzt mit einer Holztafel verplankt. Sie hatte der Detonation nicht standgehalten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Kaputte Schaufensterscheibe beim Optiker Apollo.
Kaputte Schaufensterscheibe beim Optiker Apollo. © Foto: Heid & Partner
Ein gruseliger Anblick der Straßburgpassage, überall zerborstenes Glas.
Ein gruseliger Anblick der Straßburgpassage, überall zerborstenes Glas. © Foto: Heid & Partner
Das war einmal die Eingangstür zum Lederwarengeschäft.
Das war einmal die Eingangstür zum Lederwarengeschäft. © Foto: Heid & Partner

Dachfenster zu reparieren, ist aufwendig

Tobias Heid erreichte bis zum Mittag des Neujahrstages schließlich alle Mieter, die in der Straßburgpassage ein Geschäft haben, und informierte sie. Der größte Schaden entstand an den Schaufenstern der Geschäfte, die an der Seite zur Berliner Straße liegen, berichtet Heid und nennt dabei den Optiker Apollo, Mode-Express, das Lederwarengeschäft, Lady D und einen zurzeit leer stehenden Laden. Der Optiker hat wieder zu den üblichen Zeiten geöffnet, die anderen Geschäfte bleiben wegen des Lockdowns geschlossen.

Teilweise wurden in diesen Geschäften auch die Decken beschädigt. "Durch den Druck der Explosion wurden die Platten der abgehangenen Decken hochgewirbelt und verschoben, teilweise sind die Rahmen, die die Platten halten, kaputt", erläutert Heid. In den Geschäften selbst gab es Verunreinigungen und Schäden durch Glassplitter.

Obwohl Tobias Heid schon in der Nacht vor Ort war, stellte er das ganze Ausmaß des Schadens erst am Neujahrsmorgen fest. Denn nicht nur die Schaufensterscheiben waren Opfer der Attacke. Auch das Glasdach der Passage wurde erheblich beschädigt - 40 Scheiben gingen zu Bruch. Dass sie nicht herunterfielen, ist der Tatsache zu verdanken, dass es sich dabei um ein spezielles Glas handelt, in das ein feiner Draht eingearbeitet ist, der ein vollständiges Zersplittern des Glases verhindert.

Auch die Scheiben in dem Übergang der Passage, der zur Tanzschule Matzke führt, sind zerborsten. Diese waren aus normalem Fensterglas.

Offensichtlich kein normaler Böller

Dass hier handelsübliche Böller geworfen wurden, glaubt Tobas Heid nicht. Einerseits wurde in diesem Jahr in Deutschland kein Feuerwerk verkauft. Andererseits kann sich der Verwalter der Passage nicht vorstellen, dass "normale" Böller eine derartige Sprengkraft besitzen und so viel Schaden anrichten können. Zu einem ähnlichen Schluss komme die Polizei, erklärt Heid. Deswegen ermittele die Kriminalpolizei auch wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Kontakt zu Versicherern

Bis zum Mittag des Neujahrstages waren alle betroffenen Schaufensterscheiben mit großen Platten verschlossen. Tobias Heid und sein Team sind bereits im Gespräch mit Versicherern, Handwerkern und Glasern, die die Schäden reparieren werden. Doch so schnell ist das nicht gemacht, auch wenn Versicherungen bald zahlen.

Die neuen Schaufensterscheiben können erst eingesetzt werden, wenn die Holzrahmen repariert sind, denn auch die wurden teilweise stark beschädigt, erklärt Heid. Noch größer ist der Aufwand, um die Dachfenster zu reparieren. Dafür ist wahrscheinlich der Aufbau eines Gerüstes erforderlich. Tobias Heid ahnt schon jetzt, dass für die Dauer dieser Reparatur kein Durchgang in der Straßburgpassage möglich sein wird. Wann es soweit ist, kann er derzeit noch nicht definieren.

Insgesamt 40 dieser Scheiben im Glasdach wurden durch die Detonation beschädigt.
Insgesamt 40 dieser Scheiben im Glasdach wurden durch die Detonation beschädigt. © Archiv: Nikolai Schmidt

OB sagt Unterstützung zu

Zu der Zeit, als der oder mehrere Böller detonierten, befand sich der Wachschutz für die Straßburgpassage gerade auf der Seite zur Jakobstraße hin. Die Wachleute seien überrascht worden von der Druckwelle der Detonation, sagt Heid. Täter konnten sie aber nicht erwischen. Tobias Heid hofft nun, dass es der Polizei gelingt, die Verursacher der bisher stärksten Schäden in einer Silvesternacht in der Straßburgpassage zu ermitteln. "Auch wir sind für Hinweise aus der Bevölkerung dankbar", erklärt Heid.

Bei allem Ärger und Frust über das Geschehen in der Neujahrsnacht wertet es Tobias Heid als eine gute Geste, dass Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) am Montag persönlich seine Unterstützung für die Straßburgpassage übermittelte, nachdem er bereits am Neujahrstag die Zerstörungswut und die Verantwortungslosigkeit der Böllerwerfer in einer Pressemitteilung verurteilt hatte.

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