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Treffpunkte für die Jugend plötzlich zu

Mehrere Schulsozialarbeiter in Kurzarbeit, Treffpunkte für Kinder- und Jugendliche in Reichenbach und Niesky geschlossen. Was ist los beim Jugendring?

Im Schaufenster hängt ein Zettel neben dem Regenbogen – einem Zeichen für Zusammenhalt, der im ersten Lockdown angebracht wurde.
Im Schaufenster hängt ein Zettel neben dem Regenbogen – einem Zeichen für Zusammenhalt, der im ersten Lockdown angebracht wurde. © Constanze Junghanß

Die Tür ist geschlossen, die Sitzecke zusammen geschoben. An den Fenstern vom Jugendring am Marktplatz Reichenbach hängen Zettel. Auf ihnen steht: „Aus ungeklärter Förderung für dieses hier verankerte Projekt sehen wir uns gezwungen, unsere Angebote einzustellen.“ Das Licht ist aus, der Treffpunkt verwaist, die von den Kindern bunt bemalten Steine vom Fensterbrett verschwunden.

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Darüber sind Eltern wie Kinder gleichermaßen fassungslos. „Das fehlt hier doch“, sagt Tobias N., seinen vollständigen Namen möchte er nicht veröffentlichen. Der alleinerziehende Vater sagt, dass mit der Schließung des Jugendrings am Markt ein wichtiges Angebot wegbricht, welches viele Familien gern nutzten. Auch im Lockdown war der Jugendring – wenngleich eingeschränkt - für die Kinder da. „Meine Tochter machte da die Homeschooling-Aufgaben. Das fällt jetzt flach“, bedauert Tobias N. sehr. Auch andere Eltern sind traurig. Dagmar Ickert sagt, dass ihre Kinder die offenen Treffs immer gern besuchten. „Da gab es beispielsweise den Garten zum Mitmachen, die geschichtliche Spurensuche, wo ein kleiner Film über eine Schriftstellerin entstand oder das Graffiti-Projekt“, zählt sie einige der Aktionen auf. Die Ergebnisse vom Graffiti-Projekt sind am Parkplatz gegenüber dem Seniorenwohnen zu sehen: Da hatten Kinder bunte Plakate gegen illegalen Müll gestaltet. Seitdem bleibt der Platz sauber. Auch URBI-Stadtrat Uwe Thomas findet die aktuelle Schließung „fatal“, wie er betont. Die Schulsozialarbeit ist davon auch betroffen.

Landkreis antwortet zurückhaltend

Im jüngsten Stadtrat gab es darüber keine Informationen seitens der Verwaltung. Die Stadt hat die Räume am Markt dem Jugendring vermietet. Was damit nun passiert, scheint unklar.

Beim Jugendring sind aktuell acht der 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die Zahlen nennt Rolf Adam, Geschäftsführer vom Jugendring. Betroffen sind die Mitarbeiter der Aktivierenden Kinder- und Jugendarbeit in Reichenbach und Niesky und die Schulsozialarbeit an den Oberschulen in Reichenbach und Schleife. Auch in Krauschwitz findet momentan keine Schulsozialarbeit statt.

Für die Schulsozialarbeit sind in Sachsen die Landkreise zuständig. Umgesetzt wird sie durch die Träger. Der Landkreis Görlitz fördert sowohl die drei Standorte der Schulsozialarbeit als auch die Aktivierende Kinder- und Jugendarbeit in Reichenbach und Niesky. Das bestätigt Kreissprecherin Julia Bjar auf Nachfrage. Allerdings sagt sie auch: „Gelder sind für noch keines der genannten Projekte ausgezahlt.“ Grund sei dafür unter anderem die noch laufende Klärung der Finanzierungsmodalitäten mit dem Projektträger. Der Kreis antwortet nicht auf die Frage, ob er bei sich ein Verschulden sieht, dass die Schulsozialarbeiter derzeit in Kurzarbeit sind.

Der Treffpunkt am Markt Reichenbach war bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Nun ist er zu.
Der Treffpunkt am Markt Reichenbach war bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Nun ist er zu. © Constanze Junghanß

Geld blieb aus, Mitarbeiter in Kurzarbeit

Rolf Adam schildert, der Jugendring habe auf Zusagen im Jugendhilfeausschuss zu Abschlagszahlungen für die Bereiche Jugend - und Familienarbeit vertraut. Deshalb wurde zum Jahresbeginn die Arbeit in Reichenbach und Niesky und an den Schulen zuerst einmal aufgenommen. Der Jugendring ging in finanzielle Vorleistung. Die erhofften Fördergelder jedoch kamen nicht. Da es bis Ende Februar immer noch keine Lösung gab, wurden die Mitarbeiter ab dem 1. März in Kurzarbeit geschickt.

Auch mit Beginn des Wechselunterrichts am Montag mussten die Reichenbacher und Schleifer Oberschulen vorerst auf ihre Schulsozialarbeiter verzichten. An allen anderen Oberschulen wird die Schulsozialarbeit weiter durchgeführt, wobei in Mücka die Stelle unbesetzt ist. So informiert der Landkreis Görlitz.

Ob die Nieskyer und Reichenbacher Familien künftig wieder einen Anlaufpunkt in ihren Städten beim Jugendring mit dem Projekt der Aktivierenden Kinder- und Jugendarbeit haben werden, ist im Moment völlig offen. Und ebenso, wie es mit der Schulsozialarbeit an den Schulen in Reichenbach, Schleife und Krauschwitz weiter geht.

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