merken
PLUS Görlitz

Schnitzerei für Breslauer Altar macht in Görlitz Station

In der Dreifaltigkeitskirche ist zurzeit eine geschnitzte Abendmahlsszene zu sehen. Sie soll später in einer evangelischen Kirche in Polen ihren Platz finden.

Die geschnitzte Abendmahlsdarstellung von Roman Sledz macht Station in Görlitz, bevor sie in der Breslauer Christophorikirche in den Altar eingesetzt wird.
Die geschnitzte Abendmahlsdarstellung von Roman Sledz macht Station in Görlitz, bevor sie in der Breslauer Christophorikirche in den Altar eingesetzt wird. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Eine kleine geschnitzte Abendmahlsszene, Jesus am Tisch im Kreis seiner Jünger, steht seit dem Wochenende unterhalb der Kanzel in der Dreifaltigkeitskirche. Der polnische Künstler Roman Sledz hat sie angefertigt, gedacht ist sie für den Altar der evangelischen Christophorikirche in Breslau.

Dort fehlt unterhalb des Altarbildes eine Abendmahlsdarstellung, die vermutlich im Zweiten Weltkrieg verloren ging. Diese im Zuge einer Restaurierung des Altars zu ersetzen, darum bemühen sich gerade die Oldenburger Ludwig-Münstermann-Gesellschaft und die Evangelische St.-Christophori-Gemeinde in Breslau.

Anzeige
Intelligente Chips lenken die City
Intelligente Chips lenken die City

Ein in Dresden und Manchester entwickelter Chip ahmt das menschliche Gehirn nach – und macht neues Stadtleben möglich.

Kurator stammt aus Ostpreußen

Kurator ist der 83-jährige Pfarrer im Ruhestand Frank Klimmeck aus dem Oldenburger Land, dessen Familie 1945 aus Ostpreußen floh und sich in Niedersachsen ansiedelte. Bereits 1981, als in Polen das Kriegsrecht verhängt wurde, engagierte sich Klimmeck in der Polenhilfe und organisierte Hilfstransporte in seine frühere Heimat. Bis 1989 gingen durch seinen Einsatz zweimal pro Jahr Tausende Pakete in den Kreis Ostróda (Osterode) im heutigen Norden Polens.

Weil sich Frank Klimmeck auch für das Thema "Kirche und Kunst" engagierte, lernte er den polnischen Bildhauer Roman Sledz kennen, dessen expressiver Stil an die manieristische Schnitzkunst des Bremer Bildhauers Ludwig Münstermann (ca. 1565 bis 1639) erinnert. Die nach diesem benannte Gesellschaft bemüht sich nicht nur um die Erforschung der Werke Münstermanns, sondern möchte es auch zur gesamten nordeuropäischen protestantischen Kunstwelt in Beziehung setzen.

Brückenschlag nach Polen

"Unter diesem Aspekt gebührt dem Altar in der Breslauer St.-Christophori-Kirche aus dem Jahre 1592 eine ganz besondere Bedeutung", schreibt die Münstermann-Gesellschaft über dieses Werk eines schlesischen Künstlers. Die Ergänzung des Altars durch eine neue Abendmahlsszene soll auch als Brückenschlag nach Polen verstanden werden.

Auf diesem Weg dient Görlitz als Zwischenstation. Denn im Moment ist der Einbau der Schnitzerei in der St.-Christophorikirche noch nicht möglich. Deshalb wurde sie zunächst eine Zeitlang im Museum an der evangelischen Friedenskirche von Schweidnitz (Swidnica) ausgestellt, dann fragte Frank Klimmeck bei Pfarrer Matthias Paul an, ob die Evangelische Innenstadtgemeinde Görlitz die Schnitzerei ebenfalls zeigen könne. Voraussichtlich bis Ende des Jahres ist das Werk nun in der Dreifaltigkeitskirche auf dem Obermarkt zu sehen.

Mehr zum Thema Görlitz